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Geheimnisvolle mongolische Eismumie

GÖTTINGEN (pid). Eineinhhalb Jahre haben Spezialisten der Göttinger Universitätsmedizin ihren ältesten "Patienten" untersucht und dabei alle Techniken und Gerätschaften der modernen Medizin eingesetzt, von Computertomographen und Röntgenapparaten bis hin zum Rasterelektronenmikroskop.

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Hinzu kamen alle möglichen histologischen, biochemischen und molekularbiologischen Analysen - und das alles für einen Probanden, der weder Kassen- noch Privatpatient ist, sondern eine 2500 Jahre alte Eismumie. Am Freitag wurden bei einer Pressekonferenz die Untersuchungsergebnisse vorgestellt.

Interantioale Kooperation funktioniert reibungslos

Vor zwei Jahren hatte ein Team von deutschen, russischen und mongolischen Forschern die Mumie an der Südflanke des Altai-Gebirges in der Mongolei entdeckt. Ausgrabungsleiter war der damalige Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts und heutige Leiter der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Professor Helmut Parzinger. Eine reibungslose internationale Zusammenarbeit habe den Transport der Mumie nach Göttingen möglich gemacht.

Dort befand sie sich in der Obhut des Paläopathologen Professor Michael Schultz. Dieser gilt als weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Erforschung prähistorischer Krankheiten. Schultz, der den mumifizierten Skythen-Krieger nach allen Regeln der modernen Medizin durchleuchtete, nannte die Kooperation zwischen Archäologie und Medizin beispielhaft: "Es ist weltweit die erste Zusammenarbeit, die so konsequent und in dieser Breite vorgenommen wurde."

Der Göttinger Experte hat einiges über den Gesundheitszustand und die Lebensgewohnheiten des Reiterkriegers herausbekommen. Die Untersuchungen zeigten vor allem eines: Der Reiterkrieger hatte ähnliche Beschwerden, wie sie auch heute noch die Menschen plagen.

Schultz konnte bei seinen Untersuchungen feststellen, dass der mongolische Patient ungefähr 60 Jahre alt geworden ist. In seinen jungen Jahren war er körperlich gut trainiert. Die kräftige Muskulatur habe sich später zurückgebildet: "Er hat es dann in höherem Alter ruhiger angehen lassen." Dementsprechend seien Zeichen von Osteoporose festzustellen. Weitere Krankheiten des Skythen-Kriegers: Chronische Kiefernhöhlen- und Stirnhöhlenentzündung, eine ausgeheilte Mittelohrentzündung in jüngeren Jahren. Außerdem hatte er Probleme mit den Zähnen: "Sein Zahnstatus ist nicht der Beste", sagte Schultz.

Ein Fleischessser mit schlechten Mundhygiene

Die Zahnfleischerkrankungen ließen nicht nur auf eine unzureichende Mundhygiene schließen, sondern auch darauf, dass er Fleischesser gewesen sei: "Es ist das Gebiss eines typischen Nomaden aus einer Vieh- und Rinderzüchterpopulation."

Woran der Krieger gestorben ist, sei nicht eindeutig feststellbar, sagte Schultz. Möglicherweise habe er an einer Krebserkrankung gelitten. Darauf deuteten Befunde im Knochenmark hin.Besonders beeindruckend ist die gut erhaltene Haarpracht. Der Blondschopf, so wie er heute aussieht, war allerdings keiner: Die blonde Haarfärbung ist vermutlich während der 2500 Jahre dauernden Liegezeit entstanden. Im Juli kehrt die Mumie in die Mongolei zurück.

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