Schmerzreduktion bei Mäusen

Opioide sind auch über Immunzellen wirksam

Forscher haben einen neuen Signalweg für Opioide nachgewiesen: Eine Aktivierung von Opioidrezeptoren in Immunzellen führte bei Mäusen zur Schmerzreduktion.

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BERLIN. Opioide gelten als die wirksamsten Substanzen unter den Schmerzhemmern. Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten nun nachweisen, dass sie ihre schmerzreduzierende Wirkung nicht nur über Opioidrezeptoren von Neuronen im Gehirn entfalten, sondern dass sie auch an den Rezeptoren von Immunzellen aktiv werden, teilt die Charité mit. Eine Aktivierung von Opioidrezeptoren in Immunzellen führte zu einer Schmerzreduktion bei Mäusen (Brain Behav Immun. 2016; 57(0): 227-242) .

Bislang ging man davon aus, dass Opioide Schmerzen reduzieren, indem sie die Aktivität der dafür verantwortlichen Neuronen im Gehirn hemmen. Häufig ist die Ursache für Schmerz mit einer Entzündung verbunden, in deren Folge dringen Immunzellen in das betroffene Gewebe ein. "Wir haben uns daher die Frage gestellt, ob Opioide Schmerz auch ausschalten können, indem sie an Immunzellen andocken und auf diesem Weg aktiv werden", wird Professor Halina Machelska von der Klinik für Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin in der Mitteilung zitiert. "Unsere Vermutung war, dass Opioide an Immunzellen durch die Ausschüttung von Opioidpeptiden wie Endorphin, Enkephalin und Dynorphin, also körpereigenen Schmerzhemmern, wirken. Diese wiederum aktivieren Opioidrezeptoren an Neuronen und reduzieren den Schmerz."

Anhand eines Tiermodels und mit jeweils drei unterschiedlichen Opioiden, Opioidrezeptoragonisten, konnten die Forscher um Machelska im Fall von neuropathischem Schmerz eine Linderung feststellen. Bei Tieren mit verringerten Immunzellzahlen dagegen fiel die Schmerzreduktion deutlich schwächer aus. Diese ist wiederhergestellt, sobald die Anzahl der Immunzellen erhöht wird. Dieser Effekt tritt ausschließlich bei Immunzellen ein, die über Opioidrezeptoren verfügen. "Wir konnten nachweisen, dass Opioidagonisten Opioidrezeptoren an Immunzellen aktivieren, die daraufhin körpereigene Stoffe ausschütten, die zur Verringerung von neuropathischem Schmerz bei Mäusen führen", so Machelska. "Daraus schließen wir, dass Opioide noch stärker wirken können, wenn sie direkt in einem schmerzenden Gewebe in Aktion treten, insofern dieses entzündet ist und Immunzellen enthält".

Von Bedeutung ist diese Erkenntnis für die unterschiedlichsten Ursachen von Schmerz, die mit einer Immunreaktion in Verbindung stehen, darunter Arthritis, Schmerzen nach Operationen, Nervenverletzungen oder auch bei Krebs, heißt es in der Mitteilung. Unerwünschte Nebenwirkungen von Opioiden, wie Übelkeit, Atemstörungen oder Abhängigkeit, könnten ebenfalls vermieden werden, wenn die Schmerzhemmer vor Ort wirksam werden und nicht über den Umweg der Neurone des Gehirns. Auf dieser Grundlage können neue Stoffe entwickelt werden, die ihre schmerzlindernde Wirkung ausschließlich im peripheren, verletzten Gewebe, das Opioidrezeptor-exprimierende Immunzellen enthält, entfalten. (eb)

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