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Kommentar des Experten

Die Personenwaage ist wichtiger als die Küchenwaage!

Hochkalorische Kost vermeiden und damit eine Gewichtszunahme: Das ist heute der wichtigste Rat für die Ernährung zuckerkranker Menschen.

Von Prof. Hellmut Mehnert Veröffentlicht:

Prof. Hellmut Mehnert

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Menschen mit Diabetes brauchen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine speziellen diätetischen Lebensmittel mehr. Für sie gelten inzwischen die gleichen Ernährungs-Empfehlungen wie für die Allgemeinbevölkerung.

Diabetikerlebensmittel sind daher vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ersatzlos aus der Diätverordnung gestrichen worden. Nachdem die Übergangsfrist von zwei Jahren jetzt verstrichen ist, müssen die Produkte bis zum 9. Oktober aus den Lebensmittel-Regalen des Handels verschwinden.

Orientierung für die Beratung von Diabetikern bieten heute zum Beispiel die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung:

  • vielseitig essen,
  • auf Gesundheit und Bewegung achten,
  • sich Zeit nehmen und das Essen genießen,
  • Mahlzeiten schmackhaft und schonend zubereiten,
  • reichlich Flüssigkeit,
  • Zucker und Salz in Maßen,
  • möglichst wenig Fett und fettreiche Lebensmittel,
  • täglich Milchprodukte; nur ein- bis zweimal wöchentlich Fleisch; Wurst und Eier in Maßen,
  • fünfmal Obst und Gemüse am Tag,
  • reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln.

Ein großer Fehler bei Typ-1-Diabetes ist die Attitude: "Wenn Du genügend Insulin spritzt, kannst Du essen, was Du willst". Das begünstigt Übergewicht, etwa weil Patienten gegen Hypoglykämien anessen müssen.

Außerdem ist zu beachten: Nach Broteinheiten (10 bis 12 g Kohlenhydrate pro BE) rechnen in der Regel nur noch Typ-1-Diabetiker.

Typ-2-Diabetiker sollten verstärkt auf die Nahrungsenergie in Kalorien achten. Die Personenwaage ist für sie wichtiger als die Küchenwaage!

Das frühere Gebot vieler kleiner Mahlzeiten anstelle weniger großer ist bei Diabetes inzwischen veraltet. Ursprünglich hatte die Regel ihre gute Begründung: Es ging darum, das Blutzuckerprofil flach zu halten.

Im Zeitalter einer modernen medikamentösen Zusatztherapie ist das aber weitgehend überholt. Als Ausnahme gelten Patienten, die mit Mischinsulin behandelt werden.

Zuckerhaltige Getränke meiden

Einem übergewichtigen Typ-2-Diabetiker mit einer 1000- bis 1200-Kalorien-Diät ist hingegen nicht zuzumuten, die schmale Kost noch auf sechs kleine Mahlzeiten am Tag zu verteilen.

Ähnliches gilt für das ursprüngliche strenge Zuckerverbot. Gewöhnlicher Zucker hat sogar einen etwas niedrigeren glykämischen Index als Weißbrot. So haben sich Experten darauf geeinigt, dass bei Diabetes 10 Prozent der Gesamtkalorien an Zucker zugeführt werden können.

Zuckerhaltige Getränke sind allerdings zu meiden. Diese werden besonders schnell resorbiert, was unerwünschte postprandiale Blutzuckerspitzen fördert.

Besonders günstig sind Ballaststoffe: sie steigern die Darmmotilität, senken den Cholesterinspiegel, wirken der Obstipation entgegen, schützen vor Übergewicht und gleichen den Blutzuckerspiegel aus; Krebs-präventive Eigenschaften der Stoffe werden ebenfalls diskutiert.

Die Zufuhr von Jod, Fluorid, Vitamin D und Folsäure kann sinnvoll sein, ebenso wie Multivitaminpräparate zum Beispiel bei sehr alten Patienten mit reduzierter Nahrungsaufnahme.

Wichtig ist bei Diabetes die regelmäßige Bewegung als ergänzende Maßnahme. Langfristig lassen sich damit nämlich unter anderem erhebliche Kalorien-Mengen einsparen.

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