Bei psychischen Störungen fehlt effektive Nachsorge in der Praxis

HAMBURG (ugr). Die stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen ist oft erfolgreich, wenn sie Teil eines umfassenden Therapiekonzeptes ist und wenn die Eltern darin eingebunden sind. Bislang gibt es aber kaum Daten, wie sich die Patienten nach der Entlassung weiterentwickeln.

Veröffentlicht:

Darauf haben Ärzte beim Kinder- und Jugendpsychiatriekongress in Hamburg hingewiesen. Ein Beispiel nannte Dr. Antje Thiele von der Kinder- und Jugendpsychiatrie Scheidegg. Die Zahl der ADHS-Patienten, die dort behandelt werden, hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf über 200 pro Jahr mehr als verdreifacht. In der Reha-Klinik können nicht nur ein Elternteil, sondern mitunter sogar ganze Familien stationär einbezogen werden. Thiele beklagte jedoch die fehlende Vernetzung mit ambulanten Einrichtungen: "Ein Großteil der Patienten hatte noch nie Kontakt mit einer ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Zuweisung erfolgt in 75 Prozent der Fälle über Kinder- und Hausärzte." Ungeklärt sei deshalb auch hier oft die Frage: Wie geht es anschließend weiter?

Bei Adipositas oder Bulimie ist die Entwicklung nach dem stationären Aufenthalt unklar.

Ähnlich sieht es bei der Behandlung magersüchtiger Jugendlicher aus, hat Dr. Jan Gerrit Behrens von der Seepark-Klinik Bad Bodenteich berichtet. Dort wurden in den vergangenen zehn Jahren 213 minderjährige Patienten (nur 2,3 Prozent männlich) mit der Diagnose Anorexia nervosa behandelt. Die stationäre Therapie war sehr erfolgreich: Die mittlere Aufenthaltsdauer betrug 82 Tage, der BMI betrug 15,1 bei Aufnahme und 17,4 bei Entlassung - das durchschnittliche Gewicht stieg von 40,3 auf 46,8 kg. Wie sich die Situation bei den fast ausschließlich weiblichen Patientinnen allerdings nach dem stationären Aufenthalt entwickelte und ob es eine ambulante Nachsorge gab, ist noch unklar. "Wir schreiben die Mädchen derzeit an und sind selbst sehr gespannt auf die Ergebnisse."

Bei jugendlichen Adipositas-Patienten könne während eines stationären Aufenthaltes ein massiver Gewichtsverlust erzielt werden, hat Dr. Dirk Dammann von der Fachklinik Wangen berichtet. Wieder zu Hause, hätten viele Patienten die verlorenen Pfunde aber in kurzer Zeit wieder zugelegt. "Adipositas ist eine chronische Krankheit, die sich nicht mit einer einmaligen Intervention bessert. Eine ambulante Anbindung ist unbedingt vonnöten."

Hier fehle jedoch nach wie vor der politische Wille, Adipositas als Krankheit anzuerkennen. Außerdem sei es wichtig, die Familie in die Therapie einzubinden: Langfristige Erfolge zeigen sich nach Studiendaten vor allem dann, wenn auch die Eltern zu dauerhaften Verhaltensänderungen bereit sind.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Lesetipps
Röntgenaufnahme des Thorax zur Diagnose von Atemwegserkrankungen.

© yta / stock.adobe.com

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie