Jeder Dritte hat trotz Lipidtherapie zu niedrige HDL-Werte

PARIS (hbr). Patienten mit Dyslipidämie haben trotz einer Lipidtherapie oft zu niedrige HDL-Werte. Das werde aber häufig nicht beachtet. Dabei sei niedriges HDL-Cholesterin wahrscheinlich ein Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, sagt Professor Eric Bruckert aus Paris.

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Insgesamt hat jeder dritte Patient mit Dyslipidämie einen zu niedrigen HDL-Wert. Das hat eine Erhebung in elf europäischen Ländern von Schweden bis Italien ergeben. Auch Deutschland gehört dazu.

Bruckert stellte Daten dieser Studie bei einer Veranstaltung von Merck KGaA in Paris vor. Für die Analyse wurden Daten von über 8000 ambulanten Patienten mit Dyslipidämie ausgewertet. In Deutschland beteiligten sich 272 Ärzte mit 1875 Patienten daran.

Als niedrig galten HDL-Werte, wenn sie bei Frauen unter 50 mg/dl und bei Männern unter 40 mg/dl lagen. Als stark erniedrigt wurden Meßergebnisse unter 35 mg/dl eingestuft. Die Patienten waren im Mittel 62 Jahre alt und meist mit weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren belastet: Über zwei Drittel waren übergewichtig oder adipös und 72 Prozent hatten Bluthochdruck.

Jeder Zweite hatte eine koronare Herzkrankheit, ebenso viele einen Typ-2-Diabetes oder ein metabolisches Syndrom. 1485 Patienten hatten keine lipidsenkende Therapie erhalten. Von den 6756 Patienten, die seit mindestens drei Monaten wegen erhöhter Blutfette behandelt wurden, änderten 85 Prozent ihren Lebensstil. 93 Prozent erhielten lipidmodifizierende Medikamente, in der Regel ein Statin (85 Prozent).

Trotz der Behandlung wurden bei 40 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer in der Therapiegruppe zu niedrige HDL-Werte gefunden. Der Unterschied zu den Patienten ohne Therapie war nur gering. Auffällig war, daß unter den Diabetikern jeder zweite betroffen war. Stark erniedrigt war das HDL bei 14 Prozent der Teilnehmer.

Insgesamt hatte die Behandlung offenbar wenig Einfluß auf den Anteil an Patienten mit niedrigem HDL-Spiegel. Auch der mittlere HDL-Wert war mit 50 und 51 mg/dl praktisch gleich. Nur LDL- und Gesamtcholesterin fielen in der Gruppe der Patienten mit Lipidtherapie deutlich niedriger aus.

Die einzelnen Länder unterscheiden sich beim mittleren HDL-Wert von 50 mg/dl kaum. Deutschland liegt exakt in der Mitte. Auch der Anteil der Patienten mit niedrigem HDL bewegt sich mit 37 Prozent nahe am europäischen Mittelwert von 35 Prozent. "Wegen niedriger HDL-Werte sind die Patienten eindeutig unterbehandelt", folgert Bruckert.

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