Erste Erfolge mit Antikörper

Ebola-Experten reagieren zurückhaltend

Ein experimenteller Wirkstoff scheint einem an Ebola erkrankten US-Arzt geholfen zu haben. Vor zu viel Euphorie warnen jetzt aber Infektionsexperten.

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Globale Karte mit Gesundheitsinfos im U.S. Center for Disease Control and Prevention.

Globale Karte mit Gesundheitsinfos im U.S. Center for Disease Control and Prevention.

© David Goldman / AP Photo / dpa

LAGOS/MADRID/BERLIN. Im Kampf gegen das Ebola-Virus hat der experimentelle Wirkstoff ZMapp? für Hoffnungen gesorgt: Damit wurde ein an der Ebola-Viruskrankheit erkrankter US-Arzt vermeintlich erfolgreich behandelt. Experten reagierten darauf jedoch zurückhaltend.

Es gebe Hinweise, wonach eine Ebola-Infektion mit monoklonalen Antikörpern, Blutplasma oder Seren, die hohe Antikörpertiter gegen das Ebolavirus enthalten, erfolgreich behandelt werden könne, sagte Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen, im Exklusiv-Interview mit der "Ärzte Zeitung".

Insofern seien Heilversuche in angemessener Form und der Einzelsituation angepasst aus ethischer Sicht in Ordnung, wenn nicht sogar geboten. Ein breit angelegter Einsatz solcher Therapien müsse aber gut durchdacht und kontrolliert werden.

Er sprach sich dafür aus, dass Sponsoren eine klinische Prüfung von Impfstoffen und Therapeutika gemeinsam mit öffentlichen Mitteln, der Industrie und akademischen Einrichtungen zügig auf die Beine stellen sollten.

Thomas Geisbert von der University of Texas in Galveston, einer der führenden Ebola-Forscher, zweifelt das an: "Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass ernste klinische Symptome in einer Stunde verschwinden. Das passiert nur in Filmen", sagte er der dpa.

"Ich denke, wir sollten sehr vorsichtig sein und keine Schlüsse über die Rolle von ZMapp? ziehen, bis wir mehr Details erfahren", mahnte Geisbert.

Brantly könne auch zu jenen rund 40 Prozent der Patienten gehören, die die Erkrankung ohne Behandlung überleben. "Ich denke, wir benötigen mehr Daten, um eine definitive Aussage zu treffen."

Risiken von ZMapp? für Menschen könne man nicht ausschließen, er schätze sie aber als sehr, sehr gering ein, sagte Geisbert. "Die Daten für ZMapp? bei nicht-menschlichen Primaten sind phänomenal, daher halte ich es für eine sehr gute Behandlungsoption."

"Wir brauchen noch mehr Daten"

"Wir müssen sehr vorsichtig sein", sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. "Wir brauchen noch mehr Daten. Ich würde nicht sagen, dass das Serum die Lösung ist, um alle Ebola-Patienten zu retten. Vielleicht kann es jedoch unterstützend sein."

Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München schließt Nebenwirkungen nicht aus. "ZMapp ist bisher rein experimentell", sagte er. Das Immunsystem könne stark auf die Antikörper reagieren.

"Da es bislang noch keine Daten oder Tests an Menschen gibt, sind die Aussagen über Nebenwirkungen von ZMapp? schwierig. Theoretisch reicht die Bandbreite von leichtem Fieber bis hin zu Schockzuständen."

Inzwischen sind in Nigeria acht Ebola-Fälle in Labortests bestätigt worden. Alle Patienten lägen in Lagos auf Isolierstationen in Quarantäne, bestätigte der örtliche Gesundheitsbeauftragte Jide Idris. Weitere mögliche Fälle würden überwacht.

Alle erfassten Fälle gehen auf einen Berater der liberianischen Regierung zurück, der vor knapp zwei Wochen in einem Krankenhaus in Lagos an dem Virus gestorben war.

Der 40-Jährige war wenige Tage zuvor nach Lagos geflogen und am Flughafen zusammengebrochen. Zunächst war die Ansteckung eines Arztes bestätigt worden, nun folgten weitere Nachweise.

Die Regierung hat medizinisches Personal zu wichtigen Grenzpunkten entsandt. Zudem wurden in vielen Bundesstaaten Aufklärungskampagnen gestartet. Die Behörden hatten mitgeteilt, dass eine Schließung der Grenzen zunächst nicht geplant sei.

Infizierter spanischer Geistlicher will heim

In Madrid haben Zehntausende Spanier von der Regierung die sofortige Rückkehr eines spanischen Geistlichen gefordert, der sich in Liberia mit dem Ebola-Virus infiziert hat. Die entsprechende Internetpetition war am Dienstagabend von mehr als 75.000 Menschen unterstützt worden.

Der 75-jährige Johanniter, der seit acht Jahren in Liberia für eine Nichtregierungsorganisation tätig ist, sagte der Nachrichtenagentur efe, er fühle sich im Stich gelassen.

Ein Test ergab am Montag, dass er sich mit dem Ebola-Virus infiziert hat. Er sagte: "Ich würde gern nach Spanien, weil wir hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man hilft uns nicht."

Die Situation im Krankenhaus sei sehr schlimm, ließ die spanische Nichtregierungsorganisation "Juan Ciudad" wissen. Neben dem Geistlichen seien auch zwei Missionarinnen infiziert. Insgesamt seien seit dem 1. August sechs Missionare unter Quarantäne gestellt.

Die USA haben bereits zwei infizierte Bürger des Landes aus Liberia ausgeflogen. In Madrid teilte das Außenministerium unterdessen mit, zuständig sei das Gesundheitsressort. Das wollte sich zunächst aber nicht äußern. Die Zahl der Todesfälle nach dem Ausbruch der Epidemie in Westafrika nähert sich bereits der 1000.

In Berlin hat das Auswärtige Amt "dringend" von Reisen nach Sierra Leone, Liberia und Guinea abgeraten. Es sei möglich, dass Ausreisemöglichkeiten aus diesen Ländern weiter beschränkt würden, heißt es in aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen für die drei Länder. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Ausbreitung nicht absehbar. (eb/dpa)

Lesen Sie dazu auch: PEI-Präsident im Interview: Jetzt ist der Zeitpunkt für Arzneitests gegen Ebola!

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