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Pruritus ist bei Schwangeren das dermatologische Hauptsymptom

HEIDELBERG (bib). Juckreiz bei Schwangeren kann viele Ursachen haben: vorbestehende oder neu erworbene Hauterkrankungen, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten, systemische Erkrankungen oder auch spezifische Schwangerschaftsdermatosen. "Pruritus wird als das dermatologische Hauptsymptom in der Schwangerschaft beschrieben und bei etwa 18 Prozent aller Schwangerschaften beobachtet", so Dr. Elke Weisshaar aus Heidelberg.

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Eine bereits zuvor bestehende Psoriasis vulgaris oder atopische Dermatitis (AD) kann sich in der Schwangerschaft mitunter verschlechtern, Handekzeme flammen oft bei der Säuglingspflege auf.

    Pruritus kommt bei 18 Prozent aller Schwangerschaften vor.
   

Spezifische Schwangerschaftsdermatosen erfordern besondere Aufmerksamkeit: "Pemphigoid (Herpes) gestationis und Pruritus gravidarum mit intrahepatischer Cholestase können mit einem erhöhten fetalen Risiko in Form von Frühgeburt, Reifeverzögerung und intrauterinem Fruchttod einhergehen", so Weisshaar. Bei entsprechendem Verdacht sei mitunter eine Hautbiopsie indiziert. Die Lokalanästhesie sollte dann aber keinen Adrenalin-Zusatz enthalten (Hautarzt 1, 2005, 48).

Gegen den Juckreiz helfen zunächst rückfettende Externa und symptomatisch Menthol, Kampfer, Gerbstoffe oder Polidocanol. Bei Pemphigoid (Herpes) sind lokal austrocknende Therapien im Bereich der Blasen notwendig (hydrophile Creme, Schüttelmixtur, Lotio, Lösung), die gegebenenfalls im Inititalstadium auch Glukokortikoid-haltig sein sollten.

Bei Superinfektionen sind manchmal lokale Antibiotika notwendig. "Nach unseren Erfahrungen ist Fusidinsäure in der Schwangerschaft gut verwendbar", so Weisshaar. Unter den Antimykotika gelten Nystatin und Clotrimazol als erste Wahl. Breitspektrum-Antimykotika wie Miconazol und Ciclopirox gelten auch als sicher, sollten aber intravaginal im ersten Trimenon nicht unkritisch appliziert werden.

Werden bei stärkeren Ekzemen topische Glukokortikoide nötig, sollte auf stark wirksame Präparate wie Dexamethason verzichtet werden. Kontraindiziert sind außerdem teerhaltige Externa, Capsaicin, Metronidazol im ersten und Salizylsäure im letzten Trimenon, Isotretinoin, Tazarotene, Lindan, topische Immunmodulatoren wie Tacrolimus oder Chemotherapeutika wie Podophyllin.

Wird bei generalisiertem Pruritus eine systemische Behandlung nötig, sind Immunsuppressiva, Thalidomid, Fumarate, Psoralene und Vitamin-A-Säure-Derivate kontraindiziert. Für stark wirksame Kortikoide besteht eine relative Kontraindikation. Weisshaar: "Generell sollte während der Schwangerschaft auf nicht-methylierte Glukokortikosteroide zurückgegriffen werden."

Also: Prednisolon, anfangs üblicherweise 20 bis 40 Milligramm täglich. "Bei schweren Formen von Pemphigoid (Herpes) gestationis können Dosen bis 180 mg täglich initial erforderlich sein." Bei längerer hochdosierter Applikation ist jedoch das Wachstum von Feten sonografisch zu kontrollieren.

Werden Antihistaminika verordnet - bei atopischer Dermatitis sind sie wirkungslos -, sind zumindest im 1. Trimenon ältere Wirkstoffe wie Clemastin und Dimetinden vorzuziehen. Fexofenadin, Terfenadin, Astemizol und Hydroxycin sind bei Schwangeren ungeeignet.

Systemische Antibiotika der ersten Wahl, sind, falls erforderlich, Penicillin, Cephalosporine und Erythromycin. Als Antimykotikum darf Nystatin ohne Einschränkung verabreicht werden. Schwere Herpes- und Varizelleninfektionen können manchmal Aciclovir erforderlich machen, wobei die Indikation streng zu stellen ist.

Die äußere Anwendung sei unproblematisch, so Weisshaar. Genau überlegt werden muß - wegen der immunsuppressiven Wirkung - auch eine UV-Therapie, die sonst bei juckenden Dermatosen, zum Beispiel bei atopischer Dermatitis und diversen Ekzemen, einen hohen Stellenwert hat.

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