Gesellschaft

"Wir wollen in punkto Leistung nah an die 100 Prozent ran"

Von Angela Misslbeck Veröffentlicht: 22.06.2006, 08:00 Uhr

Markus Merk kommt bei der Fußball-Weltmeisterschaft zu seinem dritten Einsatz als Schiedsrichter. Doch der einzige deutsche WM-Referee muß weiter auf das erhoffte Spiel in seinem "Heim"-Stadion in Kaiserslautern warten. Dafür leitet der gebürtige Kaiserlauterer heute die Partie zwischen Ghana und den USA in Nürnberg.

"In der Vorrunde drei Spiele - das ist überdurchschnittlich. Da freut man sich natürlich riesig", sagte Merk, der zuvor schon die Partien Brasilien gegen Australien (2:0) und Niederlande gegen Serbien-Montenegro (1:0) gepfiffen hatte.

Viele seiner Träume sind schon in Erfüllung gegangen. Er hat ein Championsleague-Finale gepfiffen, zwei Europameisterschaften und eine Weltmeisterschaft. Nun leitet Dr. Markus Merk gerade zum zweiten Mal Spiele bei einer Weltmeisterschaft. Sein Ziel für alle WM-Schiedsrichter: "Wir wollen in punkto Leistung möglichst nah an die 100 Prozent ran", so Merk bei einer Zwischenbilanz der WM-Spiele.

Leistung ist es, was zählt in Merks Leben, und der Weltschiedsrichter der Jahre 2004 und 2005 bringt seinen Anteil. Bei den zwei bisherigen WM-Einsätzen galt seine Leistung als "tadellos".

Lange vor dem Start der Endrunde war Merk austrainiert. Durchschnittlich elf Kilometer legen Schiedsrichter bei einem Spiel zurück - mehr als ein Mittelfeldspieler. Für den Marathon-Läufer Markus Merk ist das kein Problem.

Nach dieser WM hängt der 44jährige seine internationale Karriere womöglich an den Nagel und konzentriert sich darauf, andere auszubilden: zu Schiedsrichtern, aber auch zu Entscheidern. Denn der ehemalige Zahnarzt hält nun Vorträge für Führungskräfte. Auch ein Finanzdienstleister für Ärzte hat den Vortragsreisenden gebucht. Thema unter anderem: "Sicher entscheiden". Das hat er auf dem Platz gelernt.

In seiner Schiedsrichter-Karriere reihen sich Superlative aneinander. Als 12jähriger war er der jüngste Schiedsrichter, der in Deutschland je ein Spiel gepfiffen hat. Sofort im Anschluß gelang ihm der schnellste Klassenaufstieg, den ein Schiri je gemeistert hat: Weil auf dem Nachbarplatz ein Unparteiischer fehlt, pfeift Markus Merk nach seinem ersten Spiel in der E-Jugend sofort die D-Jugend.

Als er 1988 zum ersten Mal ein Spiel der ersten Bundesliga leitet, ist Merk mit 26 Jahren so jung wie kein Bundesliga-Schiri vor ihm. Kurz nach der Prüfung auf dem Erstliga-Rasen besteht er auch die Studienabschlußprüfungen der Zahnmedizin.

Schon damals kündigt Merk den Mitstudenten an, daß er nicht immer Zahnarzt bleiben wird. Im Januar 2005 ist es soweit. Merk hat keine Freude mehr an seinem Zahnarztberuf. Die ständigen Reformen ließen aus seiner Sicht nur noch "Fließbandarbeit am Patienten" übrig. Merk verkauft seine Anteile an der Praxis in Kaiserslautern.

"Es gibt keine Gedanken an Reue. Ich bin froh, daß ich es genauso gemacht habe", sagt er danach. Inzwischen ist auch Merks Biographie erschienen. Der doppeldeutige Titel: "BeWegend". Über weitere Einsätze nach der Vorrunde will er nicht spekulieren: "Wir machen Schritt für Schritt."

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