Doppelte Abi-Jahrgänge - schlechte Chancen?

Durch die Umstellung vom neunjährigen auf das achtjährige Gymnasium (G8) strömen bis 2015 geschätzt 275 000 zusätzliche Studienanfänger an die Hochschulen. Viele Schüler fragen sich: Habe ich überhaupt noch eine Chance auf einen Studienplatz? Der Philologenverband warnt vor gravierenden Engpässen.

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Volle Konzentration auf die Abi-Klausur. Und was kommt dann?

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BERLIN (eb). Nach Ansicht des Deutschen Philologenverbandes werden sich viele Studienanfänger ab dem nächsten Jahr insbesondere in den Geisteswissenschaften und in den harten Numerus-Clausus-Fächern, einstellen müssen. Die Gründe für die verschlechterten Bedingungen sind die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen 2011 sowie wegen der Aussetzung der Wehrpflicht und des Zivildienstes.

Diese Situation werde sich in den nächsten Jahren in der Folge des Doppelabiturs in weiteren Flächenländern, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen 2013, noch zusätzlich verschärfen. Der Philologenverband (DPhV) vertritt die Interessen von Lehrern an Gymnasien, Gesamtschulen, Hochschulen sowie an anderen Bildungseinrichtungen, die auf das Abitur vorbereiten.

Um wachsende Herausforderungen politisch zu meistern, haben Bund und Länder Anfang Juni eine Fortschreibung des Hochschulpakts beschlossen. 18 Milliarden Euro sollen, verteilt auf drei Programme, bis 2019 zusätzlich für Bildung und Forschung in Deutschland ausgegeben werden.

Trotz der Bemühungen von Bund und Ländern, bis 2015 an den deutschen Universitäten dafür 275 000 zusätzliche Studienplätze zu schaffen, werde es - so der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger - ab 2011 an vielen deutschen Universitäten zu schmerzhaften personellen und räumlichen Engpässen und in der Folge zu überfüllten Vorlesungen, Seminaren und Praktika kommen, wenn nicht noch gegengesteuert werde.

"Allein im nächsten Jahr", warnt Meidinger, "drängen aus den Bundesländern Bayern und Niedersachsen wegen des doppelten Abiturjahrgangs rund 70 000 Erstsemester zusätzlich an die deutschen Universitäten. Dazu kommen rund 50 000 weitere Studienanfänger wegen der Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes. Außerdem passen Ausbauziele des Hochschulpakts und Studienwünsche der Abiturientinnen und Abiturienten nicht zusammen."

Mit einer spürbaren Beeinträchtigung der Qualität des Studiums müsse dem Verbandschef zufolge insbesondere in den sprach- und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen und an beliebten Hochschulen in West- und Süddeutschland gerechnet werden. Die große Mehrzahl der zusätzlichen Studienplätze sei nämlich nach dem politischen Willen von Bund und Ländern an den naturwissenschaftlichen Fakultäten entstanden, die Studienfachwünsche der Abiturienten würden dieser Steuerungsvorgabe jedoch nach ersten Erkenntnissen des DPhV nicht so folgen wie vom Gesetzgeber erhofft.

Weil in den harten NC-Fächern wie Medizin, Zahn- und Veterinärmedizin sowie Pharmazie im Hochschulpakt keine neuen Studienplätze geschaffen wurden, rechnet der DPhV-Vorsitzende außerdem damit, dass die Chancen von Abiturienten der Doppeljahrgänge, in diesem Bereich Studienplätze zu ergattern, spürbar abnehmen werden.

Schließlich zeichne sich bereits ab, dass die bewusste Lenkung von zusätzlichen Studienanfängern an ostdeutsche Hochschulen mit noch freien Kapazitäten nicht in dem Umfang gelingen werde, wie von den Bildungsministerien prognostiziert, was die Überfüllungseffekte an beliebten Universitäten zusätzlich verstärken werde, so Meidinger.

In der Konsequenz forderte der DPhV-Vorsitzende von den betroffenen Landesregierungen weitere finanzielle Kraftanstrengungen, um ein Chaos an den Hochschulen zu vermeiden. Der Verbandsvorsitzende warnte aber auch vor Panikmache: "Es ist zwar offenkundig, dass bei der Planung und Mittelausstattung des Hochschulpakts nicht alles richtig gemacht wurde und die Bildungspolitik auf die Aussetzung der Wehrpflicht nicht vorbereitet ist, durch eine bewusste und gezielte Orts- und Studienfachwahl können Studienanfänger aber auch selbst ihre persönlichen Studienbedingungen positiv beeinflussen. Voraussetzung ist allerdings, sich schon jetzt über die Studiensituation an den Zielhochschulen genauestens zu informieren."

Lesen Sie dazu auch: Abitur: "Insellösungen einzelner Länder führen in die Sackgasse"

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