Ophthalmologie

Systemische Medikation ändert den Augendruck nur wenig

Den Einfluss von 22 verschiedenen Arzneimittelklassen auf den Augeninnendruck haben Forscher in Singapur untersucht. Auffällig waren vor allem die Befunde für Antihypertensiva und Antidiabetika.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

SINGAPUR. Um einem allfälligen Zusammenhang zwischen systemisch wirkenden Medikamenten und Veränderungen des Augeninnendrucks auf die Spur zu kommen, haben Forscher um Henrietta Ho vom Nationalen Augenzentrum Singapur die Daten der "Singapur Epidemiology of Eye Disease"(SEED)-Studie einer Post-hoc-Analyse unterzogen (JAMA Ophthalmol 2017, online 12. Januar). Daten von mehr als 8000 Patienten flossen in die Berechnungen ein.

Nach Abgleich von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, ethnischer Zugehörigkeit und spezifischen Krankheiten (derentwegen die Mittel eingenommen wurden) ergaben sich für bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck und Diabetes signifikante Veränderungen des Augeninnendrucks im Vergleich von Personen, welche die Mittel einnahmen, mit solchen, die sie nicht schluckten. Im Mittel lag der Augendruck bei Patienten unter ACE-Hemmern um 0,54 mmHg höher. Für Angiotensin-Rezeptor-Blocker lag die Zunahme bei 0,47 mmHg. Betablocker reduzierten den Druck durchschnittlich um 0,30 mmHg. Eine Erhöhung um 0,32 mmHg war für Statine festzustellen.

Biguanide und Sulfonylharnstoffe waren die einzigen Substanzklassen, die im direkten Vergleich zu einer Drucksteigerung von mehr als 1 mmHg führten. Dies ist gleichbedeutend mit einem um 14 Prozent erhöhten Risiko, innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom zu entwickeln.

Ho und Kollegen halten ihre Ergebnisse vor allem mit Blick auf die Versorgung von Patienten mit bestehendem Glaukom für wichtig. "Solche Patienten tragen je nachdem, welche Medizin sie einnehmen, ein Risiko für höhere oder niedrigere Augeninnendrücke", schreiben sie zusammenfassend. Dies könne das Management der Augendruckkontrolle beeinflussen.

Zwei Augenspezialisten des University College London, Paul Foster und Anthony Khawaja, wollen sich mit den Ergebnissen der SEED-Studie allerdings nicht so recht anfreunden. Das hat zum einen statistische Gründe. Wo 22 Hypothesen an einem Datensatz getestet werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Ergebnis zufällig signifikant, das heißt falsch positiv ausfällt. Berücksichtigte man dies etwa im Zuge einer Bonferroni-Korrektur, würde das zu erreichende Signifikanzniveau entsprechend sinken. In diesem Fall wäre nicht mehr auszuschließen, dass die SEED-Resultate vollständig auf Zufall beruhten, so Foster und Khawaja.

Ein anderer Punkt betrifft die Rolle des Augeninnendrucks für die Glaukomentstehung. Die Londoner Ophthalmologen weisen darauf hin, dass der Zusammenhang von Diabetes und erhöhtem Augeninnendruck auf einem systematischen Messfehler beruhen könnte. Das Kollagen im Gewebe der Augen von Diabetikern weise mehr Querverbindungen auf, die Hornhäute seien mechanisch entsprechend steifer. So sei auch die in der SEED-Studie gefundene Verbindung von Antidiabetika zu erhöhtem Augeninnendruck vermutlich vor allem als Marker für den Diabetesstatus zu sehen.

"Der Augeninnendruck allein ist ein schwaches Werkzeug, um ein Glaukom zu erkennen", betonen Foster und Khawaja. Um diese wichtige Ursache vermeidbarer Erblindung zu diagnostizieren, müsse man sämtliche Risikofaktoren sorgfältig gewichten und die Optikuspapille sowie das Gesichtsfeld untersuchen.

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