Beratung plus Arzneitherapie - das sorgt bei Demenz für Entspannung

MAINZ (hbr). Gedächtnisprobleme bedrücken Alzheimer-Patienten vor allem im frühen Krankheitsstadium. Mit fortschreitender Demenz werden dagegen Verhaltensauffälligkeiten wichtiger. Unter ihnen leiden Patienten und Familie stärker als unter dem Gedächtnisverlust der Erkrankten.

Veröffentlicht:

Es sind vor allem die neuropsychiatrischen Symptome, die den Verlauf der Krankheit charakterisieren. Darauf hat Dr. Andreas Fellgiebel von der Gedächtnisambulanz der Universität Mainz hingewiesen. Denn nur bei leichter Demenz sei es noch von Bedeutung, wie viel die Patienten sich merken und wie gut sie sich sprachlich ausdrücken können. Bei fortgeschrittener Demenz werden vor allem Faktoren wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Agitation bestimmend, aber auch Depressivität und Apathie.

Verhaltensprobleme überfordern oft die Angehörigen

Solche Symptome reduzieren die Lebensqualität der Patienten und belasten die pflegenden Angehörigen erheblich - und damit die Beziehung zwischen Angehörigen und Patienten. Die Angehörigen sind dann mit der Pflege überfordert und werden selbst reizbar oder depressiv. Die Folge: Ihre Lebensqualität sinkt. Dies wirkt sich wiederum belastend auf die Patienten aus, und kann deren Verhaltensstörungen verstärken. Ist dagegen die Lebensqualität der pflegenden Angehörigen gut, stimmt sie meist auch bei den Patienten.

Antidementiva wie Cholinesterase-Hemmer und Memantine können Verhaltensstörungen lindern. Daten belegen zum Beispiel für Patienten mit Memantine (Ebixa®) eine signifikant geringere Agitiertheit und Aggression als mit Placebo. Ähnliches gilt für die Kombination von Memantine plus Donepezil im Vergleich zu Donepezil alleine, sagte Fellgiebel bei einer Veranstaltung von Lundbeck in Mainz. Mit der Kombitherapie nahmen in einer Studie in 24 Wochen Agitiertheit, Aggression und Reizbarkeit deutlich ab, und der Appetit nahm zu.

Gespräche erleichtern Umgang mit Demenz-Kranken

Zudem profitieren Patienten und Angehörige bei belastenden Symptomen offenbar auch von einer unterstützenden Beratung vor Ort. So suchten in einer Studie spezialisierte Krankenschwestern die Patienten zuhause auf. Alle Demenz-Patienten waren auf ein Antidementivum eingestellt. Zusammen mit der Familie analysierten die Schwestern die Verhaltensprobleme und erarbeiteten Möglichkeiten, damit umzugehen. Das Ergebnis: Die Kombination von Arzneitherapie und Beratung reduzierte Verhaltensänderungen am stärksten.

Mehr zum Thema

Unterstützung bei Demenz

Neues Alzheimer-Selbsthilfeprojekt in NRW

Paisa-Mutation

Alzheimer: Genvariante verzögert kognitiven Verfall

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

Das hausärztliche ABC zur HFpEF

S3-Leitlinie

So hilft die neue Osteoporose-Leitlinie in der Praxis

„Team Medical Liaison Officer“

Thüringer Chefarzt steht bei der Fußball-EM dem englischen Team zur Seite

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Prof. Dr. med. Jürgen Windeler, Arzt und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie, in der Redaktion der Ärzte Zeitung in Berlin.

© Marco Urban für die Ärzte Zeitung

Jürgen Windeler im Interview

„Das Gesundes-Herz-Gesetz ist völlig gaga!“