Kooperation | In Kooperation mit: AOK-Bundesverband

QISA – Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung

Neue Arbeitshilfe für Praxen zur Behandlung chronischer Schmerzen veröffentlicht

Das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung (QISA) wurde um einen Band erweitert, der sich mit der adäquaten Behandlung nicht tumorbedingter Schmerzen befasst.

Von Peter Willenborg Veröffentlicht:
Patienten mit chronischen Schmerzen sind oft unter- oder fehlversorgt. Hier sollen die neuen Qualitätsindikatoren Praxisteams Unterstützung bieten. (Motiv mit Fotomodellen)

Patienten mit chronischen Schmerzen sind oft unter- oder fehlversorgt. Hier sollen die neuen Qualitätsindikatoren Praxisteams Unterstützung bieten. (Motiv mit Fotomodellen)

© terovesalainen / stock.adobe.com

Mit dem neuen QISA-Band C5 „Chronische nicht tumorbedingte Schmerzen“ haben der AOK-Bundesverband und das Göttinger aQua-Institut das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung (QISA) ergänzt. Der Themenband umfasst 13 Indikatoren zur adäquaten Behandlung von chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen. Die Indikatoren zielen überwiegend auf die Messung der Prozessqualität der Behandlung ab, beleuchten aber auch Aspekte der Ergebnis- und Strukturqualität.

Denn nach Einschätzung von Expertinnen und Experten liegt bei chronischen Schmerzen oftmals eine Unter- oder Fehlversorgung vor, die eine weitere Chronifizierung fördert und im Ergebnis einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht.

Langzeitbetreuung durch Hausarztpraxis

„Der neue QISA-Band macht deutlich, dass es zur optimalen Behandlung nicht tumorbedingter chronischer Schmerzen eine strukturierte Langzeitbetreuung durch die Hausarztpraxis braucht. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Verbesserung der schmerzbedingten Einschränkungen“, sagt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. „Mit dem neuen Band wollen wir Arztnetze und Praxen bei der Umsetzung einer leitliniengerechten Therapie für die betroffenen Menschen unterstützen.“

Neben der zuverlässigen Identifikation der betroffenen Patientinnen und Patienten und der Verhinderung von Notfallbehandlungen aufgrund von akuten Verschlechterungen geht es in dem QISA-Band vor allem um die Gewährleistung eines verbindlichen Vorgehens bei der Behandlung der betroffenen Zielgruppe in der hausärztlichen Praxis.

Um ein strukturiertes Management von chronischen Schmerzen zu etablieren, erfassen die QISA-Indikatoren unter anderem das Vorhandensein von Arbeitsanweisungen für das Team, die Erhebung psychosozialer Risikofaktoren sowie die Dokumentation bereits erfolgter Behandlungsversuche.

Auch der Einsatz von validierten Instrumenten zur Beurteilung des Schmerzes, die Vereinbarung von Therapiezielen und das Monitoring des Schmerzmittel-Einsatzes gehören zu den empfohlenen Maßnahmen, die erfasst werden. Ein weiterer Punkt ist die Information der Patientinnen und Patienten über mögliche unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der verschriebenen Analgetika.

Drei Indikatoren zur Verordnung von Opioiden

Weitere Indikatoren des QISA-Bandes thematisieren die Teilnahme des Praxisteams an speziellen Fortbildungsangeboten zum Schmerzmanagement sowie die Mitbehandlung der Patientinnen und Patienten durch spezialisierte Einrichtungen wie schmerztherapeutische Praxen, Kliniken oder Hochschulambulanzen, wenn die Therapieziele trotz leitliniengerechter Behandlung mit Ausschöpfung von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht erreicht werden können. Insgesamt drei Indikatoren beleuchten die adäquate Verordnung von Opioiden und den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen.

„Die dargestellten Indikatoren sind das Ergebnis einer Recherche in deutschsprachigen Leitlinien und Richtlinien sowie in nationalen und internationalen Indikatoren-Datenbanken. Im Anschluss hat ein mehrstufiger Bewertungs- und Reviewprozess stattgefunden, in dem die Indikatoren vor allem aufgrund ihrer Relevanz und ihrer Umsetzbarkeit im primärärztlichen Sektor ausgewählt worden sind“, betont Dr. Cornelia Straßner, Privatdozentin an der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und Mitautorin des QISA-Bandes.

Die Entwicklung der QISA-Indikatoren war Teil des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts RELIEF, das von 2022 bis 2027 am Universitätsklinikum Heidelberg in Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern durchgeführt wird (Förderkennzeichen 01GY2106). Ziel dieses Projektes ist es, ein hausärztliches Versorgungsprogramm zu entwickeln und zu evaluieren, das auf Personen mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen und häufigem Schmerzmittel-Gebrauch fokussiert.

Insgesamt 16 Themenbände mit mehr als 200 Indikatoren

Der neue Band C5 ergänzt „QISA – das Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung“. Das Indikatorensystem ist das Produkt einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem AOK-Bundesverband und dem Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua).

QISA thematisiert in erster Linie Aspekte der hausärztlichen Grundversorgung, aber auch Themen der Spezialversorgung durch Fachärztinnen und Fachärzte. Mit dem QISA-Band zur Schmerztherapie liegen nun insgesamt 16 Themenbände mit über 200 Qualitätsindikatoren vor, die zum kostenlosen Download angeboten werden.

Die QISA-Indikatoren werden bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Projekten zur Validierung und Verbesserung der ambulanten medizinischen Versorgung angewendet.

Zu den QISA-Indikatoren

Der QISA-Band „Chronische nicht tumorbedingte Schmerzen“ ist abrufbar unter: https://www.aok.de/gp/qisa/baende.

Infos zu QISA und allen Themenbänden finden sich im Gesundheitspartner-Portal der AOK: https://www.aok.de/gp/qisa .

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