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Seuchenschutz

Coronavirus taucht im Abwasser auf

In mehreren niederländischen Kläranlagen finden Fachleute Spuren von SARS-CoV-2. In einer Stadt war der Nachweis sogar positiv, bevor dort eine Erkrankung bekannt wurde.

Von Lars Fischer Veröffentlicht:
In den Niederlanden haben Forscher Erbgutfragmente von SARS-CoV-2 in den Kläranlagen von fünf Städten und dem Flughafen Amsterdam Schiphol nachgewiesen.

In den Niederlanden haben Forscher Erbgutfragmente von SARS-CoV-2 in den Kläranlagen von fünf Städten und dem Flughafen Amsterdam Schiphol nachgewiesen.

© Elco van Berkel / Getty Images / iStock

Groningenhaven. Eine Frühwarnung vor Coronavirus-Ausbrüchen in einzelnen Gebieten könnte aus Kläranlagen kommen. Das jedenfalls schlägt eine niederländische Arbeitsgruppe vom KWR Water Research Institute in Nieuwegein anhand ihrer Analysenergebnisse vor (MedRxiv 2020; online 30. März).

Wie das Team um Gertjan Medema in einer Vorabveröffentlichung berichtet, tauchten Erbgutfragmente von SARS-CoV-2 in den Kläranlagen von fünf Städten und dem Flughafen Amsterdam Schiphol auf. In einer Stadt stellte die Arbeitsgruppe die Virus-RNA fest, bevor dort bekannte Fälle auftraten.

Frühwarnsystem für künftige Ausbrüche?

Das zeige, dass der Virusnachweis im Abwasser als Frühwarnsystem für zukünftige Ausbrüche dienen könne, schreibt die Autoren. Außerdem lasse sich über die Kläranlage möglicherweise der Verlauf von Epidemien unabhängig von klinischen Daten verfolgen.

Die Idee ist keineswegs abwegig, denn Infizierte scheiden in ihren Fäkalien Virusmaterial aus. In den USA und in anderen Ländern laufen ebenfalls Projekte, die Verbreitung des Virus und der Krankheit COVID-19 über die Kläranlagen zu verfolgen – eine bewährte Strategie auch bei anderen Krankheitserregern.

Messstellen verzeichnen Treffer

Das Team um Medema untersuchte das Abwasser der sechs Klärwerke zu drei Zeitpunkten: Zuerst um den 6. Februar herum, als es noch keine Fälle im Land gab, danach am 4. und 5. März, als wenige dutzend Infizierte bekannt waren und die Zahlen stark stiegen, und noch einmal zehn Tage später. Bei der ersten Messung sei erwartungsgemäß keine Virus-RNA aufgetaucht, am 5. März dagegen verzeichneten bereits fünf der Messstellen Treffer, darunter jene in Amersfoort, wo bis dahin kein Erkrankungsfall bekannt war.

Der Autor ist Redakteur bei spektrum.de, der Text ist erschienen auf www.spektrum.de

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