Genetische Tests sollen eine Domäne von qualifizierten Ärzten werden

BERLIN (af). Frühestens Ende 2006 ist mit dem Entwurf eines Gendiagnostikgesetzes zu rechnen. Darauf hat Katharina Reiche bei der Konrad Adenauer Stiftung hingewiesen. "Gentests und die begleitende Beratung gehören in die Hände von Fachärzten", so die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion.

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Reiche forderte die Selbstverwaltung der Ärzte auf, ausreichend Fachhumangenetiker für diese Aufgaben weiterzubilden .Der in der Verfassung verankerte Anspruch auf informationelle Selbstbestimmung müsse gewahrt bleiben. Dies gelte auch gegenüber Arbeitgebern und Versicherern. Diese dürften keinen Zugang zu genetischen Daten ihrer Angestellten oder Kunden haben.

Die Ausnahme: Wenn Menschen aufgrund des Ausbruchs einer anhand der DNA diagnostizierbaren Krankheit schlagartig funktionsunfähig werden könnten, sollte auch der Arbeitgeber davon erfahren dürfen, sagte Reiche.

Humangenetiker sollten eine Lotsenfunktion übernehmen und "die Patienten durch die in Zukunft unübersichtlicher werdenden Gewässer gendiagnostischer Angebote leiten", sagte Professor Peter Popping, Direktor des Instituts für Humangenetik der Uni Bonn, bei der gleichen Veranstaltung.

Die Entschlüsselung des Genoms habe das Wissen über Krankheiten erweitert. Daß sich die Veranlagung zu Brust- und Eierstockkrebs, Bluthochdruck, Morbus Crohn, Alzheimer, Lepra und unter Umständen sogar zur Sepsis nach einer Verletzung aus den Genen heraus lesen lasse, erhöhe die Chancen von Therapien, so Popping.

Für den einzelnen Menschen könne die Sequenzierung seiner Gene wichtige Informationen enthalten und vorbeugende Therapien ermöglichen. Eheleute könnten durch eine Partner-Sequenzierung auf mögliche Gendefekte des noch zu zeugenden Nachwuchses stoßen.

Die Kehrseite der Medaille nannte Popping ebenfalls: Die Frage sei nämlich, ob der Mensch überhaupt alle Informationen, die der Facharzt aus einem Genom heraus lesen kann, zu verkraften in der Lage sei.

Die Genetik spiele eine herausragende Rolle bei der Entwicklung neuer Medikamente, strich Professor Klaus Burger von Novartis einen weiteren Aspekt heraus, der bei der bevorstehenden Debatte über ein Gesetz eine Rolle spielen wird. Gentechnik könne bei vielen Patienten Nebenwirkungen von Medikamenten mildern.

Immerhin sterben jährlich weltweit rund 140 000 Patienten an unvorhersehbaren Nebenwirkungen von Arzneien, sagte Burger. Patienten könnten mittels Gentechnik nach bestimmten Stoffwechseleigenschaften eingestuft und mit dafür maßgeschneiderten Therapien versorgt werden.

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