Paradigmenwechsel bei Herzinsuffizienz

ELTVILLE (hbr). "Wenn es einen Grund gibt, einem Herzinsuffizienz- Patienten einen Betablocker zu geben, etwa nach Herzinfarkt oder bei Rhythmusstörungen, dann sollten wir den Betablocker zuerst einsetzen und erst dann den ACE-Hemmer dazugeben", sagt Professor Erland Erdmann.

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Das steht im Gegensatz zu alten Therapieempfehlungen bei Herzinsuffizienz, die der Kardiologe von der Universität Köln selbst miterarbeitet hat. Denn früher bekamen die Patienten erst den ACE-Hemmer und dann zusätzlich den Betablocker.

Aber Studien haben schon öfter alte Vorgaben widerlegt. In diesem Fall heißt die Studie CIBIS III (Cardiac Insufficiency Bisoprolol Study III). Eine neue Analyse fand Vorteile für die Initialtherapie mit dem Betablocker Bisoprolol (Concor® Cor) anstelle des ACE-Hemmers Enalapril: Der plötzliche Herztod war seltener.

In CIBIS III wurden bei 1010 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien II und III und einer linksventrikulären Auswurffraktion von höchstens 35 Prozent zwei Therapien verglichen. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt in den ersten sechs Monaten den ACE-Hemmer Enalapril und danach zusätzlich den Betablocker Bisoprolol. Bei den Patienten der zweiten Gruppe wurde umgekehrt vorgegangen. Die Erhaltungsdosis betrug einmal täglich 10 mg für den Betablocker und für den ACE-Hemmer zweimal täglich 10 mg.

Schon im ersten halben Jahr wurden Vorteile für den Start mit Bisoprolol deutlich, berichtete Erdmann bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merck Pharma in Eltville: In dieser Zeit starben mit dem Betablocker nur acht Patienten am plötzlichen Herztod, aber 16 von denen, die Enalapril erhalten hatten.

Nach einem Jahr waren von den Patienten, die initial Bisoprolol erhalten hatten, 16 am plötzlichen Herztod gestorben, in der ACE-Hemmer-Startgruppe dagegen 29. Der Vorteil für Bisoprolol ist signifikant. Danach werden die Unterschiede wieder kleiner.

Der Nutzen des Starts mit Bisoprolol ist also gerade im ersten Jahr ausgeprägt, wenn die Patienten besonders vom akuten Herztod bedroht sind. Eine Subgruppen-Analyse weist zudem darauf hin, daß Patienten mit der niedrigsten linksventrikulären Auswurffraktion - unter 28 Prozent - besonders davon profitieren, betonte Erdmann.



STICHWORT

CIBIS III-Studie

Teilnehmer: 1010 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien II und III und einer linksventrikulären Auswurffraktion von höchstens 35 Prozent.

Zwei Therapien wurden verglichen: Ein halbes Jahr Enalapril und danach zusätzlich Bisoprolol, oder ein halbes Jahr Bisoprolol, dann zusätzlich Enalapril. (eb)

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