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Erst Chikungunya, dann Dengue-Fieber?

DÜSSELDORF (ug). Werden Klimawandel und Globalisierung dazu führen, dass sich tropische Krankheiten in Europa ausbreiten? Der Ausbruch von Chikungunya-Fieber in Norditalien verstärkt solche Befürchtungen. Dort haben sich zunächst die Überträgermücken vermehrt, jetzt wurde auch das Virus eingeschleppt. Als nächstes könnten Dengue-Viren den Sprung nach Europa schaffen.

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In Norditalien hat sich die Tigermücke (Aedes albopictus) in den vergangenen fünf Jahren stark vermehrt. Die Mücke kann sowohl Dengue- als auch Chikungunya-Viren übertragen, in Europa fehlten ihr aber bislang menschliche Virenträger, um eine Infektionskette in Gang zu setzen. Das hat sich jetzt geändert: In der norditalienischen Provinz Emilia-Romagna ist es im August zu einem Chikungunya-Ausbruch gekommen.

Über 100 Menschen waren mit dem Virus infiziert, das bisher nur in Afrika und Asien vorgekommen ist. Offenbar haben Urlauber oder Migranten das Virus eingeschleppt. Gerade in Norditalien leben sehr viele Immigranten aus Afrika und Asien. "Wenn sie das Virus mitbringen, kann es zu einem Ausbruch kommen. Im Prinzip reicht ein Infizierter aus," so Privatdozent Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf. "Wir warten schon lange darauf, dass es südlich der Alpen zu einem Dengue-Ausbruch kommt. Nun war Chikungunya schneller", sagte Jelinek im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Eine solche untypische Verbreitung der Erreger käme immer wieder vor. So habe es vor wenigen Jahren eine Gelbfieber-Epidemie in Minas in Südbrasilien gegeben. Minas selbst sei keine Gelbfieber-Region. Aber ein einziger Mann habe das Virus in die Region eingeschleppt. An ihm haben sich die Überträgermücken infiziert und das Virus dann weitergeben. "Das hat gereicht, dass es zu einem Ausbruch gekommen ist", sagte Jelinek.

Chikungunya- oder Dengue-Viren können zwar nur etwa eine Woche im Blut eines Menschen überleben. Doch reisen Infizierte per Flugzeug nach Europa, reicht dies, um eine Infektionskette zu starten: Es müssen nicht nur die Überträgermücken vorhanden sein, auch das Klima muss warm genug sein, damit sich die Viren in den Mücken vermehren können. Treffen diese Umstände zu, könne sich das Virus rasch ausbreiten. "Das hat mit Klimawandel aber wenig zu tun", so Jelinek. "Eher mit der Wanderung der Menschen."



STICHWORT

Chikungunya-Fieber

Erreger: Einzelsträngiges RNA-Virus aus der Gattung Alphavirus.

Verbreitung: Afrika südlich der Sahara, Indien, Südostasien.

Übertragung: tag- und nachtaktive Stechmücken der Gattung Aedes.

Inkubationszeit: meist zwei bis drei, selten bis zu zwölf Tage.

Symptome: Fieber, Schüttelfrost, Konjunktivitis, Kopfschmerzen, Arthralgien, Myalgien, gelegentlich Exanthem, Lymphadenopathie, rasch zunehmende starke Gelenkschmerzen. Selten hämorrhagisches Fieber.

Diagnose: Virusnachweis im Serum, Immundiagnostik. Starker Schmerz bei Druck auf das Handgelenk.

Therapie: nur symptomatisch

Prophylaxe: Schutz vor Stechmücken tags und nachts, eine Impfung gibt es nicht. (ug)

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