Ärzte Zeitung online, 11.09.2017

Verspekuliert

Heiße Anlagetipps von schwarzen Schafen meiden!

Vorsicht, Falle! Mit vermeintlich sicheren Kaufempfehlungen obskurer Pennystocks bringen Betrüger immer wieder Sparer um ihr Geld. Eine große Portion Skepsis ist Anlegern geraten, die verdächtig lukrative Tipps erhalten.

Von Richard Haimann

Heiße Anlagetipps von schwarzen Schafen meiden!

Schwarze Schafe sind überall: An der Börse geben sie gerne ungefragt hoch spekulative Aktientipps.

© Mikel Wohlschlegel / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Von Oscar-Preisträger Martin Scorsese packend inszeniert, agiert Hollywood-Star Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street" als gerissener Betrüger, der Anleger mit vermeintlichen Aktientipps um ihr Vermögen bringt.

Was viele Zuschauer des mit zahlreichen Auszeichnungen überhäuften Spielfilms nicht wissen: Das Leinwanddrama basiert auf einer wahren Geschichte – der Autobiografie des Wertpapiermaklers Jordan Belfort, der wegen seiner Taten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Verbrechen, wie sie einst Belfort begangen hat, geschehen weiterhin. Derzeit sind wieder E-Mails im Umlauf, in denen Anlegern Aktien afrikanischer und lateinamerikanischer Bergbaugesellschaften als Investment mit 1000-Prozent-Rendite-Chance angepriesen werden.

"Kaufen Sie noch heute, denn morgen könnte der Aktienkurs bereits viermal so hoch sein", heißt es in solchen Schreiben, die anonym oder mit Absendern aus Nigeria oder Simbabwe im E-Mail-Postfach der Empfänger landen.

Börsennotierte Scheinunternehmen

"Profianleger müssen bei solchen vermeintlich heißen Tipps schmunzeln", berichtet Burkhard Wagner, Vorstand der Münchner Anlageverwaltung Partners Vermögensmanagement, die ebenfalls regelmäßig solche Mails erhält. Denn die Experten wissen schon lange um die Masche.

Kriminelle gründen in Ländern mit schwacher Finanzaufsicht Scheinunternehmen, bringen diese dort an die Börse und werben anschließend für deren Aktien. Stürzen sich dann Privatanleger auf die Papiere, treibt das deren Kurs rasant in die Höhe – und beschert den Betrügern beim Verkauf der wertlosen Anteilsscheine millionenschweren Reibach.

Anleger sollten bei vermeintlichen Geheimtipps, die im Internet kursieren oder ihnen per E-Mail zugesandt werden, "sehr skeptisch sein", sagt Wagner. "Kein seriöser Börsendienst versorgt ungefragt und anonym Anleger mit heißen Wertpapierempfehlungen."

Dieser Ansicht ist auch Rolf Kazmaier, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Stuttgart. "Wird eine Aktie wie eine Jahrmarkt-Attraktion angepriesen, sollten Anleger in jedem Fall die Finger von ihr lassen."

Seriöse Finanzinformationen, wie sie etwa Analysten von Banken und Investmentgesellschaften erstellen, ließen sich daran erkennen, dass "die Informationen sachlich und neutral gehalten sind", so Kazmaier.

Recherche bei Banken ratsam

Jeremy Blaser, Anlagestratege der Zürcher Vermögensberatung Finanz Konzept, rät deshalb, bei vermeintlich sicheren Anlagetipps zu prüfen, ob die Gesellschaften auch von bekannten Banken und Researchhäusern analysiert werden. "Ist dies nicht der Fall, ist Vorsicht geboten".

Zudem sollten Anleger auf ihren "gesunden Menschenverstand vertrauen". Blaser: "Bei hohen Renditeversprechen sollten sie sich die Frage stellen, warum diese Aktien zum Kauf empfohlen und nicht vom Tippgeber selbst erworben werden."

Bei Beratungen durch Banken, lizenzierten Finanzberatern und unabhängigen Vermögensberatern können Anleger sicher sein, dass ihnen keine Pennystocks untergeschoben werden. Denn diese Institutionen werden von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert.

Honorarberater nur dem Kunden verpflichtet

Allerdings raten Banken und Finanzberater bei kostenlosen Beratungen gerne zu Fonds, da sie bei deren Vertrieb den Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent des Anlagebetrags erhalten. Hingegen erheben Honorarberater, die direkt von den Anlegern bezahlt werden, diese Gebühren nicht, sagt Lothar Koch, Leiter Portfoliomanagement der GSAM + Spee Asset Management in Düsseldorf. "Die Abrechnung auf Honorarbasis ist deshalb transparenter und somit seriöser."

Anleger, die weder Ausgabeaufschläge noch Beratungshonorare zahlen wollen, greifen zu Indexfonds. Diese bilden passiv Börsenindices nach und haben deshalb minimale Verwaltungskosten. Zudem fallen keine Ausgabeaufschläge auf, weil die Anteile direkt an der Börse gehandelt werden.

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