Arztnetze

Gute Versorgung und ein Kummertelefon

Wenn die medizinische Versorgung von Patienten besonders gut gelingt, hat dies häufig mit besonderem Engagement und mit Transparenz zu tun. Die AOK hat nun im Rahmen des QuATRo-Projekts erfolgreiche Arztnetze für herausragende Qualität ausgezeichnet.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht:
Bei einem QuATRo-Workshop im Haus des AOK-Bundesverbandes in Berlin diskutierten 40 Mitglieder von Arztnetzen unter anderem Vorschläge zu einer weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität. Hier stellt Dr. Jörg Simon vom Gesundheitsnetz Osthessen die Ergebnisse der Arbeit seiner Gruppe vor. Jörg Schaller

Bei einem QuATRo-Workshop im Haus des AOK-Bundesverbandes in Berlin diskutierten 40 Mitglieder von Arztnetzen unter anderem Vorschläge zu einer weiteren Verbesserung der Versorgungsqualität. Hier stellt Dr. Jörg Simon vom Gesundheitsnetz Osthessen die Ergebnisse der Arbeit seiner Gruppe vor. Jörg Schaller

© Jörg Schaller

BERLIN. Ein Kummertelefon, eine besondere Betreuung für Patienten mit Diabetes, Asthma oder Depressionen sowie speziell ausgebildete Ansprechpartner für ältere Patienten: Das sind Merkmale des Gesundheitsnetzes „Gut betreut im Arberland – GUAD“.

GUAD ist eines von drei Arztnetzen, die von der AOK im Rahmen des AOK-Projektes „Qualität in Arztnetzen – Transparenz mit Routinedaten“ (QuATRo) für ihre herausragende Versorgungsqualität ausgezeichnet wurden. In die Bewertung flossen 15 Qualitätsaspekte ein, darunter die leitliniengerechte Versorgung mit Medikamenten oder die Influenzaimpfung bei Risikogruppen. Neben GUAD erhielten das Arztnetz „MainArzt“ in Ochsenfurt sowie das Arztnetz Bergischland wegen ihrer exzellenten Ergebnisse das „Prädikat Gold“.

Weitere Netze wurden mit den Prädikaten Silber und Basisstufe ausgezeichnet.

Unkomplizierter Austausch

Die fünf GUAD-Praxen – in den nächsten Monaten kommen zwei weitere Praxen dazu – arbeiten seit 2016 mit QuATRo. „Wir haben eine gut überschaubare Größe und können uns deshalb unkompliziert und in der Regel mündlich über unsere Arztnetzberichte austauschen“, erläutert Netzmanagerin Mandy Kölbl. Nicht nur die angeschlossenen Ärzte, sondern auch die Patienten schätzen nach ihren Worten die durch QuATRo geförderte Transparenz. „Unsere Patienten werden von den Ärzten über die Arbeit mit QuATRo informiert und sind sogar richtig stolz darauf, weil sie sich hier als Teil eines großen Ganzen sehen.“

Zudem legen die beteiligten Netzärzte Wert darauf, dass alle Mitglieder stets auf dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung sind. „Dafür werten wir Artikel, Leitlinien und Statistiken aus.“ Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Treffen im GUAD-Netz besprochen, die zusätzlich zu den von QuATRo vorgesehenen Qualitätszirkeln stattfinden.

Ein Kennzeichen des auch für seine gelungene Kommunikation ausgezeichneten GUAD-Netzes sind besondere Ansprechpartner für bestimmte Patientengruppen. Kölbl: „Zum Beispiel haben wir eine speziell für die Betreuung von Diabetespatienten ausgebildete „Hausärztliche Diabetes-Managerin“.

Als Hauptverantwortliche betreut sie diese Patienten in einem Team von Ansprechpartnerinnen aus den einzelnen Praxen. Sie hat so den Überblick über alle Diabetespatienten im Netz. Über ein Kummertelefon ist sie jederzeit für die Patienten erreichbar und hilft immer dann, wenn der Arzt nicht unbedingt gebraucht wird – etwa, wenn das Zuckermessgerät nicht funktioniert.

„Das entlastet die Ärzte und trägt zu einer großen Patientenzufriedenheit bei.“ So ist nach Kölbls Worten auch sichergestellt, dass die Patienten engmaschig betreut und dass Kontroll- und Routineuntersuchungen regelmäßig vorgenommen werden. „Wir haben festgestellt, dass das unsere Patienten sehr beruhigt. Sie fühlen sich umsorgt und halten regelmäßig Kontakt.“

Was für Patienten wichtig ist

Ähnlich geht das Netz bei der Betreuung von Patienten mit Asthma oder bei depressiven Patienten vor. Auch hier entlasten besonders ausgebildete Mitarbeiterinnen die Ärzte in den Praxen und sind erste Ansprechpartnerinnen für die Patienten.

Kölbl: „Die Patienten gehen in der Praxis zuerst zur besonders ausgebildeten MFA. Dort wird alles abgeklärt. Der Arzt oder die Ärztin wird nur dann hinzugezogen, wenn beispielsweise die Werte außerhalb der Norm sind. Dafür war Überzeugungsarbeit nötig. Die Ärzte können sich so aber auf das Wesentliche ihrer Arbeit konzentrieren.“

Gute Erfahrungen hat das Netz nach Worten Kölbls auch mit seiner besonderen Betreuung älterer Patienten gemacht. „Diese Patienten sind für uns nicht einfach nur alt und krank. Wir versuchen herauszufinden, was ihnen für ihre Lebensqualität wichtig ist. An diesen wichtigen Aktivitäten richten wir dann unsere Therapie aus.“

Um künftig noch besser mit QuATRo arbeiten zu können, wünschen sich die Beteiligten des GUAD-Netzes neben dem umfangreichen QuATRo-Bericht, in dem jeder einzelne Indikator genau durchleuchtet wird, kleine, strukturierte Handlungsempfehlungen. Kölbl: „Diese könnten auf die Arbeitsbereiche der einzelnen Akteure zugeschnitten sein, also auf die Verantwortlichen für Diabetes, für Asthma und so weiter.“

Lesen Sie dazu auch: Arztnetze: QuATRo – Individuelles Feedback zur Versorgungsqualität

Mehr zum Thema

Arzneimittelsicherheit

Software warnt vor Arzneirisiken

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Deutscher Pflegetag

Pflege: Die Bedarfe der Betroffenen als Richtschnur

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

Potenzial von Polymedikationsvereinbarungen

Kliniknotfälle wegen Medikationsfehlern vermeiden

Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Bayern-Spieler Joshua Kimmich beim Bundesligaspiel der Münchner gegen Hoffenheim.

© Sven Hoppe/dpa

Leitartikel

Kimmichs Impf-Bedenken und die Frage, wer was warum will

Die AU zur Vorlage bei der Krankenkasse – seit Oktober sollte diese auch elektronisch übermittelt werden können. Inzwischen reduziert sich offenbar auch die Fehlerquote.

© Ulrich Baumgarten / picture alliance

Exklusiv Nach holprigem Start

gematik: Bei elektronischer AU sinkt Fehlerquote deutlich