Gesellschaft

"Das fremde Ich" - zu viel gewollt in 30 Minuten

NEU-ISENBURG (ner). Faszination Gehirn - das war am Dienstagabend Thema der Wissenssendung "Das fremde Ich" im ZDF. Journalist Joachim Bublath wollte wissen: Was bestimmt die Persönlichkeit? Warum sind Pubertierende manchmal so unerträglich und Verbrecher so grausam? Vielleicht waren das ein bis zwei Themen zu viel für 30 Minuten Sendezeit.

Veröffentlicht: 04.05.2007, 08:00 Uhr

Dem ZDF gebührt Lob dafür, dass es komplexe Themen wie Neurobiologie und Psyche zu einer attraktiven Sendezeit anbietet. Die Funktionsweise des Gehirns, dem nach wie vor eine gewissen Mystik anhaftet, kann das Fernsehen heute mit brillanten Computer-Animationen vermitteln.

Und so sah man während der Sendung permanent Blitze durch ein goldgelbes Neuronennetzwerk zucken und meist anonyme Regionen in einem sich drehenden, dreidimensionalen Gehirn aufleuchten. Dies ist zweifellos nett anzusehen, lenkt aber leider auch ab vom komplexen Inhalt des Gesprochenen. Das gilt umso mehr, als die Darstellung zu vieler Teilaspekte im Takt weniger Minuten zu Missverständnissen führen muss.

So wurden etwa innere und äußere Faktoren der Persönlichkeitsentwicklung zwar sehr schön dargestellt. Missverständlich wird es allerdings, wenn beim Zuschauer die Botschaft ankommt, dass randalierenden Fußballfans wohl ein paar spezielle Neuronen - die Spiegelneuronen - fehlen, ebenso wie Gewaltverbrechern und mobbenden Chefs. Das ist zu einfach!

Und missverständlich wird es auch, wenn die Themen Drogen- und Medikamenten-Missbrauch mit notwendigen Therapien bei psychischen Störungen vermengt werden. Vielleicht war das unbeabsichtigt. Es hinterlässt jedoch eine gewisse Ratlosigkeit, wenn es im Beitrag heißt: "Es scheint einfacher, eine Tablette zu schlucken, als Stimmungen zu ertragen", und wenn Bublath meint: "Was ist das für eine Welt, in der ich mich nach Pilleneinnahme fröhlich oder traurig stimmen kann. Aber vielleicht ist das ja unsere Zukunft!"

Der Inhalt der Sendung kann unter www.zdf.de nachgelesen werden.

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