Rezension

Das Glück mit beiden Händen festhalten

Drei Frauen, drei Generationen einer Familie - "Ärzte Zeitungs"-Redakteurin Anne Zegelman erzählt in ihrem Roman "glueckskind" die durch Liebe und Tod verknüpften Geschichten von Martha, deren Tochter Tessa und der Enkelin Marie.

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Die Geschichte, die Anne Zegelman in ihrem Roman "glueckskind" erzählt, umspannt mehr als ein halbes Jahrhundert und handelt von drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Sie beginnt im Nachkriegsdeutschland, wo sich eine junge Frau namens Martha bei einer Fronleichnamsprozession auf den ersten Blick in den rebellischen Jakob verliebt. Zwei Tage später sind die beiden verlobt. Doch was nach dem Beginn einer großen Romanze klingt, entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als Phantasmagorie.

20 Jahre später flieht Marthas Tochter Tessa vor der engen, kleinbürgerlichen Welt, in der sich ihre Eltern eingenistet haben. Es zieht sie in die große, weite Welt, nach Indien. Auch Tessas Geschichte atmet den Duft von Freiheit und Glück, sie ist wild und frei und bunt – und auch Tessas Geschichte findet eine abrupte Wendung.

Nach vielen Jahren kehrt sie zurück an den Ort ihrer Kindheit: "Tessa war sichtlich gealtert. Sie hatte Falten unter den Augen, ihre Haut war gebräunt und irgendwie derber als damals. Wie ein gegerbtes Stück Leder, in das das Leben sich eingegraben hatte." Tessa muss eine Entscheidung treffen, die Anfang und Ende besiegelt – eine Entscheidung, vor der man selbst niemals stehen möchte.

Kurz nach ihrer Rückkehr bringt Tessa ein Kind zur Welt – Marie. Marie ist anders als die anderen Kinder, sie fühlt sich ausgeschlossen, panisch, einsam, fremd: "Über mich gibt es kaum etwas zu sagen, das von Bedeutung wäre. Ich bin Mittelmaß in allem, was ich tue."

Genau wie ihre Mutter und ihre Großmutter scheint auch Marie kein "glueckskind" zu sein – oder doch? Ist sie diejenige, die in ihrem Leben das Glück findet – und es auch behalten kann?

Reise voller Sinneseindrücke

Anne Zegelmans Familiensaga nimmt den Leser mit auf eine Reise voller Sinneseindrücke, ihre Sprache ist lebendig und einfühlsam, man atmet mit Tessa die warme Luft Indiens und fühlt Maries Unsicherheit und Neugierde. Es ist ein Roman, der den Leser mit jeder Seite, die er aufschlägt, tiefer und tiefer in das Leben der drei Frauen zieht, bis man verblüfft die letzte Seite umblättert und erst dann bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Anne Zegelman ist seit 2015 Redakteurin für Gesundheitspolitik bei der "Ärzte Zeitung", "glueckskind" ist ihr zweiter Roman, außerdem schreibt sie Gedichte und Kurzgeschichten und hat einige Literaturpreise gewonnen. (bae)

Anne Zegelman: glueckskind. Geest-Verlag. Vechta 2017. 202 Seiten. 12 Euro. ISBN 978-3-86685-629-5

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