Ein deutscher Junge stirbt bei Anschlägen in Ägypten

DAHAB (ddp.vwd). Bei Bombenanschlägen im ägyptischen Touristenort Dahab sind mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein zehnjähriger Junge aus Baden-Württemberg.

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Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin sind unter den mehr als 60 Verletzten mindestens zwei Deutsche, darunter die Mutter des getöteten Jungen. Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kairo seien unterdessen in Dahab eingetroffen und machten sich ein Bild über die Lage.

Generalbundesanwalt Kay Nehm leitete ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein. Den Tätern werde "Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung" vorgeworfen, sagte eine Sprecherin.

Die führenden deutschen Reiseveranstalter haben ihren Kunden eine kostenlose Umbuchung angeboten. Die Regelung gelte bis mindestens 7. Mai für Reisen in die betroffene Region, teilte der Deutsche Reiseverband gestern mit. Anschließend werde die Lage neu bewertet. Zum Zeitpunkt der Anschläge hätten sich 300 Gäste deutscher Reiseveranstalter in Dahab aufgehalten, hieß es.

Guido Steinberg, Islam-Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, sagte gestern, es gebe bezüglich der Hintermänner des Anschlags "bisher keine harten Informationen, die einen gültigen Schluß zuließen". Es sei ein fataler Irrtum gewesen zu glauben, daß Ägypten ein sicheres Reiseland sei. "Es gab deutliche Anzeichen, daß islamische Terroristen Touristen angreifen würden", sagte Steinberg.

In dem Touristenort auf der Sinai-Halbinsel am Golf von Akaba hatten sich am Montagabend drei Explosionen in der Nähe eines Supermarkts, vor einem Restaurant und einem Café ereignet. Nach Angaben des ägyptischen Staatsfernsehens wurden die Bomben binnen weniger Minuten ferngezündet.

Dabei wurden nach offiziellen Angaben mindestens 23 Menschen getötet und 62 verletzt. Rettungskräfte sprechen dagegen laut Medienberichten von etwa 30 Toten und rund 150 Verletzten. Laut Kairoer Innenministerium sind unter den Toten vier Ausländer, außer dem deutschen Kind auch Touristen aus Rußland und der Schweiz.



Attentate in Ägypten

Urlauber sind in Ägypten wiederholt Ziel von Terroranschlägen gewesen. Die folgenreichsten Attentate vor dem Geschehen in Dahab waren:

23. Juli 2005: Im Badeort Scharm el Scheich auf der Sinai-Halbinsel explodieren drei Bomben: 66 Tote und etwa 130 Verletzte, darunter mehrere ausländische Touristen. Die ägyptische Regierung sieht keine Verbindung zur Terrororganisation El Kaida.

7. Oktober 2004: In den Sinai-Badeorten Taba und Ras al-Sheitani gehen nahezu zeitgleich mehrere Sprengsätze hoch. Unter den 34 Toten sind zwölf Israelis. Die ägyptischen Behörden verdächtigen einheimische Terroristen, die Israelis El Kaida.

17. November 1997: Bewaffnete der ägyptischen Terrorgruppe Gamaa Islamija erschießen vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor 58 Urlauber und mehrere Polizisten. Unter den Toten sind 36 Schweizer und vier Deutsche.

18. September 1997: Neun Deutsche und der ägyptische Fahrer sterben bei einer Bombenattacke auf einen Touristenbus vor dem Ägyptischen Museum in Kairo.

18. April 1996: Im Eingangsbereich eines Kairoer Hotels erschießen vier mutmaßliche Aktivisten der Gamaa Islamija 18 griechischer Reisende. Ihr eigentliches Ziel sollen Israelis gewesen sein. (dpa)

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