Kooperation | In Kooperation mit: ALM – Akkreditierte Labore in der Medizin e.V.

Coronavirus

Streit um die Kosten des PCR-Tests

Dass der Bewertungsausschuss die PCR-Tests so schnell deutlich abwertete, hat bei den Laborärzten für Protest gesorgt.

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 22.07.2020, 05:01 Uhr
Erst im August wird eine Expertengruppe die Kosten für PCR-Tests prüfen.

Erst im August wird eine Expertengruppe die Kosten für PCR-Tests prüfen.

© beermedia / fotolia.com

Neu-Isenburg. Was ist ein RT-PCR-Test auf SARS-CoV-2 wert? Es war ein echter Schock für die Laborärzte, als der Erweiterte Bewertungsausschuss am 10. Juni kurzerhand die Bewertung der PCR-Tests auf SARS-CoV-2 von 59 Euro auf 39,40 Euro zum 1. Juli 2020 mit sehr kurzer Vorlaufzeit heruntersetzte. Der Anfang Februar festgelegte Betrag, auf dem hohe Investitionen der Labore basierten und der letztlich dafür gesorgt hatte, dass die Testkapazitäten in kürzester Zeit enorm hochgefahren wurden, galt plötzlich nicht mehr.

Nun ist der Wert einer Leistung nur die eine Seite der Medaille, die andere Seite sind die Kosten, die bei einem solchen Test entstehen. Auch darauf stellt der Beschluss des Bewertungsausschusses ab: Bis Mitte August soll eine Expertengruppe die Kosten für PCR-Tests im Sinne einer Marktbeobachtung unter die Lupe nehmen und dann einen Bericht als Basis für die weitere Entscheidungsfindung im Bewertungsausschuss vorlegen.

Der fachärztliche Berufsverband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) e.V. hat keinen Hehl daraus gemacht, dass seine Mitglieder die Entscheidung, den Test auf 39,40 Euro herabzusetzen, für vollkommen abwegig halten. Die ALM-Mitglieder fühlen sich bestraft dafür, dass sie hohe Summen in die Testkapazitäten gesteckt und die Diagnostik jederzeit auch an Wochenenden und Feiertagen zur Verfügung gestellt haben. Dabei sei doch gerade das für die Bekämpfung der Pandemie so wichtig gewesen. Und jetzt sollen die dafür anfallenden Kosten nicht mehr angemessen erstattet werden?

Der „Ärzte Zeitung“ wurden im Gespräch mit ALM-Vertretern die Grundlagen einer Kostenkalkulation für eine PCR-Untersuchung der Labore dargelegt. Dabei haben die Labore grundsätzlich mehrere zu berücksichtigende Kostenarten:

  • Materialkosten, Kosten für Reagenzien: Diese werden für jeden einzelnen Test benötigt. Jedes Labor kauft die für die vorgehaltenen Methoden notwendigen Reagenzien und Testkits ein, deren Bruttopreis durchschnittlich deutlich über 20 Euro je Test liegt. Die Diagnostika-Hersteller agierten weltweit, die Nachfrage sei hoch, die Produktionskapazitäten seien begrenzt. „Bei häufig international gleichen Preisen ist dort ein Verhandlungsspielraum nicht mehr gegeben, und wenn man dann von Kassenseite 15 Euro als Richtmarke hört, dann fehlen einem die Worte“, so der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller.
  • Mittelbare Material und Gerätekosten: Desweiteren zu Buche schlagen laut ALM das Abstrichmaterial, Kontrollmaterialien und Reagenzien für die Qualitätssicherung und notwendige Wiederholungsuntersuchungen sowie für die Durchführung des Testes nötige Verbrauchsmaterialien. Hierfür seien mittlere einstellige Eurobeträge zu veranschlagen.

Die Labore hätten zudem, um die Kapazitäten hochzufahren, im Mittel sehr hohe Beträge in notwendige neue Geräte zur Etablierung der SARS-CoV-2-PCR-Tests investiert. Die Kosten dieser Geräte betragen im Falle größerer Systeme gleich mehrere 100.000 Euro.

Wie wird der Preis berechnet?

Bei der Kalkulation des Preises pro SARS-CoV-2-Befund werden diese Kosten auf die durchschnittliche tägliche Testzahl und eine entsprechende Nutzungsdauer umgelegt.

Diese zusätzlichen Systeme seien zudem zur Vorbereitung der zu erwartenden hohen Anforderungen im kommenden Herbst und Winter erforderlich. „Hier sehen wir dann die Notwendigkeit, parallel auf SARS-CoV-2- und Influenzaviren zu untersuchen, wie es bereits schon teilweise im März der Fall war“, sagt Müller.

  • Personalkosten: Für die Durchführung der PCR-Tests sind nach den Vorgaben des MTA-Gesetzes ausgebildete Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentinnen und –assistenten (MTLA) zu beschäftigen. Als speziell ausgebildete Fachkräfte gehören sie zu einer der wichtigen Berufsgruppen in der Pandemie. Zur Bewältigung der Anforderungsmengen und der in der Pandemie geforderten schnellen Diagnostik wird bis in den späten Abend und am Wochenende gearbeitet. So fielen Überstunden-, Wochenend- und Nachtzuschläge als zusätzliche Kosten und in vielen Laboren auch Leistungszulagen für diese außergewöhnliche Belastung an. Pro Test seien daher „mehrere Euro“ für Personal zu veranschlagen. „So ist es nicht verwunderlich, dass ganz unabhängig vom Grad der technischen Unterstützung durch Geräte mehrere Euro an direkten PCR-Durchführungskosten je Befund entstehen“, versichert ALM-Vorsitzender Müller.
  • Raumkosten, separate Kosten: In einer sach- und aufwandsgerechten Kostenkalkulation werden alle anfallenden Beträge zusammengestellt. Hierzu gehören neben den Infrastrukturkosten für Raum und Betrieb auch weitere Arbeitskosten in der Poben-Annahme und -vorbereitung zur Analyse, in der Datenerfassung, der Befundübermittlung und auch hinsichtlich der Erfüllung der Meldepflichten, die gerade bei SARS-CoV-2 deutlich erweitert wurden.

„Am Ende hängt die Kostenkalkulation auch in geringem Umfang von der Menge der erforderlichen Tests ab“, fasst Müller zusammen. Wenn die Menge der Tests nach unten gehe, dann trage die Kalkulation nicht, wenn sie längere Zeit so hoch wie aktuell bleibt, dann sehe es besser aus. Jetzt, nach vier Monaten ohne die Vorlage einer Kalkulation bereits so deutlich mit der EBM-Bewertung nach unten zu gehen, sei „unfair“, beklagt Müller. Fair wäre es dagegen, in der anfangs vereinbarten Größenordnung zu bleiben, sich nach einem Jahr das Mengenaufkommen anzuschauen – und dann neu zu entscheiden.

Von der Arbeit der Expertengruppe erhoffen sich die ALM-Mitglieder daher vor allem mehr Fairness und eine sachgerechtere Bewertung ihres Beitrages zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

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