Ärzte Zeitung online, 27.10.2017

Statt OP-Hemd

Funktionswäsche für´s Krankenhaus

Krankenschwester Fanny Fatteicher sorgte bei der Jury des Praxis-Preises 2016 für Aufsehen: Mit der von ihr entwickelten medizinischen Funktionswäsche müssen sich Patienten nicht länger nackig machen.

Von Dirk Schnack

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Fanny Fatteicher mit der nach ihren Vorstellungen entworfenen medizinischen Funktionswäsche. Die Öffnungen an mehreren Körperteilen ermöglichen einen schnellen Zugang und ermöglichen effiziente Abläufe.

© Dirk Schnack

PAPENDORF. Der Fortschritt in der Medizin ist rasant – dem nach hinten offenen OP-Hemd in den Krankenhäusern hat das bislang nichts anhaben können. Das simple Wäschestück ist vielen Patienten unangenehm und kommt dem Personal etwa beim Anlegen von medizinischen Zugängen im Brustbereich nicht immer entgegen. Noch komplizierter mit den Zugängen wird es, wenn die Patienten auf das Hemd verzichten und im Klinikbett oder in der Dialysepraxis auf eigene Wäsche zurückgreifen.

"Man zerrt und reißt an den Kleidungsstücken der Patienten herum. Das ist für Patienten und Personal unangenehm, es ist nicht hygienisch, und es kostet Zeit", sagt Krankenschwester Fanny Fatteicher, die auch über Erfahrungen in einer Dialysepraxis verfügt.

Von der Idee zur Tat

"Irgendwann erfinde ich noch mal eigene Kleidung, damit wir hier besser zurechtkommen", hat sie in ihrem Berufsalltag in solchen Situationen häufiger zu den Patienten gesagt. Inzwischen hat sie ihre Idee in die Tat umgesetzt.

Die Krankenschwester lässt medizinische Funktionswäsche nach ihren Vorstellungen schneidern und vertreibt sie über ihre Firma MediTex. Mit ihrem Konzept landete Fanny Fatteicher im vergangenen Jahr unter den Top-Bewerbern um den "Erfolgs-Rezept Praxis-Preis", der von UCB Innere Medizin und der Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der die "Ärzte Zeitung" gehört, auch in diesem Jahr ausgeschrieben wird.

Komplette Kollektion

"Es geht darum, den Patienten die Behandlung angenehmer zu machen und dies mit Funktionalitäten zu verbinden, die dem Personal die Arbeit erleichtern", beschreibt Fatteicher ihren Antrieb. Begonnen mit der Umsetzung hat Fatteicher, indem sie ihre Vorstellungen von Funktionswäsche durch eine Rostocker Schneiderin als Prototyp nähen und als Gebrauchsmuster schützen ließ.

Ergebnis heute ist eine komplette Kollektion aus Multifunktionsshirts, Hosen, Unterhemden, Langarmshirts, T-Shirts und Nachthemden bis hin zu Babybodies. Sie verfügen im Brust-, Leisten-, Bauch-, Arm- und Beinbereich über Öffnungen, die sich nach Wahl mit Knöpfen, Druckknöpfen, Magneten oder Reißverschlüssen unkompliziert öffnen und verschließen lassen. Fatteicher will damit gleich mehrere Verbesserungen erreichen:

- Wahrung der Intimität: Patienten müssen nicht mehr entkleidet werden.

- Zeitersparnis: Das Personal kann sofort mit dem Legen der Zugänge beginnen und muss nicht warten, bis der Patient sich entkleidet hat.

- Komfort für den Patienten: Er bleibt während der Behandlung in der wärmenden Kleidung, die zugleich über den Single-Jersey-Stoff einen angenehmen Tragekomfort bietet.

- Hygiene: Die Hygienestandards sind leichter einzuhalten, wenn die Funktionswäsche etwa über einen Pool in Klinik oder Dialysepraxis zur Verfügung gestellt wird.

Fatteichers im vergangenen Jahr gegründete GmbH lässt die Wäsche in Süddeutschland und in der Türkei fertigen und liegt derzeit noch bei geringen Stückzahlen. Sie befindet sich derzeit in Gesprächen mit mehreren Kliniken und Unternehmen, die großen medizinischen Einrichtungen Wäsche zur Verfügung stellen. Erste Tests etwa in der Rostocker Uniklinik haben ihr positive Resonanz beschert.

Im Gesundheitsland Mecklenburg-Vorpommern ist sie mit ihrem Konzept schon ausgezeichnet und mit einem Existenzgründerstipendium vom Land unterstützt worden. Langfristig will Fatteicher erreichen, dass ihre Funktionswäsche außer in Kliniken auch in großen Praxen, etwa in der Dialyse, eingesetzt wird. Aber auch Endkunden können die medizinische Funktionswäsche kaufen und etwa zur Dialyse mitbringen.

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