Dermatologie

Mit Botulinumtoxin gegen Narben

Botulinumtoxin A wird als Option gegen hypertrophe Narben noch unterschätzt, hieß es beim Europäischen Dermatologen-Kongress in Madrid.

Von Marie Fahrenhold Veröffentlicht:
Pathologische Narbenbildung, also hypertrophe Narben und Keloide, ist für Dermatologen immer noch eine therapeutische Herausforderung.

Pathologische Narbenbildung, also hypertrophe Narben und Keloide, ist für Dermatologen immer noch eine therapeutische Herausforderung.

© Mirror-images / stock.adobe.com

Madrid. Die konventionelle Narbentherapie lässt oft noch Wünsche offen. „Die meisten Patienten erfahren bei einer konventionellen Narbenbehandlung nicht das gewünschte Ergebnis“, berichtete Dr. Louai Salah, Dschidda, Saudi-Arabien, beim Europäischen Dermatologen-Kongress in Madrid.

Pathologische Narbenbildung, also hypertrophe Narben und Keloide, würde noch immer zu häufig auftreten, so der Dermatologe. Auch die Nebenwirkungen etablierter Verfahren zur Narbenbehandlung sowie Narbenrezidive stellen Ärzte immer wieder vor Herausforderungen.

„Ich denke, es ist an der Zeit, über den Tellerrand zu blicken und über neue Therapieoptionen nachzudenken“, erklärte Salah — Therapieoptionen, die optimale Ergebnisse bei einem akzeptablen Sicherheitsprofil zeigen, bestenfalls noch günstig seien und — allem voran — den Patienten zufrieden machen.

Eine zwar seit Längerem bekannte, aber nach Angaben von Salah bisher unterschätzte Lösung sei es, die Narben zu unterspritzen — zum Beispiel mit Botulinumtoxin A.

Theorie der „Chemoimmobilisation“

Die Hyperaktivität der die Wunde umgebenden Muskulatur kann zu Mikrotraumen und damit einhergehend zu einer verstärkten und verlängerten Entzündungsphase führen wobei vermehrt Zytokine und Wachstumsfaktoren wie TGF („transforming growth factor“)-β ausgeschüttet werden. Das wiederum führt zu einer gesteigerten Proliferation dermaler Fibroblasten. Diese produzieren vermehrt extrazelluläre Matrixproteine wie Kollagen, Fibronectin und Laminin — es entstehen überschüssige Narben.

Die Injektion von Botulinumtoxin A in die wundumgebende Muskulatur stützt sich auf die Theorie der „Chemoimmobilisation“ (Plastic and Reconstructive Surgery. 2003; 112(5): 1464-1466): Das Neurotoxin paralysiert dosisabhängig den Muskel, indem es den Bindegewebswachstumsfaktor CTGF („connective tissue growth factor“) und TGF-β-1 inhibiert. Dadurch wird das Wachstum der Fibroblasten und damit einhergehend die Narbenbildung unterbunden (Aesthetic Plastic Surgery. 2011; 35 (5): 802–807).

Signifikanter Nutzen von Botulinumtoxin A

In einem systematischen Review, in das neun kleinere randomisierte kontrollierte Studien einbezogen wurden, konnte ein signifikanter klinischer Nutzen von Botulinumtoxin A gegenüber Placebo sowohl auf die Narbenbildung als auch auf die Reduktion hypertropher Narben beobachtet werden (Toxicon. 2019; 166: 24-33), das Ganze bei einem guten Sicherheitsprofil mit wenigen Nebenwirkungen.

Größter Nachteil von Botulinumtoxin A seien lediglich die hohen Kosten, erklärte Salah. Zudem gäbe es bisher kaum Evidenz, ob Botulinumtoxin A auch bei Keloiden wirksam sei. Als weitere, teils vielversprechende Injektionsmittel zur Prävention von Narben und/oder der Behandlung hypertropher Narben oder Keloide stellte Salah Interferon, Verapamil und 5-Fluorouracil vor.

Große randomisierte kontrollierte Studien zum Sicherheitsprofil sowie den optimalen Dosen fehlten hier bisher allerdings, erklärte Salah. Zudem sollten in zukünftigen Studien die verschiedenen Effekte prä- und postoperativer Injektionen eruiert werden.

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