25 Stunden Training für den Weg zum Arbeitsplatz

MÜNSTER/SELM (dpa). Den Weg zu den Dienstgebäuden auf dem 50 Hektar großen Polizeigelände in Selm in Nordrhein-Westfalen findet Klaus Hahn mit einem weißen Langstock alleine. "Dafür musste ich 25 Stunden konzentriert trainieren", berichtet der Jurist, der nur hell und dunkel unterscheiden kann.

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Wie alle Menschen ohne oder mit nur geringer Sehkraft, die ohne persönliche Hilfe geübte Wege gehen möchten, musste sich Hahn beim sogenannten Mobilitätstraining diverse Punkte zum Orientieren einprägen. Die Spitze des bis zur Brust reichenden dünnen Stockes, die schräg zum auftretenden Fuß den Boden berührt, ist dabei eine wichtige Hilfe. Nach dem Hilfsmittel ist auch der an die Probleme von Blinden und Sehbehinderten erinnernde "Tag des weißen Stocks" benannt, der jedes Jahr am 15. Oktober begangen wird.

Klaus Hahn hat es geschafft: Als Leitender Regierungsdirektor ist er Dezernent für die Dienstaufsicht der Polizei Nordrhein-Westfalen. "Das Dezernat zählt 55 Beschäftigte, für deren Wohl und Wehe ich die Verantwortung trage", sagt er. Angefangen hat Hahn nach dem Jurastudium in Marburg und der Referendarzeit im September 1978 bei der Bezirksregierung in Münster. Im Jahr 2000 avancierte er dort zum Personaldezernenten für die Polizei.

Seit Beginn seiner Berufstätigkeit steht ihm eine Assistentin zur Seite. Sie liest ihm Briefe, Inhalte von Akten und Gesetzen vor. Da er mit Personal-Angelegenheiten befasst ist, hat die Mitarbeiterin zwei Schreibtische: "Wenn ich vertrauliche Gespräche führe, arbeitet sie im Zimmer gegenüber, überträgt was ich ihr diktiert habe, oder scannt Schriftstücke für mich ein", sagt Hahn. Ansonsten sitzt sie ihm gegenüber am Schreibtisch.

Der 1951 im bayerischen Nördlingen geborene Klaus Hahn litt schon als Junge mit sieben Jahren an einer zunehmenden Sehbehinderung. Eine tückische, bis heute nicht heilbare Netzhauterkrankung nahm ihm schleichend das Augenlicht. Trotzdem schaffte er das Abitur an einem allgemeinen Gymnasium.

Nach der Auflösung der Regierungsbezirke wurde Hahn 2007 zum Landesamt für Personalangelegenheiten der Polizei ins 40 Kilometer entfernte Selm versetzt. In Münster schaffte er den Weg zum Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln alleine. "In Selm geht das nicht", sagt er. Nach harten Verhandlungen erreichte er, dass er im Dienstwagen hin- und zurückgefahren wird.

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