Prävention

Positives Echo auf U-Untersuchungen

Früherkennungsuntersuchungen für Kinder werden nach einer WIdO-Studie gut angenommen. Dennoch ist die Inanspruchnahme ausbaufähig.

Von Taina Ebert-Rall Veröffentlicht: 22.11.2019, 16:52 Uhr
Positives Echo auf U-Untersuchungen

Für ältere Kinder bieten die Kassen häufig zusätzliche U-Untersuchungen an.

© Kamil Macniak / Alamy / mauritius images

Berlin. Die U-Untersuchungen erreichen die große Mehrheit der Kinder in Deutschland: Die höchsten Teilnehmerzahlen stellten die Autoren einer kürzlich veröffentlichten Analyse auf Basis von AOK-Abrechnungsdaten im ersten Lebensjahr fest.

Zugleich zeigte sich, dass Kinder aus jüngeren Jahrgängen tendenziell häufiger an den U-Untersuchungen teilnehmen als Kinder aus früheren Geburtsjahrgängen. So wurden zum Beispiel im Geburtsjahrgang 2008 für 94,2 Prozent der Kinder U-4-Untersuchungen abgerechnet, im Jahrgang 2016 dagegen für 96,3 Prozent der Kinder.

Beobachtung über sechs Jahre

Als Datenbasis zogen die Autoren anonymisierte Abrechnungsdaten der Vertragsärzte für Versicherte der AOK aus den Jahren 2008 bis 2016 heran. Für einen besseren Vergleich wurde die Entwicklung zweier Kohorten (Geburtsjahrgänge 2008 und 2010) über eine Spanne von sechs Jahren betrachtet. Dabei zeigte sich, dass im Jahrgang 2008 insgesamt 68,8 Prozent der Kinder sämtliche Untersuchungen komplett durchliefen, während es im Geburtsjahrgang 2010 bereits 72,5 Prozent waren. Der Beitrag ist kürzlich im Versorgungs-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) veröffentlicht worden (https://tinyurl.com/ u9qvvz5)

Während die Teilnahmeraten der U-Untersuchungen für Kinder bis zu einem Jahr (U3 bis U6) bei etwa 95 Prozent liegen, werden Untersuchungen für ältere Kinder ab dem 21. Lebensmonat (U7 bis U9) deutlich seltener wahrgenommen. Die Teilnahmeraten liegen hier fast zehn Prozentpunkte niedriger als bei den frühen Untersuchungen.

Ähnliche Ergebnisse zeigen auch andere Untersuchungen wie die KiGGS-Studie. „Wir wünschen uns hier noch deutlich höhere Teilnahmezahlen“, sagt der Arzt und Mitautor Dr. Gerhard Schillinger vom AOK-Bundesverband. Er weist zudem darauf hin, dass es immer noch einen nicht geringen Anteil von Kindern gibt, die drei oder mehr Untersuchungen verpasst haben.

In der Kohorte der 2008 geborenen Kinder betrifft das 4,5 Prozent, in der des Jahrgangs 2010 immerhin noch 3,3 Prozent der Kinder. Ein Anteil von 0,2 Prozent der Kinder haben sogar keine einzige der in der Analyse berücksichtigten U-Untersuchungen wahrgenommen.

Erinnerungssysteme sinnvoll

Ein Patentrezept dafür, auch diese Gruppe noch mit den U-Untersuchungen zu erreichen, gibt es aus Sicht des Präsidenten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V., Dr. Thomas Fischbach, nicht. „Eine 100-prozentige Teilnahme erreicht man nur mit einer Verpflichtung, aber die halte ich für schwierig. Allerdings halte ich viel von Erinnerungssystemen, einem verbindlichen Einladungswesen.“

Sorge bereitet Fischbach die mit rund 40 Prozent eher geringe Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchung J1 im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren. „Gerade in diesem Alter ist es gut, wenn zwischen Arzt und den jungen Patienten schon ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden konnte. Denn bei der J1 können auch Fragen zu Sexualität und Verhütung, Drogenmissbrauch, einschließlich Rauchen und Alkoholgebrauch sowie Probleme mit der Familie und dem sozialen Umfeld besprochen und geklärt werden. Wichtig sind weiterhin das Mediennutzungsverhalten und alles rund um das Thema Impfen. Denn die Impfraten bei unseren Jugendlichen sind leider absolut unbefriedigend.“ (eb)

Erweiterte Vorsorge für Kinder – Zusätzliche Angebote der regionalen AOKs

Je nach Region bieten die AOK für ihre kleinen sowie jungen Versicherten zusätzliche Vorsorgeangebote an.

Im Pädiatrie-Modul im Rahmen des Hausarztvertrages (HZV) übernimmt die AOK die Kosten für die zusätzlichen Kindervorsorgeuntersuchungen U10, U11 und die J2. Weitere zusätzliche Leistungen sind:

  • das Amblyopie-Screening (Sehtest) für Kinder im 2. bis 3. Lebensjahr,
  • die Tympanometrie (Hörtest) für Kleinkinder und
  • die sozialpädiatrische Beratung und Koordination bei bestimmten Diagnosen wie Leseschwäche.
  • Erweiterte Kindervorsorgeuntersuchungen, die über den Umfang der bestehenden Untersuchungen des „Gelben Heftes“ deutlich hinausgehen.

Infos: www.aok.de/bw

Mit dem Kinder- und Jugendarztvertrag nach § 73b SGB V (HZV) profitieren Eltern von zusätzlichen Leistungen für ihr Kind, insbesondere zur Vorsorge und Früherkennung. Dazu gehören etwa:

  • die Elternberatung „1-2-3 Brei“ bei Einführung der B(r)eikost,
  • ein Sehscreening (Amblyopiescreening),
  • die zusätzlichen Früherkennungsuntersuchungen U10, U11 und J2,
  • ausführliche Prüfungen der Sprache und Beratung der Eltern (jeweils altersentsprechend),
  • eine Screeningaudiometrie (Hörprüfung),
  • eine Antibiotikaberatung bei medizinischer Notwendigkeit (mit Antibiotikapass),
  • eine Bewegungsberatung Breitensport,
  • ein Telekonsil bei schwierigen oder seltenen medizinischen Fragestellungen und
  • besondere Sprechzeiten

Infos: www.aok.de/bayern

Die AOK im Norden übernimmt die Kosten für die U10, U11 und J2 und erinnert an die Früherkennungstermine. Außerdem bietet sie im Rahmen des Programms „750 Euro Plus“ zum Beispiel die Prävention Diabetes-Früherkennungsuntersuchung für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren, die Prävention frühkindlicher Karies oder Gesundheit und Prävention für junge Familien.

www.aok.de/bremen

Erweiterte Vorsorgeleistungen nach § 73a SGB V (Strukturvertrag): U 10, U11 und J2. Zudem belohnt die AOK Hessen unter anderem die Teilnahme an U-Untersuchungen im Rahmen eines Kinderbonusprogramms.

Infos: www.aok.de/hessen/

Im Rahmen der Hausärztlichen Versorgung für Kinder und Jugendliche – IV AOK Junior (Vertrag nach § 140a SGB V) bezuschusst die AOK u.a. Beiträge für den Sportverein, bietet kostenlose Präventionsangebote, z.B. U 10, U11 und J2, und übernimmt die Kosten für die zusätzliche Untersuchung „junior plus“.

Infos: www.aok.de/niedersachsen

Mit AOK-Junior hat die AOK gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ein Gesundheitsprogramm für Kinder und Jugendliche entwickelt. Dieses beinhaltet neben den zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 sowie J2 zum Beispiel eine professionelle Zahnreinigung (PZR) während einer kieferorthopädischen Behandlung, die Unterstützung bei der Gewichtsabnahme im Modul Zielvereinbarung Übergewicht/Adipositas, ein Allergiemodul für Kinder und Jugendliche mit Heuschnupfen sowie weitere Leistungen.

Infos: www.aok.de/nordost

Die AOK NordWest übernimmt ebenfalls die Kosten für die U10, die U11 und die J 2. Zudem erinnert die Kasse mit kleinen Gedächtnisstützen an die Vorsorgetermine. Jeder Brief informiert Eltern außerdem über Wichtiges zum bevorstehenden Arztbesuch und zu der Entwicklungsphase ihres Kindes.

Infos: www.aok.de/nordwest

Auch hier ist die Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Vertrag zur besonderen ambulanten ärztlichen Versorgung nach § 73c SGB V geregelt. Die AOK übernimmt die Kosten für die U10, U11 und J2.

Infos: www.aok.de/sachsen-anhalt

Zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Früherkennungsuntersuchungen erstattet die AOK PLUS die Kosten für die U10, U11 und die J2. Das AOK PLUS-Mailingprogramm erinnert die Eltern und Kinder an die wichtigen Termine.

Zusätzlich übernimmt die Kasse den Vorsorgezuschuss für Kinder und Jugendliche zur Professionellen Zahnreinigung von 50 € pro Kalenderhalbjahr ergänzend zu einer kieferorthopädischen Behandlung mit einer fest sitzenden Apparatur (Multibracket), sowie die Erstattung von insgesamt maximal 180 € pro Jahr für drei Osteopathie-Behandlungen im Jahr.

Infos: www.aok.de/plus

Die Kasse übernimmt die Kosten für die zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J2. Zum Paket gehören zudem Osteopathieleistungen für Kinder und Jugendliche. Hier übernimmt die AOK die Kosten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres für bis zu sechs Sitzungen je Kalenderjahr und Versicherten. Erstattet werden 80 Prozent des Rechnungsbetrages, bis zu 60,00 Euro je Sitzung.

Infos: www.aok.de/rps

Auch diese AOK übernimmt die Kosten für die zusätzlichen Untersuchungen U10 und U11. Die Jugendvorsorgeuntersuchung J2 wird im Rahmen des Gesundheitskontos finanziert.

Infos: www.aok.de/rh

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