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DEGAM-Kongress

Einsamkeit trifft nicht nur Ältere

Menschen aller Altersgruppen sind von Einsamkeit betroffen. Daten einer großen BiB-Analyse zeigen zudem: Emotionale und soziale Einsamkeit folgen unterschiedlichen Altersmustern.

Marc KehrmannVon Marc Kehrmann Veröffentlicht:
Einsame jüngere Frau

Ein Problem, das auch international immer mehr in den Fokus rückt: Einsamkeit.

© Photographee.eu / stock.adobe.com

Sie hat verschiedene Facetten und ist nicht nur ein Phänomen der älteren Generation: Einsamkeit. Vielmehr kann diese auch im jungen und mittleren Erwachsenenalter Thema sein, betonte Dr. Helena Ludwig-Walz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Wiesbaden, beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) in Göttingen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spreche von einem wachsenden globalen Gesundheitsproblem.

Einsamkeit multidimensional betrachten

Einsamkeit ist nicht gleich Einsamkeit und bedarf einer differenzierteren Betrachtung, so Ludwig-Walz. Eine Betrachtungsweise sei die Unterscheidung zwischen emotionaler Einsamkeit, also dem Fehlen einer sehr engen, vertrauten Bezugsperson (Partner, beste Freundin) und sozialer Einsamkeit, dem Fehlen eines sozialen Netzwerks (Freundesgruppe).

Ludwig-Walz und ihr Team untersuchten, wie sich allgemeine, emotionale und soziale Einsamkeit nach Alter unterscheiden und welche Faktoren mit stärkerer Einsamkeit assoziiert sind. Grundlage für die Analyse waren Daten der FReDA-Befragung des BiB aus den Jahren 2021/2022, ein familiendemografisches Panel mit knapp 30.000 Teilnehmenden, die zweimal jährlich zu partnerschaftlichen und familialen Lebenssituationen befragt werden. Zur Erfassung von Einsamkeit wurde die De Jong Gierveld Kurzskala mit jeweils drei Items zur emotionalen und zur sozialen Einsamkeit angewandt.

Gegenläufige Trends

29,6 Prozent der Teilnehmenden berichten von allgemeiner Einsamkeit, allerdings ist soziale Einsamkeit (35,8 Prozent) mit mehr als zehn Prozentpunkten weiter verbreitet als emotionale Einsamkeit (24,3 Prozent). Beim Blick auf das allgemeine Einsamkeitsempfinden fallen kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen auf: Die adjustierten Mittelwerte (Skala: 0–3) für die ältere Altersgruppe (46–51 Jahre) sind im Vergleich zur jüngeren Altersgruppe (18–25 Jahre) nur marginal höher (1,48 versus 1,39).

Bei Betrachtung der einzelnen Einsamkeitstypen fällt nach den Ergebnissen jedoch ein gegenläufiges Altersmuster auf. So ist die jüngere Altersgruppe häufiger von emotionaler Einsamkeit (1,51 versus 1,37) und die ältere Altersgruppe häufiger von sozialer Einsamkeit (1,60 versus 1,28) betroffen.

Assoziationen mit Einsamkeit

Ludwig-Walz führte mehrere Faktoren an, die mit höherer Einsamkeit verbunden sind. Ein starker Zusammenhang findet sich zwischen dem Migrationshintergrund (erste Generation) und sozialer Einsamkeit, während eine depressive Verstimmung stark mit emotionaler Einsamkeit korreliert.

Aber auch andere psychische Belastungen wie Neurotizismus oder Angststörung hingen mit einer hohen (emotionalen) Einsamkeit zusammen. Daher benötigten insbesondere Menschen mit psychischen Belastungen besondere Aufmerksamkeit, um Einsamkeit früh zu erkennen und gezielt entgegenzuwirken, resümierte Ludwig-Walz.

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