Bestattungen

Corona macht den Tod noch schwieriger

Auch von den Toten Abschied zu nehmen, geht in Pandemie-Zeiten nur mit Einschränkungen. Manchmal sind Angehörige per Live-Stream oder Video dabei. Und manche versuchen die Beerdigung herauszuzögern.

Von Birgit Reichert Veröffentlicht: 16.11.2020, 14:49 Uhr
Schild am Friedhof in Dettenheim-Liedolsheim (Baden-Württemberg) im April 2020: Was, wenn bei Familien Personen zum engsten Familienkreis gehören? Einige dürfen dann nicht mit zuu Trauerfeier kommen.

Schild am Friedhof in Dettenheim-Liedolsheim (Baden-Württemberg) im April 2020: Was, wenn bei Familien Personen zum engsten Familienkreis gehören? Einige dürfen dann nicht mit zuu Trauerfeier kommen.

© Markus Gilliar / GES / picture alliance

Trier/Landau/Düsseldorf. Corona macht das Trauern schwer. Ein geliebter Mensch ist gestorben, aber bei der Abschiedsfeier kann man nicht dabei sein: Wegen der Abstandsregeln ist die Zahl der Plätze in den Trauerhallen derzeit stark beschränkt.

„Normal gehen in die Halle 130 Leute rein, momentan sind es nur 20 Personen“, sagt zum Beispiel Fabian Rupprecht von Reber Bestattungen in Landau. Daher sei es schon mehrfach vorgekommen, dass man Trauerfeiern mit Kamera und Mikro aufgezeichnet habe, um daheim gebliebenen Angehörigen im Nachgang ein Video zur Verfügung stellen zu können.

„Wir hatten eine Familie, bei der gehörten zum kleinsten Kreis schon 30 Personen“, erzählt Rupprecht. Sie wollte nicht nur später über die Feier erzählen können, sondern Aufnahmen davon weitergeben. Zudem würden Personen, die zu Risikogruppen gehörten und lieber zu Hause blieben, so auch einbezogen. Auch das Live-Streaming von Beisetzungen über das Internet, das bundesweit schon manche Bestatter anbieten, sei möglich – wurde aber bei den Rebers noch nicht angefragt.

Das Digitale kann nur Behelf sein

„Diese digitalen Möglichkeiten haben durch Corona in kurzer Zeit eine ganz neue Bedeutung erfahren“, sagt der Kulturbeauftragte der Stiftung Deutsche Bestattungskultur, Simon J. Walter, in Düsseldorf. Sie machten Sinn, wenn Trauernde ausgeschlossen seien: Sie könnten sich das Video oder den Stream dann zuhause anschauen und dabei eine Kerze anzünden. Aber: Das Digitale könne immer nur „ein Behelf sein“ und eine persönliche Abschiednahme nicht 1:1 ersetzen.

Auch andere Einschränkungen in der Corona-Pandemie machen Angehörigen bei Beerdigungen das Leben noch schwerer. Beileidsbekundungen sind derzeit ebenso nicht erlaubt wie der sogenannte „Trauerkaffee“, bei dem man im Anschluss an die Beisetzung noch zusammensitzt. „Dass der wegfällt, fällt vielen schwer“, sagt der Trierer Bestatter Norbert Schmidt. Es sei wichtig, dass man sich nach der Beerdigung noch austauschen und über den Verstorbenen reden könne.

Man könne davon ausgehen, „dass viele Menschen anders und schwerer trauern, weil der Abschied von einem geliebten Menschen einfach nicht so sein konnte, wie er unter normalen Umständen gewesen wäre“, sagt Walter. Manche entschieden sich bewusst für eine Feuerbestattung, um Trauerfeier und Beisetzung zeitlich herauszögern zu können – in der Hoffnung, dass man dann Beschränkungen entgehen könne.

Solche Fälle gab es auch bei Reber Bestattungen. Eine Familie habe sich sieben Monate Zeit gelassen: Die Urne sei im vergangenen Monat beigesetzt worden.

Trauerfeier direkt am Grab

Im Sommer sind laut Bundesverband Deutscher Bestatter viele Trauerfeiern direkt ans Grab verlegt worden, um möglichst vielen Trauergästen eine Teilnahme zu ermöglichen. Mit Blick auf den Winter sei dies unter freiem Himmel zunehmend schwerer umsetzbar, sagt Walter. Schmidt aus Trier erzählt, die Trauerfeiern am Grab seien ähnlich abgelaufen wie in Innenräumen, auch mit Trauerkapelle und anderem. „Es gab sogar einige, die fanden es schöner direkt am Grab.“

Geschäftsführer Valentin Burkl von Niklaus-Burkl Bestattungen in Mainz-Kostheim berichtet, er mache fast „gar keine Trauerfeier mehr“. „Das ist sehr traurig.“ Viele sagten, sie wollten es in ganz kleinem Rahmen machen, auch, um sich keinen Ärger einzuhandeln, wen sie nun einladen oder nicht.

Der Pfarrer gehe mit ans Grab, es gebe dann drei Gebete. „Und das war’s.“ Das sei momentan so der Trend. „Die Leute leiden darunter, auf jeden Fall“, sagt Burkl.

Corona ablesbar in Todesanzeigen

Dass vieles derzeit im Kleinen abläuft, sieht man auch an den Todesanzeigen: „Die Beerdigung muss auf Grund der aktuellen Bestimmungen leider im Familienkreis stattfinden“, heißt es da. Manche inserieren auch erst eine Weile nach dem Sterbeamt. „Die Beisetzung fand am Tag XY im engsten Familienkreis statt.“

Die Vorsitzende des Bestatterverbandes Rheinland-Pfalz, Ulrike Grandjean, sagt, die Menschen hätten Verständnis dafür, dass es wegen der Pandemie Einschränkungen gebe. Eine Herausforderung sei, die aktuell geltenden Regeln immer im Kopf zu haben. „Jede Kommune kocht ihr eigenes Süppchen.“

Mit der jüngsten landesweiten Verordnung neu sei beispielsweise, dass bei der Beisetzung auf dem Friedhof eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden müsse, sagt sie in Trier. Ihr Unternehmen hat auch schon Videos von Trauerfeiern gemacht.

Zum Landesverband gehören rund 200 Bestatter. Die Corona-Pandemie sei für die Angehörigen „eine sehr schwierige Situation“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes, Christian Jäger, in Düsseldorf. „Das wird auch mit Sicherheit über den November nicht besser werden.“ (dpa)

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