Krebspatienten

Web-basierte Betreuung verbessert Überleben

Ein Web-basiertes Stressmanagement und die Früherkennung von Symptomen verbessern offenbar nicht nur die Lebensqualität, sondern auch das Gesamtüberleben von Krebspatienten.

Von Nicola Siegmund-Schultze Veröffentlicht:

CHICAGO. Es war eine kleine prospektive Studie in den Achtzigerjahren, aber sie war doch wegweisend für die wissenschaftliche Entwicklung eines heute wichtigen Forschungsgebiets in der Onkologie: die Qualität der Patientenbetreuung: Der Psychiater und Verhaltenspsychologe David Spiegel von der der Stanford University School of Medicine in Stanford hatte damals in einer randomisierten Untersuchung mit 86 Patientinnen, die an metastasiertem Mammakarzinom litten, herausgefunden, dass eine regelmäßige psychologische Betreuung das Überleben der Frauen wesentlich verlängerte im Vergleich zur Standardbetreuung (Lancet 1989; 334: 888-891). Beim Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago wurden die Daten mehrerer prospektiv randomisierter Studien präsentiert, die nicht nur frühere kleinere Studien bestätigen, sondern auch aufzeigen, dass sich mit vergleichsweise geringem Aufwand, nämlich web-basiert, Stressmanagement und Monitoring verbessern lassen und lebensverlängernd wirken können.

"Die Qualität der Patientenbetreuung ist ein wesentlicher Schwerpunkt dieses Kongresses gewesen zusammen mit der Immuntherapie, der Präzisionsmedizin und der translationalen Forschung", sagte Kongresspräsident Daniel F. Hayes vom University of Michigan Comprehensive Cancer Center Ann Arbor vor Medienvertretern beim ASCO.

In einer Studie zum Monitoring wurden 766 Patienten mit metastasierten Karzinomen verschiedener Organe (Lunge, Brust, Magen-Darm-Trakt) 2 : 1 randomisiert in eine Gruppe, die auf einer web-basierten Plattform ein Mal pro Woche über Auftreten und Intensität von 12 Symptomen berichten sollten. Sie erhielten dazu wöchentlich eine Erinnerungs-E-Mail (JAMA 2017; online 4. Juni).

Verschlechterten sich Symptome, wurde die Information über das zuständige Pflegepersonal an die behandelnden Ärzte weitergeleitet. In der Kontrollgruppe gab es dieses engmaschige, web-basierte Monitoring nicht.

Bei einem Drittel der Patienten in der Interventionsgruppe erhöhte sich die Lebensqualität, nicht aber in der Kontrollgruppe. "Die Chemotherapie konnte durchschnittlich zwei Monate länger erfolgen in der Gruppe mit web-basiertem Monitoring als im Kontrollarm", sagte Erstautor Professor Ethan Basch vom Comprehensive Cancer Center der University of North Carolina in Chapel Hill. Nach fünf Jahren waren 33 Prozent der Patienten mit Standardbetreuung am Leben, aber 41 Prozent in der Interventionsgruppe, das mediane Überleben war um mehr als fünf Monate länger bei web-basiertem Monitoring als bei Standardbetreuung.

Die Erklärung von Basch: In der Interventionsgruppe konnten Ärzte schneller reagieren und damit Folgekomplikationen und unerwünschte Effekte der Medikamente verhindern oder mildern. "Das sind wichtige Ergebnisse, die möglichst schnell in die klinische Routine Eingang finden sollten", so Professor Harold Burstein vom Dana Faber Cancer Institute in Boston.

In einer ebenfalls randomisierten Studie an der Universitätsklinik Basel unter Federführung von Dr. Viviane Hess wurde ein Web-basiertes Stressmanagementprogramm für Krebspatienten (STREAM) untersucht, auch an deutschen Zentren. 129 Patienten mit hohen Stressleveln wurden entweder direkt in die Interventionsgruppe oder auf die Warteliste randomisiert. In der Interventionsgruppe erhielten sie unter anderem eine Schulung in Entspannungstechniken und im Umgang mit Nebenwirkungen und der Compliance. Schon nach zwei Monaten hatte sich in der Interventionsgruppe die Lebensqualität signifikant erhöht im Vergleich zu den Patienten auf der Warteliste.

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