Gesellschaft

Dioxin nun auch in Schweinefleisch nachgewiesen

HANNOVER/BERLIN/BRÜSSEL (eb). Nach den bestätigten Dioxin-Funden in Eiern und Legehennenfleisch wurde nun erstmals ein erhöhter Dioxin-Wert auch in Schweinefleisch festgestellt.

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Nicht nur Hähnchenfleisch - jetzt wurde Dioxin auch in Schweinefleisch nachgewiesen.

Nicht nur Hähnchenfleisch - jetzt wurde Dioxin auch in Schweinefleisch nachgewiesen.

© dpa

Betroffen sind zwei Mastbetriebe in Niedersachsen, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Dienstag mit. Sämtliche mehrere hundert Tiere des einen Hofes im Landkreis Verden würden nun getötet. Der zweite Betrieb bleibe zunächst gesperrt, dort seien weitere Kontrollen nötig, hieß es.

Am Montag wurde bekannt, dass in 19 von 87 untersuchten Proben in den Ländern der Grenzwert von Dioxin überschritten. Eine Probe davon war Legehennenfleisch, die restlichen waren Eier. Zahlen wurden zunächst nicht genannt.

In Deutschland waren bis zum Dienstag noch rund 600 Höfe gesperrt, 330 allein in Niedersachsen. In NRW wurden rund 130 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt, nachdem bekannt wurde, dass sie womöglich verunreinigte Mischfutter bezogen hatten. Jeder Betrieb muss von den zuständigen Kontrolleuren einzeln überprüft werden.

Unterdessen suchen Politik und Industrie nach Lösungen, Fälle wie diese in Zukunft zu vermeiden. So wollen Bund und Länder in den nächsten Wochen eine bundesweite Warnplattform einrichten.

Auf der Internetseite würden Informationen aller bundesweit zuständigen Behörden veröffentlicht werden, sagte der verbraucherpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Bleser (CDU), der "Neue Osnabrücker Zeitung".

Auch die Futtermittelhersteller haben derweil Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal angekündigt. Der europäische Branchenverband FEFAC versprach am Montag bei einem Krisengespräch mit der EU-Kommission, Details dazu bis Anfang Februar vorzulegen. Der Verband denkt dabei an ein "risikobasiertes Dioxinmonitoring", das sämtliche Zuflüsse von Ölen und Fettern überwacht.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat sich für schärfere Regeln für die Futtermittelbranche ausgesprochen. Einen Maßnahmenkatalog wollte sie am Dienstagnachmittag im Verbraucherausschuss des Bundestags vorstellen.

Künftig sollten den Plänen zufolge etwa schärfere Zulassungsregeln für Zulieferbetriebe gelten. Auch sollten Produktionslinien, etwa von Industrie- und Futtermittelfetten, strikt getrennt werden. Aus dem bislang unverbindlichen Katalog der möglichen Einzelfuttermittel will Aigner zudem eine europaweit gültige Positivliste machen.

Mehr als 300 Professoren und Wissenschaftler forderten indes den Ausstieg aus der Massentierhaltung. Mit ihrer Unterschriftenaktion wollen sie nach eigenem Bekunden zeigen, dass das Thema längst nicht mehr "Tierschützern und Veganern" vorbehalten sei.

Zu den Unterzeichnern des Appells gehören den Initiatoren zufolge Professoren wie der Theologe Eugen Drewermann, der Umweltethiker Konrad Ott, der Mediziner Wolfram Sterry, der Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer und der Philosoph Dieter Henrich.

www.gegen-massentierhaltung.de

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Dioxinspuren und sog. "Massentierhaltung"

Der polemisch geprägte Begriff "Massentierhaltung" ist grob irreführend und wird leider auch von den Anhängern des Anti-Appels in ideologischer Weise mißbraucht. Die unterzeichnenden ca. 300 Professoren verschiedener Fachrichtungen (Philosophen, Ethiker u.s.f.) -alles andere als Experten der Naturwissenschaft und der modernen Tierhaltungssysteme- rufen offensichtlich aus unterschiedlichen persönlichen Gründen zu einer Agrarproduktion der Vorzeit auf, ohne im Gefühl der Sattheit an ihre Konsequenzen zu denken. Schließlich wurde nach der Mangel- und Hungerzeit der Kriegsjahre in ganz Europa nach nordamerikanischen Vorbild und Ausbleiben der Care-Pakete eine höchstproduktive Landwirtschaft entwickelt, die nicht nur die eigenen Mäuler wieder gesättigt hat, sondern sogar in der Lage ist, die Hungernden in der weniger begünstigen Welt -nicht nur in Notzeiten- mit wertvollen tierischen Eiweiß (z.B. in Form von Milchpulver oder Trockenei)zu versorgen. Die inzwischen durch Tierhygieniker und Tierethologen gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und deren Anwendung in der Intensivhaltung von landwirtschaftlichen Nutztieren haben im Lauf der vergangenen Jahrzehnte die jetzt zu Unrecht geschimpfte sog. "Massentierhaltung" sowohl umweltverträglich wie auch tierartgerecht umgestaltet. Aus hygienischer Sicht sollte man auch anerkennen, daß das aus einer geschlossenen Schweinemastanlage stammende Fleisch -im Gegensatz zu solchem aus einer "Bio-Freilandhaltung"- nicht nur preiswerter, sondern auch trichinen-unverdächtig ist. Genauso sind die Eier aus einer kontrollierten Intensivhaltung auch nicht salmonellenbelastet wie diejenigen der althergebrachten "Bio-Mistkratzer". Als potentielle zoonotische Seuchenherde für Vogel- und Schweinegrippe & Co. sind immer schon die nicht zu kontrollierenden freilaufenden Tiere anzusehen. Es ist genauso Ideologie, die tiergerechten Intensivhaltungen als "Brutstätten" von neuen Krankheitserregern zu bezeichnen, wie die aberwitzige Verbindung von Dioxin-Nachweisen und sog. "Massentierhaltung". Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Fachtierarzt für Hygiene und Mikrobiologie, i.R.) aus Rostock


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