Gesellschaft

Außenseiter machen Kunst in einem ungewöhnlichen Atelier

MAGDEBURG (ddp). "Kunst und geistige Behinderung schließen sich nicht aus." Dieses Resümee zieht der Vorsitzende des Kunstvereins "Zinnober", Wolfram Stäps, zum zehnjährigen Bestehen eines ungewöhnlichen Ateliers. Es bietet behinderten Menschen eine künstlerische Heimat.

Veröffentlicht: 21.05.2007, 08:00 Uhr

"Outsiderkunst" steht in großen Lettern am Schaufenster eines Ateliers in Magdeburg. Von der belebten Hauptstraße aus blicken Passanten oft auf die Bilder an den Wänden im Inneren. Interesse und Neugier spiegeln sich in den Gesichtern. Die "Außenseiter" sind geistig behinderte Menschen, denen der Verein "Zinnober" seit zehn Jahren eine künstlerische Heimat bietet. Der Vorsitzende des Kunstvereins, Wolfram Stäps, schmunzelt bei der Frage nach dem Grund für die Kunstbezeichnung. Eigentlich folge man mit dieser Beschreibung eher einem Trend, sagt Stäps. Kunst werde eben stets in Kategorien gesteckt, was hier nicht anders sei. Geistig behinderte Menschen müssten auch in diesem Fall um Anerkennung ringen. Elf dieser Außenseiter werden von "Zinnober" unterstützt.

Die Magdeburger verfolgen keine therapeutischen Ziele, das gibt es in vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe. Hauptanliegen von "Zinnober" sei es, den behinderten Menschen ein freies künstlerisches Arbeiten in ihrer Freizeit zu ermöglichen, sagt Stäps. Das funktioniert offenbar außerordentlich gut. So hängen echte Kunstwerke im 100 Quadratmeter großen eigenen Atelier. Sponsoren machen es möglich, dass es die Künstler ständig nutzen können. Die 18- bis 46-Jährigen beschäftigen sich mit Malerei ebenso wie mit Grafik und anderen Techniken. Mit den Ergebnissen ihrer Arbeit können sie sich sehen lassen. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Ausstellungen in renommierten Galerien der Landeshauptstadt. Auch das Kunstmuseum stellte Räume zur Verfügung.

Eine Kundin kommt in das Atelier, um zwei Gemälde abzuholen. Zwei großformatige Bilder von Susanne Peters haben es ihr angetan, die nun für sie eingepackt werden. "Das ist für unsere Mitglieder immer ein besonderes Erfolgserlebnis, wenn sie spüren, anderen gefallen ihre Arbeiten und werden deshalb gekauft", berichtet Stäps. Und wie zum Beweis strahlt die 28 Jahre alte Künstlerin über das ganze Gesicht. Mit einer Farbwalze versieht sie gerade eine Leinwand mit gelber Farbe. Es ist der Untergrund für ihr nächstes Bild. Was sie malen wird? Das entscheide sie erst später, denn die Fläche müsse trocknen. Sicher sei so viel: Menschen werden auf dem Bild zu sehen sein. Locker gemalt, mit knappen Umrissen und intensiver Farbigkeit.

Im Grunde hätten die Künstler bei "Zinnober" kaum Anleitung nötig, räumt Stäps ein. Beratung bei den unterschiedlichen Techniken müsse sein, ansonsten gestalte jeder seine Bilder eigenständig. "Eigentlich schließe ich nur die Türen auf und wir lassen dann allen freie Hand."

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