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Frauen mit Spenderniere haben oft Frühgeburten

MÜNCHEN (bib). Etwa jede zehnte Patientin mit Spenderniere ist im gebärfähigen Alter, eine von 50 solcher Frauen wird schwanger. Die Transplantatfunktion wird durch die Gravidität an sich nicht gefährdet. Es ist aber vermehrt mit komplizierten Schwangerschaftsverläufen zu rechnen, etwa mit Infektionen, Präeklampsie oder Frühgeburt. Dr. Florian Bergauer von der LMU München gibt Tips, wie sich die Problematik entschärfen läßt.

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Hauptproblem bei Schwangeren mit Spenderniere ist die hohe Rate an Frühgeburten: Etwa 50 bis 60 Prozent haben eine Frühgeburt. Bergbauer: "Das mittlere Schwangerschaftsalter bei der Entbindung ist die 36. Schwangerschaftswoche bei einem mittleren Geburtsgewicht von etwa 2500 Gramm." Und die Hälfte der Kinder kommt per Sectio zur Welt, obwohl prinzipiell nichts gegen eine vaginale Entbindung spricht, auch nicht die Lage der Transplantatniere im Becken (Gynäkologe 5, 2004, 437).

"Bei Erreichen des zweiten Trimenons kann in über 90 Prozent mit der Geburt eines lebenden Kindes gerechnet werden", so der Gynäkologe. Die Abortrate sei ähnlich wie bei normalen Schwangerschaften. Prognostisch ungünstig für das Kind sowie auch für das Transplantat sind ein über 1,4 mg/dl erhöhter Serumkreatinin-Ausgangswert, eine Proteinurie über 500 mg am Tag, ein schwer einstellbarer Hypertonus und ein geringer Abstand zwischen Nierentransplantation und Schwangerschaft.

"Mit der Schwangerschaft sollte ein bis zwei Jahre nach der Transplantation gewartet werden, bis sich Transplantatfunktion und immunsuppressive Therapie stabilisiert haben", empfiehlt Bergauer. Die Immunsuppression müsse selbstverständlich während der Schwangerschaft fortgesetzt werden, um die Transplantatfunktion zu erhalten.

Für die Erhaltungstherapie mit Azathioprin (< 2 mg/Tag, AZT), Ciclosporin (< 5 mg/kg Körpergewicht/Tag) und Prednisolon (< 15 mg/Tag) liegen nach Angaben des Gynäkologen bislang die meisten und günstigsten Erfahrungen vor.

Für Sirolimus gibt es bisher wenig Daten bei Schwangeren

Hinweise für die Häufung von Fehlbildungen gebe es nicht. Patientinnen, die vor der Schwangerschaft Mycophenolatmofetil erhalten hatten, sollten aufgrund der geringen Erfahrungen mit dieser Substanz bei Graviden auf AZT umgestellt werden. Auch zu Sirolimus gibt es noch wenig Daten bei Schwangeren. Ähnliches gilt für die Antikörper-Therapie.

Da Immunsuppressiva das Infektionsrisiko erhöhen, empfiehlt Bergauer Frauen mit Spenderniere, vor einer geplanten Schwangerschaft ein Screening auf Zytomegalie, Röteln, Hepatitis B und C, Herpes simplex und Toxoplasmose.

Oft kriegen Schwangere mit Nierenersatz Harnwegsinfekte

Bei Harnwegsinfekten, die etwa 40 Prozent der schwangeren Patientinnen bekommen und die eine Transplantatpyelonephritis verursachen können, rät der Gynäkologe zur konsequenten Infektsanierung über mindestens sechs Tage.

Problematisch ist auch die bei vielen Schwangeren mit Spenderniere vorhandene Hypertonie, die auch die hohe Inzidenz der Präeklampsie von 30 Prozent erklärt. Die Präeklampsie kann schwer von einer Abstoßung zu unterscheiden sein; mitunter erfordert das eine Biopsie. Ein vorübergehender isolierter Abfall der glomerulären Filtrationsrate im dritten Trimenon ist ebenso wie eine Proteinurie < 500mg/Tag in Terminnähe physiologisch und nicht Ausdruck einer verschlechterten Transplantatfunktion. Allerdings sollten mindestens alle zwei Wochen die Serumkreatinin-Werte kontrolliert und die Niere sonographisch untersucht werden.

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