Multiple Sklerose

Frühe Therapie nutzt MS-Patienten auch noch nach Jahren

MANNHEIM (mar). Patienten mit Multipler Sklerose (MS) im Frühstadium profitieren auch langfristig von dem frühen Start einer Therapie mit Interferon beta-1a. Schwere Behinderungen sind dann deutlich seltener als bei einer späteren Intervention.

Veröffentlicht: 09.11.2006, 08:00 Uhr

Schäden an den Neuronen durch Entzündungen sind bereits in der Frühphase der MS nachweisbar. "Studien belegen, daß das Prinzip der frühen Therapie sinnvoll ist. Daher sollte es in die tägliche Praxis übernommen werden", empfahl Professor Bernd Kieseier von der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf bei der Neurowoche in Mannheim.

Geprüft wurde die frühe Therapie in der CHAMPS-Untersuchung. Das Akronym steht für Controlled High risk subject Avonex Multiple Sclerosis Prevention Study. Aufgenommen wurden 283 Patienten mit MS-typischen Läsionen im MRT innerhalb von vier Wochen nach dem ersten Schub.

    Die frühe Therapie zögert einen zweiten Schub hinaus.
   

Mit früh intramuskulär injiziertem Interferon beta-1a (Avonex®) war das Risiko für einen zweiten Schub im Vergleich zu Placebo signifikant niedriger, und zwar um 44 Prozent: Innerhalb von zwei Jahren kam es in der Verum-Gruppe bei 20 Prozent der Patienten zu einem zweiten Schub, in der Placebo-Gruppe dagegen bei 38 Prozent.

Besonders profitierten Patienten mit hoher MS-Aktivität, definiert als über neun T2-Läsionen im initialen MRT: Zweite Schübe kamen bei ihnen zu 66 Prozent seltener vor. Dies bedeute pro Patient einen Zeitgewinn von 752 Tagen ohne Schübe, so Kieseier bei einem Symposium von Biogen-Idec.

Der Nutzen der Frühtherapie mit Interferon beta-1a (einmal wöchentlich 30 µg i.m.) war auch nach mehreren Jahren Therapie noch deutlich. Dies habe eine zweiarmige Langzeitstudie über insgesamt acht Jahre ergeben, erläuterte Kieseier. In dieser Folgestudie wurde die Frühtherapie (ursprüngliche Verum-Gruppe in CHAMPS) mit dem Therapiestart nach zwei Jahren (ehemalige Placebo-Gruppe) verglichen.

In dieser Folgestudie wurden alle Patienten im Mittel sechs Jahre lang mit dem Interferon beta-1a behandelt, wie Kieseier berichtete. Nach insgesamt acht Jahren sei die Krankheit in der Gruppe mit frühem Therapiestart bei fast 30 Prozent weniger Patienten zu schwerer Behinderung (EDSS  6) fortgeschritten als in der Gruppe mit spätem Therapiebeginn. Mit der EDSS (Expanded Disability Status Scale) wird der Schweregrad der Behinderungen auf einer Punkteskala von eins bis zehn beurteilt.

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