Therapie-Standard

Auf dem Weg zurück zu einer früheren Therapie

In die HIV-Therapie kommt Bewegung. Für bestimmte Patienten wird jetzt ein früherer Beginn der Therapie als bisher empfohlen. Dies wird in neuen Leitlinien empfohlen, die die europäische Aids-Gesellschaft (EACS) kürzlich zur Diskussion gestellt hat.

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Das Ziel einer antiretroviralen Therapie sollte sein, die Virusmenge im Blut innerhalb von sechs Monaten unter die Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter zu senken. Das gilt nun auch für bereits behandelte Patienten. Neue Arzneien machen dieses strenge Ziel möglich.

Wann sollte antiviral behandelt werden? In jedem Fall unverzüglich bei allen symptomatischen Patienten sowie bei asymptomatischen Patienten, sobald die CD4-Zellzahl unter 200 Zellen pro Mikroliter beträgt.

Bei asymptomatischen Patienten mit 201 bis 350 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut wird in den neuen Leitlinen jetzt ein Therapiestart empfohlen, anstatt ihn nur zu erwägen. Die europäischen Leitlinien definieren zudem bestimmte Patienten mit mehr als 350 CD4-Zellen pro Mikroliter Blut, denen eine antivirale Therapie angeboten werden sollte: Bei einer starken Virämie (über 100 000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter), bei einer raschen Progression (Abfall der CD4-Zellzahl um 50 bis 100 Mikroliter pro Jahr), bei einem Alter über 55 Jahren und bei erhöhtem Risiko wegen einer HCV-Koinfektion.

Zum Therapiebeginn werden nach wie vor drei Medikamente empfohlen: ein nicht-nukleosidischer Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) oder ein mit Ritonavir verstärkter Proteasehemmer - als PI/r abgekürzt - und zwei nukleosidische Reverse Transkriptasehemmern (NRTI). Empfohlen werden die NNRTI Efavirenz und Nevirapin, die PI/r Lopinavir/r, Fosamprenavir/r und Saquinavir/r sowie die fixen Kombinationen aus zwei NRTI Tenofovir/Emtricitabin und Abacavir/Lamivudin.

Mit der längeren HIV-Infektion und Therapie sowie der Tatsache, dass HIV-Infizierte heute älter werden als früher, werden metabolische Erkrankungen wichtiger. Die Leitlinien für metabolische Erkrankungen umfassen Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen, Therapie gegen Dyslipidämien und Hypertonie, Prävention und Management der Lipodystrophie, Therapie bei Typ-2-Diabetes sowie Prävention und Management der Hyperlaktatämie.

(awa/Rö)

Weitere Informationen unter: http://www.eacs.eu/guide/index.htm Bis 15. Dezember können noch Kommentare zu den Leitlinien abgegeben werden.

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