Typ-2-Diabetikern hilft ein neuer Enzymhemmer

ATHEN (sko). Mit Sitagliptin eröffnet sich eine vielversprechende Möglichkeit für die orale antidiabetische Therapie. Der bereits in Phase-II-Studien erfolgreich geprüfte Wirkstoff senkt über eine Erhöhung der Inkretine den Blutzucker effektiv und lang anhaltend, ohne dabei unerwünschte Effekte wie Hypoglykämien oder eine Gewichtszunahme zu verursachen.

Veröffentlicht:

Inkretine sind Hormone, die im Darm gebildet werden und den Blutzucker unter anderem durch die Stimulierung der Insulin-Ausschüttung im Pankreas regulieren. Wichtige Vertreter sind das Glucagon-like-Peptid 1 (GLP1) und das Glucose-dependent insulinotropic peptide (GIP).

Die Synthese der Darmhormone ist abhängig von der oral aufgenommenen Menge an Kohlenhydraten. So steigt der Spiegel an GLP1 und GIP nach oraler Glukose-Aufnahme wesentlich stärker als nach einer i.v.-Injektion von Glukose. Dies wird als Inkretin-Effekt bezeichnet.

"Bei Typ-2-Diabetikern ist dieser Inkretin-Effekt vermindert, es werden also nicht so viele Inkretine wie bei Gesunden produziert", erklärte Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum Bad Lauterburg beim Europäischen Diabetes-Kongreß in Athen.

Daraus ergibt sich eine neue Therapie-Option: Die medikamentöse Erhöhung der Inkretin-Spiegel. Doch es gibt dabei ein Problem: GLP1 und GIP werden innerhalb von Minuten durch das Enzym Dipeptidylpeptidase IV (DPP-IV) inaktiviert.

Sitagliptin hemmt nach oraler Aufnahme DPP-IV und erhöht dadurch den Spiegel von aktivem GLP1 und GPI - aber eben nur dann, wenn die Hormone nach einer Kohlenhydrataufnahme auch ausgeschüttet werden. Dr. Peter Stein von MSD Sharp & Dohme stellte bei einem Satellitensymposium des Unternehmens jetzt Phase-II-Studien vor, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sitagliptin belegen.

So erhielten in einer Studie 552 Patienten mit Typ-2-Diabetes mit einem mittleren HbA1c von 7,7 Prozent, bei denen Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend gesenkt hatten, Placebo oder Sitagliptin in den Dosierungen 25, 50 oder 100 mg täglich.

Im Vergleich zu Placebo reduzierte sich mit 100 mg Sitagliptin der HbA1c-Wert um 0,56 Prozentpunkte. Den größten Unterschied beobachtete Stein bei den Patienten mit dem höchsten Ausgangswert: "Bei HbA1c größer als 8,5 Prozent betrug die Reduktion 1,13 Prozentpunkte", sagte er. Die Substanz wurde gut vertragen, Hypoglykämie-Rate und Gewicht erhöhten sich nicht.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Hohes Residualvolumen

Agonisten von GLP-1 und GIP können Gastroskopie verhindern

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Design der CASPAR-Studie

© Springer Medizin Verlag GmbH, modi?ziert nach [2]

Diabetische Polyneuropathie

Capsaicin-Pflaster: Wirkung kann bei Mehrfachanwendung zunehmen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Studie PACIFIC: OS von Patientinnen und Patienten mit inoperablem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom im Stadium III und PD-L1 (programmed cell death ligand 1)-Expression 1%

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom im Stadium III

Chance auf Kuration mit dem PACIFIC-Regime

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Mit jeder schweren COPD-Exazerbation steigt das Risiko für eine weitere schwere Exazerbation, die eine erneute Hospitalisierung erforderlich macht

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [8]

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Dupilumab als erstes Biologikum zur COPD-Therapie zugelassen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Lesetipps
Bei der Übung „Drei Minuten Atemraum“ geht es etwa darum, die aktuelle Tätigkeit für drei Minuten zu unterbrechen und bewusst in sich hineinzuhören. (Symbolbild)

© wang / stock.adobe.com / Generated with AI

Mehr Wohlbefinden im Praxisalltag

Praxisstress? Diese Achtsamkeitsübungen verschaffen Ihnen schnell wieder Luft

Eine Reihe von Sportutensilien (Fußball, Tennisschläger, Springsseil, etc.) in einer Sporttasche, die auf dem Boden steht.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt