Patientensteuerung

50 Euro Eintritt in die Notaufnahme?

Niedersachsens KV-Chef ist die geforderte "Strafgebühr" für unnötige Notaufnahmebesuche nicht hoch genug.

Veröffentlicht: 13.07.2018, 08:34 Uhr

HANNOVER. Wer kein Notfall ist, soll zahlen. Niedersachsens KV-Chef Mark Barjenbruch plädiert für eine Eintrittsgebühr von 50 Euro zu den Notfallambulanzen im Land. Damit verlangt er doppelt so viel wie sein Amtskollege aus Bremen. Nur für echte Notfälle gilt: Eintritt frei. Das sagte Barjenbruch in einem Gespräch mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ).

Die überfüllten Notfallambulanzen seien "die Achillesferse der Versorgung", so Barjenbruch. "Wir müssen die Ströme der Patienten besser organisieren und leiten." Der KV Chef plädierte zudem dafür, die Telefonnummer 116117 als Nummer des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Letztlich aber setzt er auf die Kraft der Gebühr, um der oft überzogenen Erwartungshaltung der Patienten in der Notaufnahme zu begegnen. "Wenn 90 Prozent der Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle sind, muss das eine Option sein."

Erst vor wenigen Tagen hat sein Bremer Kollege, der Vorsitzende der KV Bremen (KVHB), Dr. Jörg Hermann, gefordert, jeden Patienten, der zum Arzt will, zuvor zur Kasse zu bitten. Hermann sprach sich aber wie gesagt nur für eine Gebühr von 20 bis 25 Euro aus. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat in seinem jüngsten Gutachten (www.aerztezeitung.de/gutachten2018) eine Gebühr angeregt.

Sollten Patienten einen Facharzt aufsuchen ohne Überweisung vom Hausarzt, hält der Rat eine "Facharztkontaktgebühr" für denkbar — mit Ausnahmen. Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD) kritisierte Barjenbruchs Vorschlag. "Ich halte nichts davon, dass Patientinnen und Patienten vor Betreten der Notaufnahme künftig ein Eintrittsticket lösen müssen. Und wir wollen auch keine neue Praxisgebühr", sagte die Ministerin.

Die Bevölkerung müsse stattdessen besser über den Bereitschaftsdienst informiert werden. Außerdem könnten Portalpraxen für die nötige Patientensteuerung in Notaufnahmen sorgen. (cben)

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