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Hirntumor

Sterbehilfe aus Sicht einer Mutter

Die Amerikanerin Deborah Ziegler hat ein Buch über den Tod ihrer einzigen Tochter geschrieben. Mit 29 Jahren erfuhr Brittany Maynard, dass sie an einem unheilbaren Hirntumor leidet. Elf Monate später nimmt sie ein tödliches Medikament.

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Das Buch zeigt auch, wie die Krebspatientin Brittany Maynard für ein würdevolles Sterben kämpfte.

Das Buch zeigt auch, wie die Krebspatientin Brittany Maynard für ein würdevolles Sterben kämpfte.

© Goldmann Verlag

PORTLAND/CARLSBAD. Es ist keine leichte Lektüre. Das räumt Deborah Ziegler im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sofort ein. In dem Buch "Die Welt ist ein schöner Ort" schreibt die 60 Jahre alte Kalifornierin über das Leben und den Tod ihres einziges Kindes.

Mit 29 Jahren will Brittany Maynard ihr Leben planen. Doch ein aggressiver Hirntumor gibt ihr nur noch wenige Monate zu leben. Sie zieht nach Oregon, wo Sterbehilfe legal ist (wir berichteten). In Interviews und Videos spricht sie offen über den Plan, ihren Tod am 1. November 2014 in die eigene Hand zu nehmen. "Der Weg meiner Tochter in einen würdevollen Tod" ist der Untertitel von Zieglers Buch. Es erscheint am 20. März im Goldmann-Verlag.

Frage: Woher kommt der Titel für Ihr Buch "Die Welt ist ein schöner Ort"?

Deborah Ziegler: Brittany glaubte fest daran, dass die Welt ein schöner Ort ist. Das schrieb sie auch in ihren Abschiedsworten auf Facebook. Sie sagte zu mir: "Mom, bitte werde nicht bitter und hart nach meinem Tod. Die Welt ist wunderschön."

Ich habe mir nach ihrem Tod die Worte "Be Soft" (Sei sanft) auf das Fußgelenk tätowieren lassen, als Erinnerung daran, nicht bitter zu werden. Ich klammere mich an die Schönheit dieser Welt, die Brittany wirklich nicht verlassen wollte. Für sie gab es noch so viel zu sehen und zu erleben.

Wie stark war der Lebenswille Ihrer Tochter?

Deborah Ziegler: Brittany wurde wütend, wenn Leute sagten, sie würde Selbstmord begehen. Sie sagte "Nein, ich möchte leben, ich will nicht sterben, aber ich bin am Sterben." Wir haben nie von Selbstmord gesprochen, sondern von ärztlicher Beihilfe beim Sterben.

Der Arzt hat ihr nicht die Medikamente verabreicht, der Patient muss sie selbst zu sich nehmen. Brittany hatte Angst davor, dass sie nach einem besonders schweren Krampfanfall vielleicht nicht mehr in der Lage sein würde, selber die Medikamente zu nehmen.

Brittany hat recht schnell nach ihrer Diagnose den Entschluss gefasst, nach Oregon zu ziehen, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. War das für Sie schwer zu akzeptieren?

Deborah Ziegler: Brittany war sich sehr schnell sicher. Sie holte viele Informationen ein und verstand, was der Krebs in ihrem Gehirn anrichten würde. Sie wusste auch, dass sie ihre Familie und Freunde von deren Tagträumen abbringen musste. Die Wahrheit nicht erkennen zu wollen, ist ein großes Problem für die Angehörigen.

Das haben mir bei den Recherchen für das Buch auch viele Ärzte und Psychologen bestätigt. Wir haben lange auf ein Wunder gehofft und nach alternativen Therapien gesucht. Ich will den Lesern vermitteln, wie schwer es für uns war, die Realität zu akzeptieren.

Irgendwann haben wir es kapiert. Dann haben wir unsere Tochter in den Arm genommen und ihr gesagt, dass wir verstehen, dass sie wohl sterben wird. Wir würden die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben, aber gleichzeitig Pläne für das Ende machen.

Wie war der letzte Tag in Brittanys Leben? Sie war von Familie und engen Freunden umgeben.

Deborah Ziegler: Das war ein surrealer Tag, denn wir wussten ja, wie er enden würde. Die in der Welt zurückbleiben würden, waren völlig benommen. Brittany hat uns alle darum gebeten, positiv zu sein und nicht zu weinen. Wir hatten wunderschönes Wetter und machten einen Spaziergang durch den Wald. Brittany hatte immer jemanden an ihrer Seite, auch um aufzupassen, dass sie nicht stürzte.

Sie wollte unbedingt noch einmal in der Natur sein. Ich fragte sie, ob sie den Termin nicht doch noch verschieben wollte, aber sie sagte ganz ruhig und entschlossen, "Mommy, heute ist der Tag."

Im Bett schrieb sie noch Abschiedsbriefe, dann nahm sie die Medizin zu sich. (...) Ich las währenddessen ihre Lieblingsgedichte vor, das hatte sie sich gewünscht. Das Schwerste war, nicht zu weinen, aber das hatte ich ihr versprochen.

Brittany fand vorab bei ihren Recherchen heraus, dass das Gehör bei Sterbenden noch am längsten funktioniert. Sie wollte auf keinen Fall da liegen und hören, wie sich die Anwesenden fragten, ob sie schon tot sei. Daher ihr Wunsch, dass ich Gedichte vorlese.

Brittany hat sich für ein würdevolles Sterben eingesetzt. Wie würden sie das Vermächtnis Ihrer Tochter beschreiben?

Deborah Ziegler: Ich bin sehr stolz auf meine Tochter. Sie hat eine entscheidende Wende herbeigeführt. (...) Brittany hat uns mutig in die Augen geschaut und offen über das Sterben gesprochen.

Sie hat damit Menschen in aller Welt bewegt und ihnen vermittelt, dass es ein grundlegendes Menschenrecht ist, friedlich zu sterben.

Sie hat sich hingestellt und gesagt, ich kämpfe für mein Recht. Ich lasse mich nicht vom Tod quälen. Das war oft nicht leicht, aber sie hat es auf eine wunderbare Weise geschafft, in Frieden zu sterben. (dpa)

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