DEGAM-Kongress
Geschlechtersensible Unterschiede in der Schmerzbehandlung mitdenken!
Chronische Schmerzen werden bei Frauen und Männern nicht gleich wahrgenommen, diagnostiziert oder behandelt. Welche biologischen und sozialen Faktoren dahinterstecken.
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Frauen sind häufiger von chronischen Rückenschmerzen betroffen als Männer. Das liegt wohl auch an psychosozialen Faktoren, etwa eine stärkere Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt.
© Thomas Trutschel / Contributor
Geschlechtssensible Unterschiede in der Gesundheitsversorgung von Patientinnen und Patienten gibt es zahlreiche. So auch in der primärmedizinischen Versorgung von chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (CNTS), wie Universitätsprofessor Achim Mortsiefer, Hausarzt in Köln und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeinmedizin II und Patientenorientierung in der Primärversorgung der Uni Witten/Herdecke beim „Gesundheit gestalten“ Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) in Göttingen betonte.
Häufiges Problem: chronische Rückenschmerzen
Als Beispiel führte Mortsiefer einen der häufigsten Schmerzen an: chronischen Rückenschmerz. Dieser würden über alle Altersgruppen hinweg bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern.
Dafür nannte der Kollege mehrere Faktoren:
- Biologische/anatomische Faktoren: Östrogen und Progesteron beeinflussen die Schmerzempfindlichkeit, das Bindegewebe und den Muskeltonus. Aber auch die Beckenform, die Muskelmasse und die Knochen- und Bandscheibenstruktur sind verschieden.
- Psychosoziale Faktoren: Frauen berichten von einer höheren Schmerzintensität und eine stärkere Rollenbelastung in Form von Care-Arbeit und einer Doppelbelastung (Beruf und Haushalt).
- Versorgung und systemische Faktoren: Schmerzen bei Frauen werden im ärztlichen Setting öfters als „psychisch“ interpretiert. So unterscheidet sich auch der Zugang zu Diagnostik und Therapie zwischen den Geschlechtern.
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Morphin – ein Wirkstoff, unterschiedliche (Neben-)Wirkungen
In der Behandlung postoperativer Schmerzen mit Morphin spielt das Geschlecht auch eine Rolle, führt Mortsiefer weiter aus. So benötigten Männer circa 40 Prozent mehr Morphin als Frauen, da die Konzentration am Opiatrezeptor für eine 50-prozentige Schmerzlinderung etwa doppelt so hoch sein müsse.
Neben der Wirkung differierten allerdings auch die unerwünschten Arzneimittelwirkungen, so Mortsiefer. So führe Morphin bei Männern häufiger zu einer sexuellen Dysfunktion (opioidinduzierte Androgendefizienz) und einem höheren Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Bei Frauen hingegen sei das Risiko für Atemdepression, gastrointestinale Beschwerden, Hautausschlag, Halluzinationen, Angstzustände und Hospitalisierung erhöht.
Nicht-tumorbedingte Schmerzen
Langfristige Opioid-Therapie: An welchen Stellen sie verbessert werden kann
Mortsiefer appellierte an seine Kollegen und Kolleginnen, die eigenen Vorstellungen zu Geschlechterunterschieden zu reflektieren, um ungerechtfertigte Stereotype abzubauen und relevante Unterschiede stärker zu berücksichtigen.



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