Die Abwehrschlacht gegen die Ärzteschwemme beginnt

Der demografische Wandel war vor 30 Jahren noch ein Fremdwort. Was die Funktionäre damals fürchteten, waren zu viele junge Ärzte. Das Jahr 1984 war dadurch charakterisiert, Abwehrstrategien gegen einen Überfluss an Ärzten zu entwickeln.

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Düstere Ausichten für den Nachwuchs.

Düstere Ausichten für den Nachwuchs.

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Köln, März 1984. Auf dem zu jener Zeit Tradition gewordenen Jahrespresseseminar der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeichnet deren Hauptgeschäftsführer Dr. Eckart Fiedler ein düsteres Bild von der ökonomischen Zukunft des Arztberufs.

Der Nettozuwachs an Kassenärzten ist mit drei bis vier Prozent pro Jahr so stark, dass trotz steigender Punktwerte, die damals in Verträgen fest vereinbart wurden, keine höheren Honorarumsätze in den einzelnen Praxen zu erzielen sind.

Insgesamt hat die Zahl aller Ärzte per 31. Dezember 1983 um 3,4 Prozent auf 184.000 zugenommen. Besonders stark ist die Zahl der Ärzte ohne Berufstätigkeit um 9,4 Prozent gestiegen.

Die KBV vermutet, dass es sich hierbei im wesentlichen um jüngere Ärzte handelt, die nicht gleich nach der Approbation einen Arbeitsplatz finden.

Unter den rund 60.000 Kassenärzten erreichen die Fachärzte inzwischen einen Anteil von 57 Prozent. Besonders stark mit 6,9 Prozent ist die Zahl der Nervenärzte und Psychotherapeuten gewachsen.

Wie schlecht es in den 80er Jahren um die Allgemeinmedizin bestellt war, zeigen diese Daten: die Zahl der weitergebildeten Allgemeinärzte stieg um 1,2 Prozent um 12.400. Hingegen nahm die Zahl der Praktiker um vier Prozent auf 13.720 zu.

Für jeden Fünften kein Arbeitsplatz

Die größte Sorge bereitete der KBV aber der Umstand, dass ein Anfang der 80er Jahre noch vorhandener "Berg" an relativ alten Kassenärzten binnen weniger Jahre abgebaut sein würde.

Das bedeutete aus damaliger Perspektive einen hohen Nettozuwachs an jungen Kassenärzten und folglich eine Stagnation oder sogar einen Rückgang der Honorarumsätze je Praxis.

Anfang April 1984 schob das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) eine beängstigende Prognose nach: Von den rund 95.000 Jungmedizinern, die zwischen 1984 und 1990 ihre Approbation erhalten würden, müsste jeder Fünfte damit rechnen, keinen Arbeitsplatz in der Medizin zu finden.

Eigentlich seien 39.000 junge Ärzte "nicht bedarfsnotwendig", meinte der Geschäftsführer des ZI, Dr. Gerhard Brenner.

Aber dem Überhang an frisch approbierten Ärzten werde wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben, als eine Kassenpraxis zu gründen. Das werde aber qualitative und quantitative Probleme verursachen.

Im Kern lief die Strategie der wichtigsten Ärzteorganisationen darauf hinaus, dem Nachwuchs den Einstieg in den Mediziner-Beruf möglichst unattraktiv zu machen. Im Folgejahr wurde der Arzt- im Praktikum eingeführt. (HL)

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