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Abtasten der Brust hat noch nicht ausgedient

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Die regelmäßige Tastuntersuchung der Brust durch den Arzt soll das Bewusstsein der Frauen für ihre Brustgesundheit stärken. Ein Nutzen im Hinblick auf die Brustkrebsmortalität wurde bisher aber nicht nachgewiesen.

Von Ingeborg Bördlein

Jährliches Abtasten der Brust gehört zum Pflichtprogramm.

Jährliches Abtasten der Brust gehört zum Pflichtprogramm.

© endostock / fotolia.com

Die traditionelle jährliche Tastuntersuchung der Brust durch den Arzt gehört nach wie vor zum gesetzlichen Pflichtprogramm in der Brustkrebsfrüherkennung. Ist sie in Zeiten moderner bildgebender Verfahren noch sinnvoll?

Als "unverzichtbarer integraler Bestandteil" der Früherkennung wird sie in den aktuellen S3-Leitlinien bezeichnet, auch wenn es keine durch Studien belegte Evidenz für ihren Nutzen gibt.

Tastuntersuchung keine Früherkennungsmethode im eigentlichen Sinn

Nach der Datenlage finden sich lediglich Hinweise darauf, dass Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe und jene unter 50 Jahren im Screening von der klinischen Untersuchung profitieren könnten, allerdings um den Preis vermehrter falsch-positiver Befunde und damit einer höheren Biopsierate.

Einig sind sich die Experten, dass die klinische Inspektion und Tastuntersuchung durch den Arzt nicht als Früherkennungsmethode im eigentlichen Sinne angesehen werden kann und ein verdächtiger Befund immer mit einem bildgebenden Verfahren abgeklärt werden muss.

Sinnvolle Basisuntersuchung

Dennoch sieht sie Professor Rüdiger Schulz-Wendtland, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie, weiterhin als sinnvolle Basisuntersuchung an. "Wir sensibilisieren damit das Bewusstsein der Frauen für ihre Brustgesundheit, zumal wir sie ja auch zur Selbstuntersuchung anleiten".

Es sei wichtig, dass die Frau ihre Brüste gut kenne, und wenn sie sich einmal monatlich abtaste, bemerke sie auch Veränderungen und gehe dann zu ihrem Arzt.

Jede Zweite Frau entdeckt ihren Brustkrebs selbst

Nach Angaben des Experten entdeckt immer noch jede zweite Frau ihren Brustkrebs selbst. In Studien wurde indes kein Nutzen der Selbstuntersuchung im Hinblick auf die Brustkrebsmortalität festgestellt.

Das gilt auch für die ärztliche Tastuntersuchung. Doch ist Dr. Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und Mitautor der S3-Leitlinien zur Brustkrebsfrüherkennung, der Ansicht, dass der als gering erachtete "statistische Stellenwert" der ärztlichen Tastuntersuchung oft nicht den Erfahrungen in der täglichen Praxis entspricht.

Bei Frauen unter 50 und über 70 Jahren auf Abtasten angewiesen

Jeder geübte Kollege sollte in der Lage sein, einen bösartigen Knoten ab etwa einem Zentimeter zu tasten. "Bei Frauen unter 50 und über 70 Jahren sind wir ohnehin auf die Tastuntersuchung angewiesen, da diese Altersgruppe aus dem Mammografie-Screening herausfällt", so König.

Er plädiert dafür, schon bei Frauen unter 30 die Brust regelmäßig abzutasten. Zu bedenken sei auch, dass derzeit nur jede zweite Frau an der Röntgenreihenuntersuchung teilnehme und Intervallkarzinome sowie diejenigen, die in der Mammografie nicht zu sehen sind, durch das Abtasten detektiert werden könnten.

Die Wertigkeit der Methode steht und fällt mit der Erfahrung und dem Können der untersuchenden Ärzte. Einen einheitlichen Untersuchungsstandard gibt es nicht. Dieser müsste in der klinischen Ausbildung vermittelt werden, fordert König.

Blinde Frauen unterstützen Ärzte bei der Tastuntersuchung

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Ein großes Medienecho hat das Projekt Discovering Hands® ausgelöst: Blinde Frauen unterstützen Ärzte nach einer neunmonatigen Schulung bei der Tastuntersuchung der Brust.

Nach Angaben des Duisburger Gynäkologen Dr. Frank Hoffmann, der dieses Projekt 2006 ins Leben gerufen hat, sind inzwischen bundesweit 16 "Medizinische Tastuntersucherinnen" - kurz MTUs -ausgebildet worden und vorwiegend in Praxen sowie drei Krankenhäusern tätig.

Nach Angaben von Hoffmann haben bislang etwa 6000 bis 8000 Frauen diese IGeL-Leistung (30 bis 35 Euro) in Anspruch genommen.

Tastuntersuchung dauert 30 Minuten

In einer Pilotstudie mit 451 Frauen haben die MTUs 28 Befunde ab einer Größe von 6 bis 8 Millimeter erhoben, die auch sonografisch nachweisbar waren. Darunter war kein Karzinom. Von den Ärzten seien die kleinen Befunde nicht ertastet worden.

30 Minuten dauert eine Tastuntersuchung durch die MTU. "Das können wir Ärzte nicht leisten", sagt Hoffmann, der klarstellt, dass die Diagnose und die Abklärung bei einem Tastbefund weiterhin dem Arzt obliegt.

In mittlerweile bundesweit vier Ausbildungszentren werden die blinden Frauen nach entsprechender Eignungsprüfung nach einem einheitlichen Curriculum zur MTU ausgebildet. Drei Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten für die Untersuchung.

Das empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie

Die klinische Brustuntersuchung mit Inspektion und Palpation schließt die gesamte Brustdrüse zwischen Klavikula, medialem Sternalrand und mittlerer Axillarlinie ein. Zusätzlich sollten die Lymphabflussgebiete der Axilla, der Infra- und SupraklavikularRegion abgetastet werden. (bd)

Info: www.senologie.org

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