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Markenmedikamente

Ärzte bestimmen die Therapie und wählen Arzneien nach bestem Wissen und Leitlinien aus? Da kennen Sie aber ihre Patienten schlecht! Die wissen genau, was sie brauchen. Ein Klassiker dabei: die Anti-Haltung – also das Verlangen nach Antibiotika.

Alexander JoppichVon Alexander Joppich Veröffentlicht:

Wissen Sie, was Ärzte und Barkeeper gemeinsam haben? Viele Patienten wünschen sich mit einem galant-saloppen „Was darf’s denn heute sein?“ begrüßt zu werden. Ok, war vielleicht ein mauer Kalauer – oder gar ein Kalauterbach, um das Ganze noch schlimmer zu machen.

Das Problem ist aber nicht so komisch: Nicht wenige Patienten sehen ihren „Onkel Dok“ als sympatisch-seriösen Pillendealer, der ihnen ihre Medikamenten-Favoriten besorgt. Der weiße Kittel dient dabei dem Business: In den versteckten Innentaschen kann man ja auch jede Menge „Zeug wegbunkern“ – komisch, dass im Berliner Görlitzer Park die meisten noch mit dicken Jacken rumlaufen; der Kittel eignet sich dabei viel besser für allerlei Transaktionen.

Sei’s drum: Der moderne Patient von heute ist vorinformiert. Beim Blick auf das Rezept fällt dem geschulten Auge direkt auf, was der Dealer, äh, Doktor verschrieben hat: Acetylsalicylsäure? Nein, das geht nicht! Ich vertrage nur das gute Zeug – Aspirin®, the real stuff, Sie verstehen?

Anekdotische Evidenz hilft dabei: Das hat schon meiner Mutter immer geholfen. Es soll Patientinnen geben, die können das Originalpräparat unter vier Generika-Pillen am Geschmack erkennen – schade, dass es „Wetten, dass...“ nicht mehr gibt!

Profis bewegen sich aber auf einem ganz anderen Level: Sie wissen schon vor Betreten des Zimmers, was sie brauchen. Und das sind erstaunlich oft Antibiotika. Heilt von selbst? Von wegen! Hilft nicht bei Viren? Was wissen Ärzte schon: Letztes Mal hat es mir auch geholfen! Und ich fliege morgen in den Urlaub; da brauche ich was starkes.

Um solchen ermüdenden Diskussionen aus dem Weg zu gehen, zückt man dann doch mal den Rezeptblock. Denken Sie aber dran, das gute Zeug aufzuschreiben. Generika wirken bei mir nicht: Das Original merkt, dass es mir ernst ist!

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