Gesellschaft

Schwangerschaft ist noch immer ein Risiko

600 000 Frauen sterben jährlich während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett - 95 Prozent davon in Afrika und Südostasien. Die Sterberate bei Schwangeren ist in Entwicklungsländern 300-mal höher als in Industrienationen.

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht: 06.11.2009, 05:00 Uhr
Schwangerschaft ist noch immer ein Risiko

Trotz medizinischer Topversorgung sterben in Deutschland pro tausend Geburten drei bis vier Neugeborene.

© Foto: Suharjotowww.fotolia.de

BERLIN. Zu den 600 000 Frauen kommen pro Jahr rund 3,3 Millionen Neugeborene, die bei der Geburt, und 4 Millionen Kinder, die innerhalb der ersten vier Lebenswochen sterben. Darauf hat Professor Joachim W. Dudenhausen von den Kliniken für Geburtsmedizin der Berliner Charité beim 9. Weltkongress für Perinatalmedizin hingewiesen.

"Frauen in einem Entwicklungsland tragen ein um 300-mal höheres Risiko, während Schwangerschaft und Geburt zu sterben, als Frauen in den Industriestaaten. Dasselbe gilt für Babys: Ein Neugeborenes in einem Entwicklungsland ist einem 14-mal höheren Risiko ausgesetzt, im ersten Lebensmonat zu sterben, als Kinder in Industrieländern", sagte Dudenhausen in Berlin.

Neue Studien belegen, dass 80 Prozent der Todesfälle vermeidbar wären, wenn Schwangere in diesen Ländern Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung hätten. Zwei Drittel aller Geburten weltweit geschehen ohne Hilfe von Arzt oder Hebamme. "Hilfreich wären auch sogenannte care giver, die eine vierwöchige Grundausbildung in Geburtshilfe haben. Wenn das in der ganzen Welt umgesetzt werden könnte, wäre schon sehr viel erreicht", so Dudenhausen.

Todesursache Nummer 1 weltweit bei werdenden Müttern sind Blutungen, die nicht gestoppt werden können, weil ärztliche Hilfe fehlt. "Dies kommt nach wie vor sehr häufig auch bei Abbrüchen vor, die von nicht-qualifizierten Leuten mit nicht-qualifizierten Methoden vorgenommen werden." Preisgünstige Kontraktionsmittel könnten viele Blutungen rasch stillen, vier Tabletten eines speziellen Prostaglandins seien häufig ausreichend. "Die Medikamente, die nur wenige Cent kosten, müssten nicht einmal kühl gelagert werden, die kann der Arzt in der Tasche mit sich herumtragen. Doch in den meisten Regionen gibt es weder Arzt noch Arzneien", sagte Dudenhausen.

Todesfälle bei Müttern und Säuglingen gibt es auch hierzulande. In Deutschland sterben bei 1000 Geburten zwischen drei und vier Säuglinge; pro Jahr sind es etwa 2500. Außerdem überleben etwa 40 Mütter die Geburt nicht. Zwei Drittel dieser Fälle hängen mit einer Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche zusammen. Die lässt sich in vielen Fällen allein schon dadurch verhindern, dass die Schwangere die Termine zur Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt einhält. Dudenhausen: "Eine weitere, ganz einfache Maßnahme ist die regelmäßige Messung des pH-Wertes im Scheideneingang. Die kann jede Frau selbst vornehmen. Solange das Milieu sauer und der pH-Wert niedrig zwischen 4,0 bis 4,4 ist, können Keime kaum existieren, und die Gefahr einer Scheideninfektion tendiert gen Null."

Der Kongress im Web: www.wcpm9.org

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