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Knieprothesenwechsel

Bei Klinikwahl auf Qualität und Erfahrung achten

Knieprothesenwechsel sind deutlich komplizierter als die Erstimplantation, sagt Dr. Thorsten Gehrke vom QSR-Expertenpanel Orthopädie und Unfallchirurgie des WIdO. Oft entscheide sich erst beim Eingriff, welcher Prothesentyp für den Wechsel benötigt werde.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht: 22.10.2020, 15:41 Uhr
Dr. Thorsten Gehrke ist ärztlicher Direktor der Helios Endo-Klinik in Hamburg und Mitglied im QSR-Expertenpanel Orthopädie und Unfallchirurgie (Endoprothetik) des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.

Dr. Thorsten Gehrke ist ärztlicher Direktor der Helios Endo-Klinik in Hamburg und Mitglied im QSR-Expertenpanel Orthopädie und Unfallchirurgie (Endoprothetik) des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.

© privat

Herr Dr. Gehrke, worauf kommt es beim Knieprothesenwechsel an?

Dr. Thorsten Gehrke: Ein Knieprothesenwechsel ist deutlich komplizierter als etwa die Erstimplantation eines künstlichen Knies und komplexer als ein Hüftprothesenwechsel. Deshalb kommt es noch mehr als bei anderen Eingriffen auf Erfahrung an. Das fängt bei der Ursachenanalyse an, denn für das Versagen des bisherigen Knies kann es ganz unterschiedliche Gründe geben, etwa Auslockerungen der Prothese, die sich allerdings meist erst nach etwa 20 Jahren bemerkbar machen. Das Knie ist ein sehr komplexes Gelenk und leider ist jeder vierte bis fünfte Patient nicht ganz zufrieden mit seinem Implantat.

Wann können Komplikationen auftreten?

Häufigste Ursachen dafür sind Instabilitäten oder auch Fehllagen der Prothese. Die Patienten klagen dann etwa über ein Schraubstockgefühl. Ist die Ursache gefunden, braucht es ein erfahrenes Operationsteam, das die Wechselprothese richtig einsetzt, auf die Bänder achtet, die Stabilität des Knies herstellt und so einen möglichst physiologischen Bewegungsablauf erreicht. Das muss man können und dafür braucht man Erfahrung. Wir haben nicht selten Patienten in der Sprechstunde, die vier, fünf oder mehr Op hinter sich haben. Das ist das Ergebnis, wenn die Teams den Eingriff nicht so häufig machen und zum Beispiel nicht wissen, wann welcher Prothesentyp eingesetzt werden muss.

Was ist bei der Auswahl der Klinik zu beachten?

Es sollte eine Klinik mit nachweisbar guten Operationsergebnissen sein und mit wenig Komplikationen nach dem Eingriff. Dazu gehört neben guten Operationsteams auch, dass die Klinik verschiedene Prothesentypen vorrätig hat. Denn oft entscheidet sich erst beim Eingriff, welcher Typ benötigt wird. Ist der Bandapparat noch intakt, ist die Kniescheibe unbehelligt? Muss eine Prothese eingesetzt werden, die die Bänder unterstützt? Oder wird sogar eine Scharnierprothese benötigt? Solche Fragen können oft erst während der Op geklärt werden. Und dann hilft eine gute Auswahl.

Für QSR werden Fälle der letzten fünf Jahre ausgewertet. Liegt das nicht zu lange zurück?

Darüber haben wir lange diskutiert. Es gibt aber nur wenig Kliniken, die ausreichende Fallzahlen generieren. Deshalb haben wir den Zeitraum ausgeweitet. Um die Ergebnisse statistisch sauber darstellen und eine verlässliche Aussage über die Ergebnisse einer Klinik machen zu können, brauchen wir mindestens 30 Fälle AOK-versicherter Patienten. Damit können wir in etwa die Ergebnisse eines Drittels aller Patienten abbilden.

Drei Viertel der Kliniken, die Knieprothesen wechseln, werden von QSR nicht bewertet. Was hat es damit auf sich?

Kliniken, die nicht bewertet werden konnten, nehmen den Eingriff äußerst selten vor. Hier wird weniger als eine Knieprothese eines AOK-Patienten innerhalb von zwei Monaten gewechselt.

Wie ist aktuell die Lage bei planbaren Eingriffen? Müssen sie wegen der erneut angespannten Corona-Lage wieder verschoben werden?

Wir verschieben im Moment keine einzige Op. Im Gegenteil – seit Mai operieren wir mit voller Kraft. Corona bereitet uns insofern keine Sorge, als wir die Patienten einen Tag vor der stationären Aufnahme nach Symptomen befragen und sie testen, wenn sie in die Klinik kommen. Wenn alles in Ordnung ist, werden sie auch operiert.

Auch wenn die Eingriffe planbar sind, so sollte der Leidensdruck der Patienten nicht unterschätzt werden. Sie haben oft große Schmerzen, können nicht schlafen und werden zunehmend immobil. Sie leiden körperlich und wegen der Bewegungseinschränkungen häufig auch sozial mit Bedrohungen der Existenz. Ich sehe also aktuell keinerlei Veranlassung, Elektiveingriffe, zumindest in Spezialkliniken, die nicht in die Behandlung von COVID-19-Patienten eingebunden sind, behördlich zu untersagen.

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