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Infektionen melden

Rollout des Meldesystem DEMIS läuft

DEMIS, das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem soll der Warpantrieb für Infektionsmeldungen sein. Laborärzte rechnen mit Arbeitsersparnis ab Frühherbst.

Von Sybille Cornell Veröffentlicht: 22.07.2020, 05:03 Uhr
Rollout des Meldesystem DEMIS läuft

Erst der Abstrich, dann das Labor und dann DEMIS: Noch ist das neue Meldesystem in den Kinderschuhen.

© kaprikfoto / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Die Corona-Pandemie hat einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig ein schnelles, zuverlässiges Meldesystem für Infektionskrankheiten ist. Bislang basierte die Datenweitergabe meldepflichtiger Erkrankungen in der Regel auf per Fax gesendeten Formularen, die jeweils in Empfang genommen, in die eigenen Systeme eingetragen und dann wieder weitergeleitet werden mussten.

Seit Jahren laufen die Vorbereitungen für das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Schon 2013 gab das Bundesgesundheitsministerium eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, offizieller Projektbeginn war im Januar 2016. Die Entwicklung und Implementierung sollte laut Plan des Robert Koch-Instituts (RKI) bis zum 31.12.2020 abgeschlossen werden. In der Corona-Pandemie wurde die gematik vom Ministerium kurzfristig beauftragt, das RKI bei der Laboranbindung zu unterstützen.

Das Testen hat begonnen

Dr. Christian Scholz vom ALM e.V. bestätigte der „Ärzte Zeitung“, dass DEMIS in die Testphase übergegangen ist und der Rollout in den Gesundheitsämtern begonnen hat. Aktuell seien rund zehn Labore als Testlabore an das DEMIS angebunden, ergänzt Dr. Bernhard Wiegel, Vorstandsmitglied des Bundesverbands deutscher Laborärzte e.V. (BDL). Die ersten Testreihen seien erfolgreich und man sei „hoffnungsfroh, dass sich im Frühherbst, etwa Mitte August der Meldeweg zwischen Laboren und Gesundheitsämtern etabliert“ habe.

Ziel ist eine durchgängig elektronische Informationsverarbeitung von den Meldenden (Arztpraxen, Krankenhäuser, Labore und Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen) zu den Übermittlern und Meldungsempfängern - den rund 380 deutsche Gesundheitsämtern, den 16 Landesbehörden und dem Robert Koch-Institut (RKI).

Anbindung der Labore nur eine Übergangslösung

Das erste Labor, das einen wirklichen Live-Test mit DEMIS gemacht hat, war das allgäuLab in Kempten. Robin Cremer, Leiter der EDV des Labors, erläutert, dass die Labore durch einen gematik-Konnektor an DEMIS angebunden wurden. Diese Lösung sei jedoch nur eine Übergangslösung, die die Anbindung für SARS-CoV-2-Meldungen beschleunigt habe. Die Übertragung der Daten vom Laborinformationssystem (LIS) an den Konnektor erfolge im Format des „Labordatentransfers“ (LDT). Für DEMIS müssten die Dateien jedoch durch Erweiterungen ergänzt werden, denn beispielsweise die Adressdaten der Patienten müssten zusätzlich übertragen werden. Dies habe der gematik-Konnektor ermöglicht, so Cremer.

DEMIS ist in die Testphase übergegangen. Wir als ALM unterstützen das Projekt mit allen Kräften.

Dr. Christian Scholz, Vorstand ALM e.V. und Sprecher der AG IT

Von Anfang an wurde festgelegt, dass die Laborsysteme die Funktion des Konnektors selbst beinhalten sollen. Die Kosten der Programmierung könnten nach Ansicht Cremers angesichts der großen Menge der Meldepflichtigen mit Arzt- und Krankenhausinformationssystemen überschaubar sein. Für die vergleichsweise geringe Anzahl der Labore (rund 200 in Deutschland) werde die Anpassung an die vielfältigen Laborsysteme jedoch durch die geringere Stückzahl wohl deutlich teurer. Die Gesundheitsämter werden mit dem Tool „SurvNet@RKI 3.0“ an DEMIS angebunden. Hier entstünden keine Extrakosten für Softwareentwicklung.

Zugang erfordert ein Zertifikat

Die Anbindung der Labore an DEMIS erfordert ein digitales Zertifikat, so Cremer. Das RKI sende aktuell jedem interessierten Labor einen Zugangslink und eine Zugangsnummer, mit der bei der D-TRUST GmbH, einem Unternehmen der Bundesdruckerei-Gruppe, das Zertifikat beantragt werde. Je Labor gibt es zwei berechtigte Personen – einen medizinischen und einen technischen Kontakt.

Cremer rechnet damit, dass die Anbindung der rund 380 Gesundheitsämter durch das RKI gut voranschreiten werde. Die Anbindung aller rund 200 Labore bis zum Jahresende werde allerdings „sehr sportlich“, auch trotz der vorläufig bereitgestellten gematik-Konnektoren. Die geplante Anbindung der anderen Arztpraxen werde jedoch wohl von den Software-Entwicklern der unterschiedlichen Praxissoftware-Lösungen abhängen. Dort sollen die DEMIS-Meldungen über Schnittstellen direkt aus Arzt- und Krankenhausinformationssystemen übertragen werden können. Dazu soll die Telematikinfrastruktur oder ein webbasiertes kostenloses Meldeportal verwendet werden.

Drei Komponenten des DEMIS

DEMIS besteht aus drei verschiedenen Komponenten: dem Verteilungsdienst (Dispatcher), dem Informationsdienst und dem Konfigurationsdienst.

  • Der Verteilungsdienst ist für die Entgegennahme der Meldungen sowie für die Verteilung der Informationen zuständig.
  • Der Informationsdienst stellt Daten als Feedback für die Anwender und für die Veröffentlichung bereit und enthält zusätzliche Funktionen wie beispielsweise die Signalerkennung, die eine frühzeitige Identifikation von Ausbrüchen ermöglichen soll.
  • Der Konfigurationsdienst beinhaltet das Regelwerk zur Steuerung des Systems und bietet die nötige Flexibilität, um das System bei Bedarf an die epidemiologische Situation anpassen zu können und zum Beispiel neue Krankheiten wie zuletzt COVID-19 in die Riege meldepflichtiger Erkrankungen aufnehmen zu können.

Praxenanschluss senkt Aufwand

Für BDL-Vorstand Wiegel ist vor allem eines kritisch: „Dass die niedergelassenen Ärzte noch nicht an DEMIS angeschlossen sind, das ist der offene Posten.“ Und er erläutert: Für die erhofften Vorteile des DEMIS werden mehr Daten als früher erhoben. So stehe beispielsweise auf dem neuen Muster 10 C für die SARS-CoV-2-Testung nicht nur der eindeutige QR-Code, sondern auch der Patientenname, eine Telefonnummer und eventuell eine Mailadresse, damit die abstrichgebende Person über das Testergebnis informiert werden kann.

Noch sei es so, dass der Auftrag als Papierformular mit dem Abstrich an das Labor geliefert werde und die händisch verzeichneten Telefonnummern und Mailadressen von Labormitarbeitern in das System eingetragen werden müssen, mit allen Risiken von Tippfehlern und Unleserlichkeiten, falls das Formular mit der Hand ausgefüllt wird. Erst wenn auch die Arztpraxen an DEMIS angeschlossen seien, ließen sich Aufwand und Fehler reduzieren, da dann Daten schon bei Beauftragung elektronisch übertragen werden.

Für das RKI und die Gesundheitsämter wird DEMIS den Vorteil bieten, statistische Auswertungen von Infektionsgeschehen auch regional nach Postleitzahlen erstellen zu können. Zudem werden in Zukunft auch negative Testergebnisse gemeldet, was mit dem aktuellen faxbasierten Meldesystem die Kapazitäten sprengen würde.

Kodierung nach SNOMED?

Allerdings sieht Wiegel noch viel Arbeit auf die DEMIS-Entwickler zukommen. Entscheidend sei, dass für die Erreger ein internationales Kodifizierungssystem wie etwa SNOMED verwendet werde. Hier müsse die Interoperabilität auch im europäischen Kontext gesehen werden. Deutschland habe bereits einen guten Standard mit LOINC, doch müsse gesichert werden, dass gerade auch bei länderübergreifenden Epidemien die Auswertbarkeit gesichert werde.
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