Asthma

DMP nimmt nun auch Adipositas in den Blick

Übergewicht ist bei Asthmatikern kein kleines Problem: Allein unter den AOK-Versicherten galt 2017 fast jeder vierte Asthmatiker als adipös. Künftig soll hier das DMP Patienten bei der Gewichtsreduktion unter die Arme greifen.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:

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BERLIN. In Deutschland sind im internationalen Vergleich zwar relativ wenige Menschen von Asthma betroffen, doch hat sich die Häufigkeit der Erkrankung in den vergangenen zwölf Jahren deutlich erhöht. Die Zunahme der dokumentierten Diagnosen betrifft vor allem die östlichen Länder, die sich langsam dem West-Niveau annähern.

Das zeigt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), für die unter anderem die AOK-Abrechnungsdaten ausgewertet wurden. Übergewicht, arbeitsbedingte Risiken und Rauchen sind demnach relevante Risikofaktoren.

Die Nationale Versorgungsleitlinie empfiehlt adipösen Patienten eine Gewichtsreduktion, um eine Besserung ihrer Asthma-Symptomatik zu erreichen. Entsprechend nimmt das aktualisierte Disease-Management-Programm (DMP), das ab April in den Praxen umgesetzt wird, auch Adipositas als Begleiterkrankung in den Blick.

Im Jahr 2017 waren unter den 27,5 Millionen AOK-Versicherten 1,3 Millionen Asthmatiker; das entspricht einem Anteil von 4,7 Prozent. Auf diesem vergleichsweise hohen Niveau stagniert dieser Anteil seit 2015.

Im Jahr 2006 hatte er noch bei 3,5 Prozent gelegen – damals waren zudem AOK-Versicherte in den östlichen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt deutlich seltener von Asthma betroffen als Versicherte in anderen, vor allem westlichen Bundesländern.

Anstieg der Asthma-Prävalenz

Asthma in Zahlen

1,3 Millionen Asthmatiker waren 2017 unter den insgesamt 27,5 Millionen AOK-Versicherten. Das sind rund 4,7 Prozent.

Im Jahr 2006 lag der Anteil der Asthmatiker unter den AOK-Versicherten noch bei 3,5 Prozent.

Elf Jahre später wurde ein deutlicher Anstieg der Asthmaprävalenzen festgestellt, wobei diese vor allem in den ostdeutschen Bundesländern zunahmen. So stiegen die Asthmaprävalenzen in den westlichen Bundesländern von 3,6 Prozent 2006 auf 4,7 Prozent 2017. In den östlichen Bundesländern legten sie von 2,9 Prozent 2006 auf 4,3 Prozent 2017 zu.

Die KiGGs-Studie des Robert-Koch-Instituts zeigte 2012 unter anderem, dass ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Asthma besteht. Demnach kann Adipositas bei Kindern zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion führen. Zudem zeigte eine Studie über die Versorgung von Asthmatikern in zwölf europäischen Ländern aus dem Jahr 2016, dass gut 26 Prozent der Asthmatiker stark übergewichtig waren. Auch unter den AOK-Versicherten hatte fast jeder vierte Asthmatiker 2017 eine vom Arzt dokumentierte Adipositas.

Demgegenüber war die Adipositas-Häufigkeit unter allen AOK-Versicherten 2017 mit 12,9 Prozent nur halb so hoch. Gleichzeitig zeigten verschiedene Studien, dass eine Gewichtsreduzierung bei adipösen Asthmatikern zu einer verbesserten Krankheitskontrolle beitragen kann.

Dementsprechend empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie bei adipösen Patienten eine Gewichtsreduktion, um eine Besserung der Asthma-Symptomatik zu erreichen.

Auch nach Alter und Geschlecht gibt es deutliche Unterschiede: So sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Bei den Erwachsenen (bis 75 Jahre) erkrankten Frauen häufiger als Männer. Die Ursachen der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Asthmahäufigkeit sind noch nicht geklärt.

DMP wird gut angenommen

Die Asthma-bedingte Sterblichkeit geht trotz gestiegener Prävalenz weiter zurück. Dazu tragen eine angemessene Therapie und ein optimiertes Selbstmanagement der Betroffenen bei. Auch gestiegene Teilnahmequoten der AOK-Versicherten am DMP Asthma und die damit verbundene strukturierte Versorgung dürften sich positiv auswirken.

Auch wenn die Ursachen für Asthma noch nicht vollständig geklärt sind, liegt das größte Risiko nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Einatmen von Substanzen, die zu allergischen Reaktionen führen. Dazu zählen Hausstaub, Umweltbelastungen, Tierhaar- und Pollenallergie. Aber etwa auch Tabakrauch wird als Ursache genannt.

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