Gesetzliche Krankenversicherung
Krankenkassen mit rund 1,2 Milliarden Euro Überschuss im ersten Quartal
Ein überschaubares Plus und stark steigende Ausgaben in den ersten drei Monaten: Die Krankenkassen appellieren an die Koalition, beim geplanten GKV-Sparpaket standhaft zu bleiben.
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Was bleibt vom GKV-Überschuss übrig? Krankenkassen mahnen Ausgabendisziplin an.
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Berlin. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verzeichnet im ersten Quartal 2026 einen leichten Überschuss. Doch die Kassenverbände warnen vor einer unverändert prekären Finanzlage der GKV.
Die sechs Ersatzkassen (28,7 Millionen Versicherte) verzeichnen einen Überschuss von 567 Millionen Euro, in der AOK-Familie (27,5 Millionen Versicherte) sind es 206 Millionen Euro. Die Betriebskrankenkassen (11,4 Millionen Versicherte) beziffern ihr Plus auf rund 310 Millionen Euro, bei den Innungskassen (5,1 Millionen Versicherte) beträgt der Überschuss etwa 120 Millionen Euro. Von der Knappschaft lagen der Ärzte Zeitung am Mittwoch noch keine Daten vor.
Die addiert rund 1,2 Milliarden Euro (Vorjahresquartal: plus 1,8 Milliarden Euro) entsprechen in etwa den GKV-Ausgaben an einem Tag - im Vorjahr gaben die Kassen täglich annähernd eine Milliarde Euro aus (352,4 Milliarden Euro). 2025 haben die Kassen zum Jahresende ein Plus von insgesamt 3,5 Milliarden Euro ausgewiesen.
Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), schätzt die finanzielle Lage der Ersatzkassen als „sehr angespannt“ ein. Der Überschuss werde für die gesetzlich vorgeschriebene Auffüllung der Rücklagen benötigt. „Die Ausgaben steigen weiterhin ungebremst an und liegen über den Einnahmen“, warnt Elsner.
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Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, kommt zu einer identischen Einschätzung: „Angesichts eines weiterhin ungebrochenen Ausgabenanstiegs von plus 7,9 Prozent im ersten Quartal 2026 ist dieser leichte Überschuss eher ein Alarmsignal als ein Anlass zur Entwarnung.“ Zumal das annähernd ausgeglichene Ergebnis allein durch die hohe Anhebung der Beitragssätze zum Jahreswechsel ermöglicht worden sei.
Für Hoyer gefährdet der über der Schätzerkreis-Prognose liegende Ausgabenanstieg „das Stabilisierungsziel des GKV-Sparpakets ab 2027“. Hinzu kämen neue Ausgabenrisiken, etwa durch das gesetzliche Verbot exklusiver Biosimilar-Ausschreibungen sowie die pauschale Erhöhung des Apothekenfixums.
„Bei Weitem noch keine Trendwende“
Für den Dachverband der Betriebskrankenkassen spricht deren Vorständin Anne-Kathrin Klemm zwar von einem „guten Signal“, sieht aber „bei Weitem noch keine Trendwende“. Auch hier sei das Ergebnis vor allem durch die erhöhten Zusatzbeiträge getragen.
Bei den Ersatzkassen ergeben sich im ersten Quartal Leistungsausgaben, die um 7,48 Prozent je Versicherten gestiegen sind. Am stärksten fällt der Ausgabenanstieg bei der Heilmittelversorgung (9,6 Prozent), im Krankenhaus (9,2 Prozent), bei den Ärztehonoraren (6,9 Prozent) und bei Arzneimitteln (5,5 Prozent) aus, berichtet der vdek.
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Die Einnahmen sind bei den Ersatzkassen dagegen nur um 6,5 Prozent je Versicherten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Und dieser Wert ist getriggert einerseits durch gestiegene Zusatzbeiträge, andererseits durch höhere Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Diese ergeben sich durch die Erstattung von Sofort-Transformationskosten an die Krankenhäuser. Rechne man diesen Sondereffekt heraus, ergäben sich um 6,7 Prozent gestiegene Leistungsausgaben.
Sparvolumen von 16 Milliarden Euro „knapp kalkuliert“
Bei den Betriebskrankenkassen beträgt der Anstieg der Leistungsausgaben je Versicherten sogar neun Prozent – „wesentlich stärker als die beitragspflichtigen Einnahmen“, heißt es. Noch ausgeprägter ist die Enwicklung bei den Innungskrankenkassen.
Das Plus bei den Ausgaben beläuft sich hier auf zehn Prozent. Die beitragspflichtigen Einnahmen bleiben mit vier Prozent weit dahinter zurück. Besonders hoch ist die Ausgabendynamik bei den Innungskassen im stationären Sektor (zwölf Prozent) und bei Arzneimitteln (7,8 Prozent).
Aus Sicht der AOK erinnern die Quartalsergebnisse daran, dass die im Bundeskabinett beschlossenen Einsparungen im Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Höhe von rund 16 Milliarden Euro „sehr knapp kalkuliert“ seien. Werde das Sparpaket wieder aufgeschnürt, seien stabile Zusatzbeiträge 2027 kaum erreichbar.
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Der Gesundheitsausschuss des Bundesrats hat den Ländern empfohlen, zentrale Sparvorschläge von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) abzulehnen. Es sei „unseriös“, Aufweichungen zu fordern ohne alternative Gegenvorschläge zu machen, urteilt Elsner.
Hoyer bleibt am Ende nur ein Appell: „Die Politik sollte jetzt standhaft bleiben und die Vorschläge der FinanzKommission auf der Ausgabenseite noch konsequenter umsetzen, statt das Paket weiter zu zerpflücken.“
Bei Anne-Kathrin Klemm vom BKK-DV lautet der Tenor: „Ohne eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik wird es keine Trendwende in der GKV geben.“
Das sieht Jürgen Hohnl, Geschäftsführer IKK e.V. genauso: „Es gibt keine Spielräume für Verwässerungen im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens. Mit der Entlastung des Bundeshaushaltes in Höhe von zwei Milliarden Euro auf Kosten der Beitragszahlenden hat die Bundesregierung ihren Spielraum massiv verengt.“ (fst)







