Nationale Aufgabe

 Diabetes-Plan – Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ein nationaler Diabetes-Plan ist seit mehr als zehn Jahren in der Diskussion – entschieden wurde bislang so gut wie nichts. Die Hoffnung richtet sich nun auf einen neuen Anlauf in dieser Wahlperiode; die DDG hat sich bereits positioniert.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 22.01.2018, 07:25 Uhr

Lange sah es so aus, als könnte sich der Deutsche Bundestag doch noch dazu durchringen, bis zum Frühherbst 2017 einen nationalen Diabetes-Plan zu beschließen – doch das Projekt versickerte im kleinlichen Streit von Union und SPD und wurde schließlich in die längst begonnene neue Legislaturperiode verschoben.

Im europäischen Vergleich, in dem Deutschland sich sonst so gern als Musterknabe bestaunen lässt, gibt die deutsche Gesundheitspolitik ein klägliches Bild ab: Deutschland gehört zu den nur acht von 28 Ländern, die noch keinen Nationalen Diabetesplan installiert haben.

Unbestritten sind Dringlichkeit und Relevanz:

  • Nahezu sieben Millionen Deutsche sind von Diabetes betroffen. Tendenz weiter steigend.
  • Die Krankheit hat eine starke sozioökonomische Komponente: Gerade die stark betroffene soziale Unterschicht bedürfte spezifischer und robuster Präventionspolitik statt der im Präventionsgesetz angelegten mit der Gießkanne verteilten homöopathischen Dosen. Daran ändern auch euphorische Meldungen aus dem Bundesgesundheitsministerium nichts, wonach die Ausgaben für Prävention in Lebenswelten zweistellig steigen. Auf der Basis von nahe Null ist das keine Kunst.
  • Diabetes ist eine wichtige Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Gut ein Fünftel aller Todesfälle geht nach einer Studie des Deutschen Diabeteszentrums auf Diabetes zurück.
  • Vor allem die Folgeerkrankungen von Diabetes – Nephropathien, Erblindung, Amputationen, kardiovaskuläre Erkrankungen – verursachen vermeidbares Leid, aber auch ein Vielfaches der direkten Behandlungskosten des Diabetes. Gleichwohl wird Diabetes oft zu spät erkannt, wenig konsequent behandelt, und das mit erheblichen regionalen Unterschieden. Dabei werden teilweise positive Nutzenbewertungsergebnisse für moderne Antidiabetika in regionalen Arzneimittelvereinbarungen konterkariert.

Nach Auffassung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) muss ein nationaler Diabetesplan auch mit einer Neuorientierung der Präventionspolitik einhergehen: von der fast nur auf Überredung und Einsicht geprägten Verhaltens- zu einer Verhältnisprävention, von der man sich eine höhere Wirksamkeit gerade in vulnerablen Zielgruppen verspricht.

Forderungen der DDG zu Lebensmittelsteuern

Vor diesem Hintergrund fordert die DDG ein neues Besteuerungssystem für Lebensmittel: Umsatzsteuerbefreiung für Gemüse und Obst, höhere Steuersätze (19 oder 29 Prozent) für dezidiert ungesunde Lebensmittel mit zu viel Fett und Zucker.

Erst in diesen Tagen haben die Diabetologen Unterstützung der Psychosomatik-Fachgesellschaften erhalten, die einen nationalen Aktionsplan Adipositas fordern.

Diese Fachgesellschaften sehen – genauso wie die Diabetelogen – Adipositas als eng korreliert mit psychischen Erkrankungen oder Angstzuständen. Eine besondere Herausforderung stelle die Entwicklung geeigneter Präventionsmaßnahmen von Übergewicht und Adipositas im Kinderalter und in der Jugend dar. Hier sei mehr Forschung notwendig, und statt auf Therapie von Adipositas zu setzen, müsse mehr in die Vermeidung investiert werden.

Auch bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich ein starker sozioökonomischer Gradient. Die deutsche Bildungspolitik – und damit auch die Gesundheitserziehung – ist aber gerade bei Kindern aus Unterschichten nahezu erfolglos, diesen faire Chancen zu eröffnen.

Lesen Sie dazu auch: Unklare Datenlage: Epidemiologischer Blindflug bei Diabetes

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