Kommentar zum Point-of-Care-Lungenultraschall

COVID-19-Werkzeuge für den ambulanten Arzt

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 07.04.2020, 15:44 Uhr

Berlin. Je mehr Zahlen zu COVID-19 zusammengetragen werden, umso klarer wird, mit wem wir es bei SARS-CoV-2 zu haben. Es ist ein neues Virus, das sich zügig verbreitet und das – weil (noch) sehr viele Menschen dafür empfänglich sind und weil die intensivmedizinische Behandlung ungewöhnlich langwierig ist – rasch zu regionalen Versorgungskatastrophen führen kann. Ein „Killervirus“ ist es aber nicht. Viele Patienten sind symptomarm, und die große Mehrheit der symptomatischen Patienten kann ambulant behandelt werden.

Weil das so ist, sind niedergelassene Ärzte für die anstehenden Pandemiejahre eine zentrale Schnittstelle. Sie tragen, indem sie infizierte Patienten nicht unnötig einweisen, dazu bei, dass die Krankenhäuser – sofern die ihre internen Infektionsketten in den Griff bekommen – eine halbwegs normale Nicht-COVID-19-Versorgung aufrechterhalten können. Damit die niedergelassenen Ärzte diese Gatekeeper-Funktion erfüllen können, brauchen sie die nötigen Werkzeuge. Schutzausrüstung steht da an erster Stelle. Sensitive COVID-19-Schnelltests wären extrem hilfreich. Ebenfalls nützlich sind Methoden, die individuelle Gefährdung abzuschätzen.

Bei Letzterem kommt der Ultraschall ins Spiel. Bisher ist die CT der Standard, um zu sehen, ob die Lunge schon leidet. Die CT ist aber logistisch aufwändig, strahlungsintensiv und infektiologisch heikel. Sollte sich in der jetzt von der DEGUM und ihren Schwestergesellschaften initiierten Studie zum Point-of-Care-Lungenultraschall zeigen, dass die nur wenige Minuten erfordernde Methode zuverlässig ist – und die italienischen und chinesischen Erfahrungen sprechen sehr dafür – dann könnte sich der Ultraschall für die hausärztliche Triage von COVID-19-Patienten als wertvoll erweisen.

Hausärzte in Deutschland sollten ohnehin mehr schallen. Die modernen, ultramobilen Tablet-Systeme, die teilweise nicht einmal mehr ein Kabel benötigen, sind problemlos desinfizierbar und vergleichsweise kostengünstig. Und dank hinterlegter Algorithmen sind sie auch immer einfacher zu bedienen. Das hilft bei COVID-19, aber auch weit darüber hinaus.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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Kommentare
Anne C. Leber

Leserzuschrift von Dr. Stefan Mielck

Danke für Ihren heutigen Kommentar in der Ärzte Zeitung. Der Lungenultraschall ist tatsächlich ein sehr gutes Werkzeug bei verschiedensten Fragestellungen auch im ambulanten Bereich. Es gibt einen großen Haken, der zu keiner weiten Verbreitung dieses wichtigen Tools führen wird. Es ist - wie so häufig - die unzureichende Vergütung. Die Thoraxsonographie wird nach der GOP 33040 mit 12,09 Euro vergütet.

https://www.kbv.de/html/13259.php?srt=relevance&stp=fulltext&q=33040&s=Suchen

Damit kann man wirtschaftlich in einer Facharztpraxis nicht arbeiten. Ggf. ist Ihnen diese Thema auch einen Artikel oder einen Kommentar wert.

Ergänzend hier noch ein interessanter Einblick in den Lungenultraschall bei Covid-19- Patienten:

https://litfl.com/lung-ultrasound-in-covid-19/

Dr. med. Stefan Mielck
Facharztpraxis für Innere Medizin
Akademische Lehrpraxis des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Plön

Dr. Frank Schlüter

Welche EBM-Ziffer können denn Hausärzte für den Lungenultraschall ansetzen?
Ist hierfür eine Genehmigung erforderlich?
Kann von der Vergütung ein "modernes, ultramobiles Tablet-System, die teilweise nicht einmal mehr ein Kabel benötiget"
finanziert werden?


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