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Langzeitstudie

Auf den Tumor in der Kindheit folgen oft Suizidgedanken

Wer eine Krebserkrankung als Kind überlebt, denkt als Erwachsener nicht selten an Suizid. Ein Grund dafür ist offenbar der schlechte Gesundheitszustand.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Suizidgedanken traten in der Studie bei den Krebsüberlebenden 1,8-fach häufiger auf.

Suizidgedanken traten in der Studie bei den Krebsüberlebenden 1,8-fach häufiger auf.

© Jitalia17 / istockphoto.com

MEMPHIS. Der Tumor ist überlebt, aber manche Folgen zeigen sich erst lange danach. Diese Erfahrung machen viele Erwachsene, die in der Kindheit an Krebs erkrankt sind.

Drei Viertel von ihnen entwickeln innerhalb von 30 Jahren eine chronische Erkrankung, häufig sind Herz, Lunge, Hormon- und Nervensystem betroffen, berichten Pädiater um Dr. Tara Brinkman von der St. Jude-Kinderklinik in Memphis in den USA (Cancer 2013; online 7. Oktober).

Kein Wunder, dass solche Patienten auch psychisch unter den Langzeitfolgen der Tumorerkrankung leiden und vermehrt über Suizid nachdenken. Wie häufig dies vorkommt, wollten Brinkman und ihr Team anhand einer Analyse der Children Cancer Survivor Study (CCSS) herausfinden.

An der Studie nahmen über 9000 ehemalige Krebspatienten teil. Sie waren als Kinder zwischen 1970 und 1986 an einem Tumor erkrankt und wurden 1992 in die Studie eingeschlossen.

Zu Beginn sowie im Jahr 2003 und 2007 füllten sie Fragebögen zur körperlichen und psychischen Gesundheit aus, unter anderem wurden sie gefragt, ob sie daran denken, ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen.

Als Kontrollgruppe dienten über 3000 zufällig ausgewählte Geschwister der Krebsüberlebenden.

Doppelt so häufig Suizidgedanken

Bei der Basisuntersuchung im Jahr 1992 gaben 7,8 Prozent der Krebsüberlebenden Suizidgedanken zu, aber nur 4,4 Prozent der Geschwister aus der Kontrollgruppe. Suizidgedanken traten damit bei den Krebsüberlebenden 1,8-fach häufiger auf.

An diesem Verhältnis änderte sich auch bei den Folgeuntersuchungen nichts, stets lag die Häufigkeit etwa beim Doppelten der Kontrollgruppe.

Nun suchten die US-Pädiater nach möglichen Risikofaktoren für den Wunsch nach einem vorzeitigen Tod. Von den Teilnehmern, die 1992 noch keine Suizidabsichten erkennen ließen, entwickelten etwa 8 Prozent solche Gedanken in den Folgeuntersuchungen.

Dies, so stellte sich heraus, waren vorwiegend Personen, die bei der Basisuntersuchung einen schlechten körperlichen Gesundheitszustand angaben. Sie entwickelten wiederum doppelt so häufig Suizidgedanken wie Krebsüberlebende ohne körperliche Beeinträchtigungen.

Auch Krebsüberlebende, die schon einmal epileptische Anfälle hatten, entwickelten doppelt so häufig Selbsttötungsabsichten wie Überlebende ohne Anfälle.

Ehepartner als Schutzfaktor

Etwa 3 Prozent der Krebsüberlebenden gaben bei mehr als einer Untersuchung zu, an Suizid zu denken - das waren 2,6-mal mehr als in der Kontrollgruppe. Die Risikofaktoren waren hier ähnlich.

Als Schutzfaktoren erwiesen sich eine Krankenversicherung und ein Ehepartner, damit traten Selbsttötungsgedanken nur halb so oft auf wie bei Singles oder nicht versicherten Personen.

Schließlich schauten sich die Ärzte um Brinkman auch die Todesfälle und -ursachen an. Dabei war die Sterberate von Teilnehmern, die im Laufe der Studie an Suizid dachten, etwa 30 Prozent erhöht. Dies lag nicht primär an den vollzogenen Suiziden, sondern an einer höheren Rate von Autounfällen, Stürzen und Gewaltverbrechen.

Insgesamt war die Rate solcher externen Todesursachen 2,4-fach höher als in der Gruppe ohne Suizidgedanken.

Durch eigene Hand starben von den 9000 Krebsüberlebenden nur zehn, und von diesen hatten wiederum nur drei bei den Befragungen suizidale Gedanken geäußert.

Für Brinkman und Mitarbeiter zeigen die Studiendaten, dass sich psychische und physische Folgen einer frühen Krebserkrankung oft erst nach Dekaden bemerkbar machen.

Suizidgedanken sind demnach ein Marker, der auf ein erhöhtes Sterberisiko hinweist - solche Patienten brauchen eine besondere medizinische Fürsorge.

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