Klinikalltag lässt keine Zeit für Menschlichkeit

HAMBURG (dpa). Der Krankenhausalltag in Dieter Wedels neuem Film ist erschreckend, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

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Da teilt ein Arzt einem Patienten mit, dass dieser Krebs hat - und lässt den verzweifelten Mann nur Sekunden später mit der furchtbaren Diagnose allein. "Der nächste Patient ist in der Narkose. Tut mir Leid, ich muss weiter", sagt Chefarzt Harry Seidel (Ulrich Tukur). Zu hören ist das leise Weinen des Mannes, die Geräusche der Apparaturen und im Flur die Stimme des Chefarztes, der eine Krankenschwester anherrscht: "Nun reden Sie schon mit seiner Frau!"

In verschiedenen Kliniken hat Regisseur Wedel für seinen neuen Film "Mein alter Freund Fritz", der heute um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt wird, recherchiert - und war "schockiert". Wedel, für seine gesellschaftskritischen Mehrteiler ("Der große Bellheim", "Der Schattenmann") bekannt, setzt sich diesmal mit der Kommerzialisierung im Gesundheitswesen auseinander.

"Ärzte verbringen mehr als ein Drittel ihrer Zeit mit Verwaltungsaufgaben, statt am Krankenbett zu sitzen", kritisiert der 64-Jährige. "Immer weniger Ärzte müssen immer mehr Patienten versorgen. Der kommerzielle Druck ist so groß, dass häufig Operationen vorgenommen werden, die nicht zwingend notwendig sind. Aber die teuren Geräte in OPs müssen ja ausgelastet werden."

Im Zentrum der Geschichte steht Chefarzt Seidel, der sich immer häufiger ökonomischen Zwängen beugen muss. Als er einen Autounfall nur knapp überlebt, gerät Seidels Welt und die seiner Frau (Veronica Ferres) durcheinander, denn der Mediziner hat plötzlich einen unerwünschten Begleiter: Sein vor 20 Jahren gestorbener Freund Fritz (Maximilian Brückner) weicht ihm nicht von der Seite. Die Gespräche mit dem nur für Seidel sichtbaren Geist erinnern ihn an frühere Ideale. Auf die Filmidee habe ihn die kaltschnäuzige Bemerkung eines Arztes kurz nach dem Tod seiner Mutter gebracht, so Wedel: "Ich habe schon 20 000 Herzen aufgeschnitten und nie so etwas wie eine Seele gefunden."

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